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Serie "Das Rad im Alltag" in Kooperation mit ARGUS - Teil 4

Warten an Ampeln anstatt strampeln
26.08.2007, Seite 20

Ein Argus-Test beweist: Bei vielen Ampeln ist für Radfahrer sehr langes Warten angesagt.

  Von der grünen Welle haben in Graz bestenfalls Kfz-Lenker was. Radfahrer (und Fußgänger) müssen sich über lange Wartezeiten ärgern, wie ein Test der Radlobby Argus zeigte. Der Spitzenreiter ist der Rad- und Fußübergang über den Autobahnzubringer A2Z bei der neuen 4er-Station "Dr.-Lister-Gasse". 1:55 Minuten vergehen, bis die Druckknopfampel Grün zeigt. Die meisten sind da schon rübergedüst. Noch länger braucht man als Radler über Kreuzungen, an denen mehrere Fahrbahnen zu queren sind. Kommt man vom Murpark und will stadteinwärts über die C.-v.-Hötzendorf-Straße, muss man 2:15 Minuten veranschlagen. Noch mehr Geduld braucht man mit 2:27 Minuten auf der stark befahrenen Radroute vom Glacis zum Geidorfplatz. Getoppt wird diese Marke nur an der Kreuzung Puntigam: Vom Cineplexx zum Radweg Puntigamer Straße sind fünf Ampeln und in Summe bis zu knapp 3 Minuten einzuplanen. Da scheint die Querung des Glacis zur Zinzendorfgasse, die Uni-Hauptroute, mit maximal 1:44 Minuten richtiggehend kurzweilig.

  Winfried Höpfl, Ampelkoordinator der Stadt und selbst Alltagsradler, kann partiell - etwa bei der Route zum Murpark - Verbesserungen versprechen. Bei den großen Kreuzungen seien die Anforderungsprofile zu komplex. Die Radlobby Argus möchte auf Hauptrouten eine eigene - von den Fußgängern getrennte - Signalisierung mit längeren Grünphasen und statt Anforderungen über Druckknopf Induktionsschleifen bzw. in verkehrsarmen Zeiten Gelbblinken durchsetzen.

Das Fahrrad unter Dach und Fach
02.09.2007, Seite 28

Die Fahrradstation am Grazer Hauptbahnhof bietet Schutz für jeden Drahtesel.

   Die Radstation, mit 275 Abstellplätzen im Doppelstocksystem wurde Ende 2004 im Trakt südlich des Haupteingangs in Betrieb genommen. Seither haben hunderte Radlerinnen und Radler, vornehmlich Berufspendler, aber auch Touristen, von der überdachten und gesicherten Unterbringung ihres Gefährts Gebrauch gemacht. Sie wissen den trockenen und wohl temperierten Sattel zu schätzen und schützen ihre Bikes vor Korrosion. Videoüberwachung und Kontrolle durch ÖBB-Personal, welches auch das Fundbüro betreut, gewähren ein hohes Maß an Diebstahlsicherheit an 365 Tagen im Jahr.

   Die Bedienung ist einfach: Tagesparker lösen für einen Euro ein Ticket am Eingang, Dauerparker haben für 7 Euro im Monat bzw. 70 Euro im Jahr mittels Chipcard (erhältlich am ÖBB-Fahrkartenschalter) unbeschränkten Zugang rund um die Uhr.

   In der Fahrradstation gibt es außerdem Schließfächer und Leihfahrräder. Außen neben dem Eingang befinden sich ein Werkzeugkasten mit Kompressor für Do-it-yourself-Reparaturen und ein "Schlauchomat" mit wichtigen Utensilien für den Fall eines "Patschens".

   Für Radlerinnen und Radler, die sich von den Vorteilen der Fahrradstation überzeugen wollen, startet ARGUS gemeinsam mit der Abteilung Verkehrsplanung der Stadt Graz im kommenden Herbst eine Schnupperaktion: Wer mitmachen will, schickt bis 30. 9. eine Mail an argus-stmk@gmx.at - verlost werden zehn Monatskarten.

Radfahren ist ein Kinderspiel
23.09.2007, Seite 16

Am heutigen Sonntag und am 29. September gibt es im Verkehrsgarten noch Fahrradtrainings für Kinder.

   Wer in Graz aufwächst, kennt die Straßen, Ampeln, Kreuzungen im Kleinformat im Verkehrsgarten bei der Passamtswiese. Dort wurde heuer erstmals im Sommer ein betreutes Fahrradtraining und an den Wochenenden sogar mit Animationsprogramm und Kinderbetreuung angeboten. Das Feedback war so gut, dass man dieses Angebot im nächsten Jahr wiederholen möchte, heißt es beim zuständigen Stadtrat Werner Miedl. Noch zweimal gibt es heuer das Angebot an Wochenenden noch, und zwar heute Sonntag, und am Samstag, den 29. September (9 bis 17 Uhr).

   Von der Polizei ausgebildete Aufsichtspersonen übernehmen die Betreuung der im Verkehrsgarten radelnden Kinder von 3 bis 10 Jahren. Das echte Kinderprogramm mit Fahrradquiz, Kasperltheater oder Schnitzeljagden - natürlich alles zum Thema Rad -findet jeweils zwischen 15 und 17 Uhr statt.

   Freilich ersetzen die Übungen im Verkehrsgarten "echte" Ausfahrten nicht. "Die Idee, dass Eltern mit den Kindern im Verkehrsgarten üben, ist gut. Aber danach heißt es raus aus dem Schonraum", so Gudrun Uranitsch, die bei der Grazer "Forschungsgesellschaft Mobilität" die Vorbereitung auf die Fahrradprüfung für die Viertklassler betreut. Denn die komplexen Abläufe im echten Straßenverkehr könne man im Verkehrsgarten nicht nachstellen.

   "Kinder können ihr Wissen aus dem Schonraum ohne zusätzliches Üben im Alltagsverkehr nicht umsetzen", weiß die Spezialistin in Sachen Radverkehrserziehung. Betreutes Radeln im Verkehrsgarten ohne Kinderprogramm ist auch noch bis Freitag, 27. 9., von 8 bis 16 Uhr möglich.

"Jedem Steirer sein Rad"
30.09.2007, Seite 36

Erstmals seit Ende der Puch-Räder wird in der Steiermark ein Fahrrad zusammengebaut.

   Der Radschwerpunkt 2007 macht es möglich: 20 Jahre, nachdem im Grazer Puchwerk die Radproduktion eingestellt wurde, gibt es wieder ein steirisches Rad. Wenngleich viele Teile noch aus Fernost zugeliefert werden, ist doch ein erheblicher Teil der Wertschöpfung steirisch. Zusammengeschraubt wird es in Wörschach. Und geht es nach dem ehrgeizigen Plänen von Steirerbike-Macher Harald Scherz, soll zumindest der Rahmen bald in der Steiermark angefertigt werden.

   Vorerst bleibt es bei der großteils weißen und etwas grünen Lackierung und dem Namen "Steirerbike". Das Trekking-Rad ist mit Alurahmen, Federgabel und gefederter Sattelstütze, Nabendynamo mit Standlicht und einer 24-Gang-Shimano-Acera-Schaltung ausgestattet und in zwei Größen lieferbar. 700 Stück zählt die "First Edition", die von acht Personen zusammengebaut wird. Ein Bike kostet im Fachhandel 549 Euro. Ab der Edition 2008 soll es auch einen Alurahmen mit geteiltem Unterrohr geben, der bei den teureren, trendigen Steirerbike-Modellen Business und Cross zum Einsatz kommen wird.

   Sogar ein Elektrorad mit Radnabenmotor will man anbieten. 1000 Fahrräder will Scherz im nächsten Jahr in einer neuen Halle produzieren. Für Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder ist das Steirerbike ein Projekt für Klimaschutz und Gesundheit in der grünen Mark. Es soll die Wichtigkeit des Fahrrads in der heutigen Verkehrspolitik untermauern.

Keine Rutschpartie für Radler
07.10.2007, Seite 48

Bei Regen und Schnee auf dem Drahtesel: Kein Problem, wenn Umfeld und Ausrüstung passen.

Wenn Radwege und Straßen nass und rutschig werden oder gar verschneit sind, dann sind sie da, die schlechten Zeiten für die Radfahrer. Dabei erfreut sich das Radeln in der kalten Jahreszeit immer größerer Beliebtheit, wie Verkehrszählungen bestätigen. Immerhin ein Drittel der Grazer Biker fährt auch im Winter - Tendenz steigend. Die wichtigste Voraussetzung ist ein sicheres Fahrrad mit Licht für die frühe Finsternis und technisch einwandfreien Bremsen und Reifen.

Gut geschmierte bewegliche Teile sind gegen Nässe, Schmutz und Streusalz geschützt und funktionieren besser und leichtgängiger. Beim Licht zahlt sich der Umstieg auf Halogen- oder LED-Technologie aus, die deutlich mehr Leuchtkraft bietet. Ein nachleuchtendes Rücklicht bedeutet ein Plus an Sicherheit, besonders dann, wenn man stehen bleiben muss und ein Dynamo keinen "Saft" liefern kann.

In Sachen Bremsen lohnt eine Kontrolle der Bremsbeläge bzw. ein Austausch auf einen Typ, der bei Nässe und Kälte besser "zupackt".

Viel Spielraum gibt es bei den Reifen. Im Herbst oder bei Neuschnee kommt man mit normalen profilierten Reifen gut über die Runden. Wird der Belag glatter, lohnt sich ein Umstieg auf Spikereifen. Sie verhindern das Wegrutschen auf nassem Laub und bei frierender Nässe am Abend. Zweireihige Spikes sind für den Alltagsradler ausreichend, wie ein Test der Stadt Graz und der Radlobby Argus ergab. Sie haben auch kaum mehr Rollwiderstand als Profilreifen. Die Umrüstung kostet rund 80 Euro.

Bei der Kleidung gilt das Zwiebelschalenprinzip: Mit mehreren Schichten passt man sich den innen und außen sehr differierenden Temperaturen an. Unter dem Helm sorgt eine Haube für mehr Wärme. Vor allem gilt: defensiv fahren und den rutschigeren Untergrund berücksichtigen - und hoffen, dass die Radwege und Fahrradstreifen schnell und ordentlich geräumt werden.

Davon, und weniger von Wind und Wetter, hängt es nach den Erfahrungen von Argus ab, wie viele Radlerinnen und Radler sich auch in der kalten Jahreszeit auf den Sattel schwingen.



Im nächsten Jahr läuft's rund
Das neue Steiermark-Rad markierte den Höhepunkt des Radjahres 2007. Für 2008 ist einiges im Laufen.

Der Radboom in Sport und Freizeit ist ungebrochen, das "Rad im Alltag" hat allerdings noch Entwicklungspotenzial. In diese Richtung zielte der Radschwerpunkt 2007 des Landes-Verkehrsressorts. Zusätzlich zu den zwei Millionen Euro für den Ausbau der Radwege gab es weitere drei Millionen, um das Rad als das Alltagsfahrzeug attraktiver zu machen. "20 Kilometer pro Woche weniger mit einem Auto entsprechen einer Verringerung von 95.000 Tonnen CO2 pro Jahr", sagt Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder. Dazu kommt, dass die Hälfte der allein in Graz zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer ist - eine ideale Raddistanz. Per Rad zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen ist also schnell, praktisch und gesund.

Für mehr Freude am Radeln sorgten Projekte mit der Radlobby Argus und dem Verein Bicycle (Technik-Checks), der Forschungsgesellschaft Mobilität (Fahrradprüfung für Schulkinder), WIKI (Kinderradeln im Grazer Verkehrsgarten) sowie dem Radspezialisten Harald Scherz, der für das erste Steiermark-Rad seit Ende der Puch-Radproduktion vor 30 Jahren verantwortlich ist (www.steirerbike.at).

Dazu kommen Markierungen in roter Signalfarbe an neuralgischen Stellen des Grazer Radverkehrsnetzes. In Arbeit sind moderne Leitsysteme, geschützte und sichere Radabstellplätze, die Verbesserung der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln. Sicher einen Höhepunkt wird 2008 ein Fahrradgipfel am 17. und 18. April darstellen, bei dem Fachleute und Akteure der Praxis wie Radaktivisten und Gemeindevertreter aufeinander treffen werden.