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Von Grenze zu Grenze ganz im Osten
R12 führt nicht nur zu Thermen


Im Hintergrund: Schloss Kapfenstein
Im Hintergrund: Schloss Kapfenstein
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Entlang der slowenischen Grenze
Entlang der slowenischen Grenze
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Der Thermen-Radweg (R12) ist sicher einer der schönsten, weil landschaftlich attraktivsten und von der Strecke her abwechslungsreichsten steirischen Radrouten. Er verläuft von Grenze zu Grenze (NÖ - SLO) und entlang der Grenzen (zu Burgenland und Slowenien) von Mönichwald bis Bad Radkersburg. Mit fast 150 km Länge ist er nach dem Murradweg der zweitlängste Radweg.

Über den nördlichen Streckenabschnitt von Mönichwald bis Fehring kann der Autor leider keine Auskunft geben - kann sein, dass dies später ergänzt wird. Die Beurteilung bezieht sich also auf den rd. 45 km langen Abschnitt von Fehring nach Bad Radkersburg, der sich als Tagestour in Kombination mit der Externe Verknüpfung 
ÖBB eignet, mit allfälliger Verlängerung auf dem R 2 bis Spielfeld.

Vom Fehringer Bahnhof geht´s Richtung Ort und unmittelbar nach Querung der Raab links ein Stück auf dem R11, kurz nach der Weinbergmühle stößt man auf den R12. Auf den Hirzenriegel lauert die erste gröbere Steigung - bis Radkersburg sind in summa 650 Höhenmeter zu machen. Nun radelt man gemütlich den Grat entlang, wo früher die Grenze zu Ungarn (jetzt Landesgrenze zum Burgenland) verlaufen ist. Die Überschneidung steirischer mit burgenländischer (B70) und regionaler Radwegbeschilderung sorgt bisweilen für Verwirrung. Auf einer - mittlerweile leider asphaltierten - Fortsstraße passieren wir eine Straußenfarm, vorbei an einer ehem. Richtstätte nähern wir uns nach einem Pracht-Blick auf Schloss Kapfenstein dem auf einem Hügel thronenden St. Anna. Davor will der Einkehrschwung noch verdient sein, will heißen: es geht bergauf, und zwar schön ordentlich.

St. Anna ist auf alle Fälle eine Rast wert. Am Ortsanfang befindet sich rechter Hand ein öffentliches WC mit Waschgelegenheit, im Ort gibt es meherere Wirthäuser, einen Bäcker und vor allem die Vinothek. Knapp vor der Kirche gelegen, präsentiert sie sich als spannende architektonische Lösung: Auf der Ortsstraße kommend ist sie eigentlich einen Stock tiefer gelegen, d.h. man trifft auf dem Dach ein, das als Umkehre und ein Rastplatz genutzt wird. Auf eine kleine Verkostung (auch 1/16 möglich) ist fast nicht zu verzichten, wenngleich sich jede Großzügigkeit auf den folgenden Kilometern bemerkbar macht.

Im Sturzflug - und besser nüchtern! - hinter der Kirche hinunter. Man muss aufpassen, dass man nach einem kurzen Stück auf der Hauptstraße nach dem Friedhof die Abzweigung nach links nicht verpasst. Dann geht´s immer der Grenze nach Slowenien entlang, kleine, jetzt erst recht unbesetzte Grenzübergänge lassen Erinnerungen an nicht allzu Ferne Zeiten wach werden, als sich hier gefährliches Niemandsland befand. Die Fahrbahn changiert zwischen asphalierter Gemeindestraße, Betonpiste und Schotterweg, ist aber immer gut befahrbar. Das Verkehrsaufkommen ist mäßig, die Beschilderung neu überholt und die Verlockung, am Wegesrand zu verweilen, mannigfaltig.

Klöch lässt man, obwohl sicher auch einen Abstecher wert, rechts liegen, über Hummersdorf (hier gibt´s im Sommer legendäre Dämmerschoppen) rollt man nach Altneudörfl und schließlich nach Bad Radkersburg, das immer einen Besuch Wert ist. Ach ja, Thermen gibt es entlang und am Ende des Thermen-Radweges auch.

Wer noch Schmalz in den Waden hat und etwa im Frühjahr noch die Bärlauchwälder bei Mureck heimsuchen möchte, biegt bie Pridahof vom R12 ab und wählt die Abkürzung über Diezen und Halbenrain zum R2, den Murradweg. Nach einer Stärkung im Mühlenhof bei der Murmühle radelt man im Auwald weiter und befindet sich im Bärlauch-Universum. Nach total 82 km (ab Fehring) darf man sich dann mit reicher Beute aber schon leichten Ermüdungserscheinungen in Spielfeld in den Zug nach Graz setzen.

WW, Juni 2004, update 04/06