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Drahtesel der anderen Art
"Kleine Zeitung" vom 14.7.2002

Weststeirischer Erfinder hat sich ein Spezialrad patentieren lassen. Schule baut Prototyp.

Noch schaut der Prototyp mehr wie ein aus der Art geschlagener Drahtesel als ein richtiges Fahrrad aus. Doch sein Erfinder, der Weststeirer Rudolf Koch, ist überzeugt, dass sein "Hand-Foot-Driver" Zukunft hat: Für Menschen mit Behinderungen und solche, bei beim Radfahren auch mit den Armen "in die Pedale treten" wollen.

Knapp zwei Jahre hat Koch an dem Rad gebastelt, ehe er vor kurzen ein Patent in die Hand bekam: Mit dem amtlichen Kennzeichen "A 282/2002" ist sein "motorloses Radfahrzeug" beim Patentamt in Wien registriert. Die technische Innovation: Das Rad wird nicht klassisch über einen gewöhnlichen Kettenantrieb betrieben, sondern über so genannte Wipparme und Wippgetriebe. Der Witz dabei: Statt einer Drehbewegung überträgt man die Kraft durch Hin- und Her- bzw. Auf- und Abtauchen. Der Hinterradantrieb erfolgt, indem der Radler abwechselnd auf zwei Pedale tritt - wie beim Gehen im Stand. Vorne treibt man mit den Armen das Gerät an, indem man eine spezielle, zweite Lenkstange zu sich herzieht - die Bewegung erinnert an Geräte in der Kraftkammer.

Tatsächlich will Koch das übliche Fahrrad nicht revolutionieren, sondern ergänzen: Sein Modell kann der Fahrer nämlich auch nur mit einem Arm oder nur einem Bein antreiben. "Wenn jemand Probleme mit der Hüfte hat, betreibt er das Rad nur mit den Armen", beschreibt der Erfinder eine weitere Variante.

Und noch ein Clou: Selbst der Sitz kann zu einem Antrieb umfunktioniert werden und ersetzt dann die Fußarbeit. "Mountain- Bike ist es keines, es ist eine Mischung aus Fahrrad und Roller."

Der Eibiswalder hat schon als Jugendlicher Räder, Mopeds und Motorräder zerlegt: "Was heute der Computer für die Jugendlichen ist, war damals der Motor", erinnert sich der 55-Jährige. Er hofft jetzt auf Interesse bei der Industrie. Demnächst soll bereits ein "richtiger" Prototyp als Projektarbeit in einer HTL entstehen, denn sein derzeitiges Vorführmodell lässt noch zu wünschen übrig. "Ich habe es aus alten Fahrrädern zusammengebaut", berichtet Rudolf Koch.

Auch mit einer steirischen Firma, die für die Produktion in Frage kommt, ist der Erfinder bereits im Gespräch.
NORBERT SWOBODA