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"S-Bahn ist für Graz lebensnotwendig" "Kleine Zeitung" vom 12.10.2006, Seite 28
| Graz will Freiburg werden: In der Stadt im Breisgau fahren 27 Prozent mit dem Fahrrad, in der Ex-Radler-Hochburg Graz nur 14. Bis 2015 soll S-Bahn nach Freiburger Vorbild stehen.
"Wir wollen wieder die Radfahrhauptstadt Österreichs werden. Dieses Ziel geben wir nicht auf", tönt Verkehrsstadtrat Gerhard Rüsch (VP). Dass der Weg dorthin ein weiter ist, davon konnte er sich bei einer Exkursion im Rahmen des EU-Projektes "Pimms" nach Freiburg überzeugen.
In der Stadt im Breisgau treten heute 27 Prozent der Bevölkerung in die Pedale, während der Autoanteil auf 32 geschrumpft ist. In Graz sind es hingegen nur magere 14 Prozent an Pedalrittern zu 48, die mit dem Auto fahren. Das Freiburger Geheimnis liegt in einer konsequenten Politik, die seit 30 Jahren die Alternativen zum Auto forciert. "Man darf in der Verkehrspolitik nicht auf kurzfristige Erfolge hoffen", stellt Martin Haag vom Freiburger "Die Freiburger Radfahrer treten sehr selbstbewusst auf", sagt Radfahrbeauftragter Henrick Schmitt. Sie haben auch allen Grund dazu: So gibt es etwa Fahrradstraßen, in denen die Radfahrer gegenüber den Autos bevorrangt sind. "Das hat eine starke Symbolwirkung", so Schmitt. Ein System, das sich auch Rüsch vorstellen kann: "Als Pilotversuch ist das zu überlegen, in unserer Straßenverkehrsordnung ist das aber noch nicht vorgesehen." Anbieten würden sich etwa Tempo-30-Zonen rund um die Universität. Unterstützung bekommt er dabei von Grünen-Chefin Sigi Binder.
Das entscheidende Erfolgsrezept, um auch den Verkehr aus dem Umland in die Stadt vom Auto wegzubringen, ist die SBahn - auch hier strebt Graz nach dem Freiburger Vorbild. "In Graz haben wir täglich 120.000 Autos, die über die Stadtgrenze kommen", rechnet Rüsch vor. "Eine S-Bahn ist für Graz lebensnotwendig", ist er überzeugt. Sonst drohe der totale Stillstand. Die S-Bahn soll im 30-Minuten-Takt etwa von Frohnleiten, Weiz oder Deutschlandsberg nach Graz verkehren. Im Gemeinderat herrscht über das Konzept Einigkeit, der Haken ist die Finanzierung von mehreren hundert Millionen Euro. Dabei setzt Rüsch auf einen Schulterschluss zwischen Stadt, Land und Bund.
"Das Land darf uns nicht nocheinmal so im Stich lassen wie bei der Raumordnung und den daraus resultierenden Einkaufszentren vor den Toren der Stadt", hofft Rüsch. Bis 2015 ill er "konkrete Ergebnisse" - sprich eine erste S-Bahn-Linie - sehen. GERALD WINTER
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