Grazer Trainingsschule 1897
 
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A: Radsportliche Highlights


Militär-Rennen auf Grazer Bahn, 1893
Militär-Rennen auf Grazer Bahn, 1893
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Grazer Rennfahrerschule
Grazer Rennfahrerschule
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Gedenktafel an das erste Fußballmatch
Gedenktafel an das erste Fußballmatch
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Anfänge auf Straße und Bahn
Das erste Straßenrennen schrieb der Grazer Bicycle-Club für den 14. Oktober 1883 auf der Strecke Graz - Bruck - Graz aus. Der Sieger August Wagner benötigte für die 100 km 5 Stunden 44 Minuten und 30 Sekunden – er war also mit einem Schnitt von 17,4 km/h unterwegs. Auf den Plätzen landeten Max Kleinoscheg und Alexander Gayer.

Nicht zuletzt die schlechten Straßenverhältnisse begünstigten in der frühen Zeit die Verlagerung auf die Bahn: Am 14.4.1884 wurde im Park der Industriehalle (heute: Messe) die erste Radrennbahn Österreichs und mit 690,3 m die längste des europäischen Festlandes eröffnet. Zu Pfingsten 1884 erfolgte der Auftakt zu den legendären „Internationalen Grazer Pfingstrennen“. Wie bei allen weiteren dieser Veranstaltungen stieg ein großes Sportfest, eingeleitet mit einer festlichen Auffahrt sämtlicher Radfahrer und einem Preiskorso. Schon damals wurde auf dem Hochrad der Kilometer in zwei Minuten, also mit beachtlichen 30 km/h, gefahren.

Das erste internationale 100-km-Rennen um die Meisterschaft der österreichischen Alpenländer entschied 1887 GBC-Racer Paul Kielhauser für sich. Erster - inoffizieller - Straßenmeister der Steiermark wird 1887 Berthold Diamant, als "Meister der österreichischen Alpenländer" über 100 km auf der Straße bekam er das silberne, mit Brillanten besetzte Edelweiß und blieb auch 1888 bei der Meisterschaft von Österreich im Straßenfahren über 150 km siegreich. Die erste offizielle steirische Straßenmeisterschaft ging 1891 an Josef Berghofer vom Pischelsdorfer RV auf einem Niederrad.

Ab 1889 wurde das 50-km-Straßenrennen getrennt nach Teilnehmern auf Hoch- und Niederrädern ausgetragen - das letzte Hochrad-Rennen fand übrigens 1892 statt. Ein weiteres Mitglied des GBC, Hubert Endemann, eroberte ab 1889 in Serie Meistertitel im Kunstfahren.

Bemerkenswert waren die Leistungen der frühen Radsportler, die vielfach Bezüge zum Turnen hatten, als Sport-Pioniere: Max Kleinoscheg führte gemeinsam mit Toni Schruf (Mürzzuschlag) und Walther Wenderich (Bruck) 1890/91 den "Schneeschuh-Sport" in Mitteleuropa ein, zwei Mannschaften des Akademisch-technischen Radfahr-Vereins bestritten 1892 das erste Fußballspiel Österreichs auf dem Platz vor der Landesturnhalle. Auch den Bobsport machen Radler des Brucker BC in diesen Breiten salonfähig.



Gerger hinter Styria-Sechssitzer
Gerger hinter Styria-Sechssitzer
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Franz Gerger
Franz Gerger
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Training auf der Grazer Rennbahn, 1898
Training auf der Grazer Rennbahn, 1898
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Plakat 1947
Plakat 1947
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Die Grazer Birnen-Rennbahn
1888 errichteten Grazer Radfahrer-Club und Akademisch-technischer Radfahr-Verein gegenüber der Industriehalle (auf dem Areal des späteren Sportclubplatzes) nach dem Vorbild der Rennbahn im Frankfurter Palmengarten eine 400m-Bahn. Diese setzte mit ihrer Anlage, wie etwa geneigten Kurven und einer Teerung, neue Maßstäbe im Rennbahnbau. Anstatt des üblichen Ovals hatte sie wegen der tangierenden Eisenbahn (Ostbahn) einen birnenförmigen Verlauf.

Der erste wirklich bedeutende Radrennfahrer, den die Grazer Club-Landschaft hervorbrachte, war Dr. Erst Smreker (GBC): Er sicherte sich 1889 die in Graz ausgetragene Bundes-Bicycle-Meisterschaft des österreichisch-ungarischen Radfahrerbundes. Ihm folgten die Brüder Carl und Hans Schneider sowie Franz Urpani. Die Dominatoren der Zeit um die Jahrhundertwende waren Externe Verknüpfung 
Franz Gerger (3. bei Wien - Berlin 1893, Sieger Bordeaux - Paris 1895, WM-Dritter 1896 und Europameister 1897 über 100 km auf der Bahn, Inhaber zahlreicher Weltrekorde) und Externe Verknüpfung Bruno Büchner, gebürtiger Deutscher, der ebenfalls aus der Grazer Trainierschule von Alexander Gayer kam.

Gayer war übrigens weltweit der erste professionelle Trainer im Radsport. Der bekannteste Racer aus seinem Stall war Externe Verknüpfung Thorwald Ellegaard. Allein sechsmal war er zwischen 1901 und 1912 Weltmeister der Profi-Flieger, dreimal war er Europameister.

Eine, gerade aus heutiger Sicht weniger ruhmreiche Entwicklung hat Wurzeln auch in Graz: Doping. Ab 1894 experimentierten die Mediziner Oskar Zoth und der spätere Chemie-Nobelpreisträger Fritz Pregl mit Steroiden und stellten im Selbstversuch ihre leistungssteigernde Wirkung fest. 

1900 wurde die zweite Grazer Rennbahn aufgelassen. Die Radsportbegeisterung des Publikums hatte nachgelassen, nicht zuletzt wegen strenger Amateur-(Herrenfahrer-)Reglements und der zunehmenden Konkurrenz anderer Sportplätze wie Wien, die interessante Bewerber absaugten. Nach der Jahrhundertwende fanden zwar noch Rennen auf der Trabrennbahn und nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem GAK-Platz sowie bis in die 1960er-Jahre im Liebenauer Stadion statt, die große Zeit des Bahnsports in Graz war aber längst vorbei.

Damenrennen
Damenrennen
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Siegesparade in der Annenstraße, 1952
Siegesparade in der Annenstraße, 1952
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Richard Durlacher
Richard Durlacher
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Zeltweger Kunstradteam
Zeltweger Kunstradteam
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Rudi Mitteregger
Rudi Mitteregger
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Duell Junior - Puch
Zur Jahrhundertwende verlor Graz seine Position als "Hochburg des Radsports": Dem Einspringen des Brucker Bicycle-Club ist es zu verdanken, dass wenigstens der regionale Rennbetrieb aufrecht blieb. Danach ist es die Radsektion des
Grazer Athletik Sportclubs GAK, der RV "Ausdauer 1909" die alten Vereine "Wanderlust" und "Edelweiß" sowie der Postsportverein, die sich um den steirischen Radsport verdient machen.

Nach den gerade in den Reihen der Radsportler verlustreichen Jahren des Ersten Weltkriegs führten in der Zwischenkriegszeit Valentin Luttenberger, Ferdinand Gatternig und Rudolf Ottitsch die Siegeslisten in der Steiermark an. Noch vor der Zeit des NS-Regimes begann die Karriere des Josef Poschgan, 1935-44 Staatsmeister im Einer-Kunstradfahren und jene des Heinz Jager, der u.a. 1938 das erste Grazer Innenstadt-Kriterium für sich entscheiden konnte und später die Ära des "Junior"-Teams begründete.

Die 50er- und 60er Jahre waren vom Duell der Werksteams von Junior und Puch geprägt. Junior holte vier Mal den österreichischen Mannschaftsmeister, Puch errang mit Richard Durlacher u.a. Siege auf der Österreich- und der England-Rundfahrt 1958. Die schillerndste Figur der Nachkriegsjahre war aber Franz Deutsch, von seinem Wiener Sportkollegen Max Bulla einmal als "Dulliöh-Sieger, aufgeputscht mit Wein und Bier" bezeichnet. Er gewann die Ö-Rundfahrt 1951 und 1952 für Junior.

Die 60er- und 70er-Jahre waren dann die große Zeit der "steirischen Gämse" Felix Damm und des Rudi Mitteregger. Bekannt ist von ihm der verzweifelte Sager, als er bei der Ö-Rundfahrt 1974 am Gaberl nach einem Defekt minutenlang auf das Betreuerfahrzeug warten muss: "Wo blei´n denn die Affn?" Mitteregger gewann trotzdem, ebenso wie 1970 und 1977, vier Mal war er Zweiter, vier Mal Glockner-König und acht Mal Straßenmeister.

In dieser Zeit erlebte auch der Saalsport mit Kunstradteams in Graz und Zeltweg einen nie wieder erreichten Höhenflug.

Fasching, RAAM 2004
Fasching, RAAM 2004
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Start zum Four Cross, Schladming 2004
Start zum Four Cross, Schladming 2004
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Alpentrophy 2005
Alpentrophy 2005
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Grazer Altstadtkriterium 2006: Eisel vor Klöden
Grazer Altstadtkriterium 2006: Eisel vor Klöden
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 Wildon, 2007
Wildon, 2007
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Vielfalt mit Hang zum Extremen
Während die Zahl der klassischen Radrennen immer weniger wurde - nennenswert sind die Rennen Wien - Laßnitzhöhe, die Select Tour (ehem. Steiermark-Rundfahrt), der GP in Judendorf-Straßengel - und mit dem Grazer Altstadt-Kriterium überhaupt nur ein Rennen dieser Art geblieben ist, bewährten sich Steirer auf der Bühnen des Profisports. Peter Luttenberger erreichte 1996 mit dem fünften Platz sein bestes Ergebnis bei der Tour de France, Sprinter Bernhard Eisel wurde 2006 zum Radsportler Österreichs gekürt.

Die Suche nach immer extremeren Herausforderungen ist ein Zug der Zeit. Wolfgang Fasching war eine der Galionsfiguren dieser Generation. Er konzentrierte sich auf Extrembewerbe und siegte 1997 beim Race Across America. Im folgenden Jahr wurde er trotz gebrochenen Schlüsselbeins Zweiter, legte 2001 die 4.809 km „from coast to coast“ in unglaublichen acht Tagen, zehn Stunden und 49 Minuten zurück und siegte auch 2002. Der Landstrecken-Champion stellte einen 12-Stunden- (1995 - 462 km) und mehrere 24-Stunden-Weltrekorde (1997, 1999 und 2002 - 856 km) auf. 2007 trat er nach einem weiteren zweiten Platz beim RAAM zurück.

Ebenfalls zur Spezies der Extremen gehören die Turnowsky-Zwillinge aus Raaba, die 2007 am Fuße des Schöckls einen
Höhenmeter-Weltrekord aufstellten: Gernot und Horst bewältigten in 24 Stunden beachtliche 20.049,9 hm.

Seit 1991 gibt es ein steirisches Frauen-Radrennteam, das in Frohnleiten und Graz seinen Sitz hat, mit Brigitte Krebs und Bernadette Schober etliche österreichische Titel errang und heute als Team "Uniqa Graz" fährt. Christiane Soeder wurde 2006 für dieses Team Straßenmeisterin, sie war 11. bei der Straßen-WM in Salzburg im Zeitfahren und Dritte 2007 in Stuttgart, allerdings nicht mehr für Uniqa. Beim Bahnweltcup in Los Angeles stellte sie in der 3.000-Meter-Einzelverfolgung mit dem 7. Platz in 3:47,47 Minuten einen neuen österreichischen Rekord auf.

Immer mehr in den Mittelpunkt des radsportlichen Interesses rückten in den vergangenen Jahren Mountainbike-Rennen:  Die Externe Verknüpfung „Alpentour Trophy“, Downhill- oder Cross-Bewerbe in Externe Verknüpfung Stattegg, Externe Verknüpfung Schladming oder am Externe Verknüpfung Erzberg. Doch damit ist das Repertoire an Sportarten, die mit dem Fahrrad ausgetragen werden, noch nicht erschöpft: Unter die Fun-Disziplinen einzureihen sind die BMX- und Trail-Disziplinen oder Externe Verknüpfung Bicycle Crocket, das seit 2000 im Grazer Stadtpark nahe dem Paulustor gespielt wird.

Negative Doping-Spur
Der steirische Radsport hat aber auch eine gewisse Doping-Tradition: Erste Experimente mit Steroiden Ende des 19. Jahrhunderts  sowie der Einsatz von Arsenik auf der Grazer Rennbahn fanden leider ihre späte Fortsetzung etwa mit der lebenslangen sperre des Wiederholungstäters Christian Pfannberger. Auch für das Radsportgeschehen in der Steiermark bedeutete das Thema Doping einen massiven Rückschlag: Das "Altstadtkriterium" konnte 2008 nicht mehr ausgetragen werden, die "Steiermark-Rundfahrt" ("Select Tour") wurde 2009 wegen Ausfalls des Hauptsponsors gestrichen.