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1888 errichteten Grazer Radfahrer-Club und Akademisch-technischer Radfahr-Verein gegenüber der Industriehalle (auf dem Areal des späteren Sportclubplatzes) nach dem Vorbild der Rennbahn im Frankfurter Palmengarten eine 400m-Bahn. Diese setzte mit ihrer Anlage, wie etwa geneigten Kurven und einer Teerung, neue Maßstäbe im Rennbahnbau. Anstatt des üblichen Ovals hatte sie wegen der tangierenden Eisenbahn (Ostbahn) einen birnenförmigen Verlauf. Der erste wirklich bedeutende Radrennfahrer, den die Grazer Club-Landschaft hervorbrachte, war Dr. Erst Smreker (GBC): Er sicherte sich 1889 die in Graz ausgetragene Bundes-Bicycle-Meisterschaft des österreichisch-ungarischen Radfahrerbundes. Ihm folgten die Brüder Carl und Hans Schneider sowie Franz Urpani. Die Dominatoren der Zeit um die Jahrhundertwende waren Franz Gerger (3. bei Wien - Berlin 1893, Sieger Bordeaux - Paris 1895, WM-Dritter 1896 und Europameister 1897 über 100 km auf der Bahn, Inhaber zahlreicher Weltrekorde) und Bruno Büchner, gebürtiger Deutscher, der ebenfalls aus der Grazer Trainierschule von Alexander Gayer kam. Gayer war übrigens weltweit der erste professionelle Trainer im Radsport. Der bekannteste Racer aus seinem Stall war Thorwald Ellegaard. Allein sechsmal war er zwischen 1901 und 1912 Weltmeister der Profi-Flieger, dreimal war er Europameister. Eine, gerade aus heutiger Sicht weniger ruhmreiche Entwicklung hat Wurzeln auch in Graz: Doping. Ab 1894 experimentierten die Mediziner Oskar Zoth und der spätere Chemie-Nobelpreisträger Fritz Pregl mit Steroiden und stellten im Selbstversuch ihre leistungssteigernde Wirkung fest. 1900 wurde die zweite Grazer Rennbahn aufgelassen. Die Radsportbegeisterung des Publikums hatte nachgelassen, nicht zuletzt wegen strenger Amateur-(Herrenfahrer-)Reglements und der zunehmenden Konkurrenz anderer Sportplätze wie Wien, die interessante Bewerber absaugten. Nach der Jahrhundertwende fanden zwar noch Rennen auf der Trabrennbahn und nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem GAK-Platz sowie bis in die 1960er-Jahre im Liebenauer Stadion statt, die große Zeit des Bahnsports in Graz war aber längst vorbei. |
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Zur Jahrhundertwende verlor Graz seine Position als "Hochburg des Radsports": Dem Einspringen des Brucker Bicycle-Club ist es zu verdanken, dass wenigstens der regionale Rennbetrieb aufrecht blieb. Danach ist es die Radsektion des Grazer Athletik Sportclubs GAK, der RV "Ausdauer 1909" die alten Vereine "Wanderlust" und "Edelweiß" sowie der Postsportverein, die sich um den steirischen Radsport verdient machen. Nach den gerade in den Reihen der Radsportler verlustreichen Jahren des Ersten Weltkriegs führten in der Zwischenkriegszeit Valentin Luttenberger, Ferdinand Gatternig und Rudolf Ottitsch die Siegeslisten in der Steiermark an. Noch vor der Zeit des NS-Regimes begann die Karriere des Josef Poschgan, 1935-44 Staatsmeister im Einer-Kunstradfahren und jene des Heinz Jager, der u.a. 1938 das erste Grazer Innenstadt-Kriterium für sich entscheiden konnte und später die Ära des "Junior"-Teams begründete. Die 50er- und 60er Jahre waren vom Duell der Werksteams von Junior und Puch geprägt. Junior holte vier Mal den österreichischen Mannschaftsmeister, Puch errang mit Richard Durlacher u.a. Siege auf der Österreich- und der England-Rundfahrt 1958. Die schillerndste Figur der Nachkriegsjahre war aber Franz Deutsch, von seinem Wiener Sportkollegen Max Bulla einmal als "Dulliöh-Sieger, aufgeputscht mit Wein und Bier" bezeichnet. Er gewann die Ö-Rundfahrt 1951 und 1952 für Junior. Die 60er- und 70er-Jahre waren dann die große Zeit der "steirischen Gämse" Felix Damm und des Rudi Mitteregger. Bekannt ist von ihm der verzweifelte Sager, als er bei der Ö-Rundfahrt 1974 am Gaberl nach einem Defekt minutenlang auf das Betreuerfahrzeug warten muss: "Wo blei´n denn die Affn?" Mitteregger gewann trotzdem, ebenso wie 1970 und 1977, vier Mal war er Zweiter, vier Mal Glockner-König und acht Mal Straßenmeister. In dieser Zeit erlebte auch der Saalsport mit Kunstradteams in Graz und Zeltweg einen nie wieder erreichten Höhenflug. |
Während die Zahl der klassischen Radrennen immer weniger wurde - nennenswert sind die Rennen Wien - Laßnitzhöhe, die Select Tour (ehem. Steiermark-Rundfahrt), der GP in Judendorf-Straßengel - und mit dem Grazer Altstadt-Kriterium überhaupt nur ein Rennen dieser Art geblieben ist, bewährten sich Steirer auf der Bühnen des Profisports. Peter Luttenberger erreichte 1996 mit dem fünften Platz sein bestes Ergebnis bei der Tour de France, Sprinter Bernhard Eisel wurde 2006 zum Radsportler Österreichs gekürt. Die Suche nach immer extremeren Herausforderungen ist ein Zug der Zeit. Wolfgang Fasching war eine der Galionsfiguren dieser Generation. Er konzentrierte sich auf Extrembewerbe und siegte 1997 beim Race Across America. Im folgenden Jahr wurde er trotz gebrochenen Schlüsselbeins Zweiter, legte 2001 die 4.809 km „from coast to coast“ in unglaublichen acht Tagen, zehn Stunden und 49 Minuten zurück und siegte auch 2002. Der Landstrecken-Champion stellte einen 12-Stunden- (1995 - 462 km) und mehrere 24-Stunden-Weltrekorde (1997, 1999 und 2002 - 856 km) auf. 2007 trat er nach einem weiteren zweiten Platz beim RAAM zurück. Ebenfalls zur Spezies der Extremen gehören die Turnowsky-Zwillinge aus Raaba, die 2007 am Fuße des Schöckls einen Höhenmeter-Weltrekord aufstellten: Gernot und Horst bewältigten in 24 Stunden beachtliche 20.049,9 hm. Seit 1991 gibt es ein steirisches Frauen-Radrennteam, das in Frohnleiten und Graz seinen Sitz hat, mit Brigitte Krebs und Bernadette Schober etliche österreichische Titel errang und heute als Team "Uniqa Graz" fährt. Christiane Soeder wurde 2006 für dieses Team Straßenmeisterin, sie war 11. bei der Straßen-WM in Salzburg im Zeitfahren und Dritte 2007 in Stuttgart, allerdings nicht mehr für Uniqa. Beim Bahnweltcup in Los Angeles stellte sie in der 3.000-Meter-Einzelverfolgung mit dem 7. Platz in 3:47,47 Minuten einen neuen österreichischen Rekord auf. Immer mehr in den Mittelpunkt des radsportlichen Interesses rückten in den vergangenen Jahren Mountainbike-Rennen: Die „Alpentour Trophy“, Downhill- oder Cross-Bewerbe in Stattegg, Schladming oder am Erzberg. Doch damit ist das Repertoire an Sportarten, die mit dem Fahrrad ausgetragen werden, noch nicht erschöpft: Unter die Fun-Disziplinen einzureihen sind die BMX- und Trail-Disziplinen oder Bicycle Crocket, das seit 2000 im Grazer Stadtpark nahe dem Paulustor gespielt wird.
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