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Wer in Graz sein Radl liebt, der schiebt
"Kleine Zeitung" vom 24.09.2002, Seite 40

Für pedaltretende Grazer ist es inzwischen ein vertrautes Bild: Unzählige Schilder wie "Radfahrer bitte absteigen" oder "Fahrräder abstellen verboten". Dazu eine Innenstadt, die eher als Hindernisparcours anzusehen ist: Baustellen, Gastgärten und Ladetätigkeiten. Schieben statt Fahren ist angesagt.

So verwundert es nicht, dass die Landeshauptstadt - vor zehn Jahren noch Sieger - beim "Fahrrad-Klimatest 2002" der Radfahrerlobby "Argus" nicht besonders gut abschneidet: Dazu wurden 340 Grazer Radler (nach dem deutschen Schulnoten-System von 1-6) befragt. Das Ergebnis stellt Graz kein gutes Zeugnis aus. Die Negativ-Highlights: "An Baustellen werden die Radfahrer bequem vorbeigeführt" mit einer durchschnittlichen Note von 4,56. "Radfahrer bekommen an den Ampeln eigene Grünphasen" mit 4,75. "Nur wenige Autos fahren zu schnell" mit 4,34. "Die Stadt überwacht streng, dass nicht auf Radwegen geparkt wird", bekam eine Wertung von 4,04.

"Die Bautätigkeiten, die im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt notwendig sind, sind in dieser Form natürlich einzigartig", beruhigt Michael Hofer von der Argus Steiermark, zumindest was die Lage am Hauptplatz betrifft. "Die Probleme hängen aber auch mit dem Platzkonzept zusammen: Den Architekten schwebte eine Piazza-Lösung vor, der Hauptplatz ist in Graz aber ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt." Inzwischen ist allerdings garantiert, dass der Hauptplatz auch in Zukunft für Radler offen bleibt. "Das wird auch eine Entlastung für den Franziskanerplatz bringen", meint Hofer. Vor kurzem hatte bekanntlich der Vorschlag, das Franziskaner-Viertel für Räder zu sperren, für Aufregung gesorgt.

Der Argus-Sprecher fordert vor allem Kontrolle: "Um Konflikte zu vermeiden, sollte die Exekutive die Zeiten der Ladetätigkeiten in Fußgängerzonen, den Wildwuchs an Gastgärten, aber auch rasende Radfahrer stärker kontrollieren."

Die kalte Jahreszeit wird ein wenig Entspannung bringen, weil viele Radler ihr Fahrzeug einkellern. "Allerdings nimmt der Anteil der Radfahrer durch immer wärmere Winter auch zu dieser Zeit zu", sagt Hermann Spinka, der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Graz. Hauptproblem im Winter sind die oft ungeräumten Radwege. "Wenn einem Grazer so etwas auffällt, bitte mich verständigen, ich werde mich darum kümmern", sagt Spinka, der sich auch als Vermittler zwischen Radlern und Stadt sieht: (0 31 6) 872-36 32.
WITOLD PRYJDA