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"Weniger Autos in Graz"
"Kleine Zeitung" vom 26.7.2002, Seite 25




Wenn es um den Verkehr in Graz geht, ist ÖVP-Stadtrat Gerhard Rüsch in seinem Element. Nun will der Ex-Verkehrsverbundchef seinem Ruf in der VP gerecht werden. Der Verkehrsexperte gab gestern im Bauamtsgebäude unumwunden zu, nach der Gemeinderatswahl als Verkehrs- und Planungsstadtrat auftrumpfen zu wollen. Mit Vorschlägen, die für einen VP-Mann geradezu revolutionär sind. So outet sich Rüsch als wenig begeistert von der Mini-Metro, die von der VP trotz gegenteiliger Systementscheidung immer wieder ins Spiel gebracht wird: "Das ist für mich nie ein Thema gewesen."

Rüsch setzt viel mehr auf die Straßenbahn. "Vor allem für die Linie 6 muss schnell eine Entscheidung getroffen werden. Das Projekt ließe sich sofort umsetzen. Und es wäre ein Zeichen gegen den Stillstand im öffentlichen Verkehr", so Rüsch, "werde ich Verkehrsstadtrat, wird der 6er gebaut". An Finanzierungsprobleme glaubt er nicht. Und verweist auf die Bereitschaft des Infrastrukturministeriums, etwas beizusteuern. Im Gegensatz zum bisherigen Forcieren des Autoverkehrs durch die Stadt-VP will Rüsch den öffentlichen Verkehr stützen. Sein Ziel ist, weniger Autos in der Stadt zu haben. Etwa durch ein besseres Angebot für Pendler. Der ÖV-Anteil im Stadt-Umland-Verkehr müsse von zehn auf 15 Prozent, in Graz selbst von 18 auf 21 Prozent steigen. Um die Pendler einzubremsen, will Rüsch die blauen Zonen schrittweise an den Stadtrand ausdehnen. Sein Rezept: "Das Parken muss bei Park & Ride-Anlagen am Stadtrand billig sein und nach innen immer teurer werden." Ganz mit der VP-Linie brechen will er aber nicht. So denkt der Stadtrat an ein Verkehrsmanagement, das sich eines modernen Leitsystems und Staumanagements bedient.

Ansonsten verweist er auf das Fahrrad. "Es kann verkehrspolitisch nichts Besseres passieren, als dass viele mit dem Rad in die Stadt fahren", so der begeisterte Radfahrer Rüsch. Mit mehr Fahrradabstellplätzen, einem ausgebauten Radwegenetz und dem Projekt "Cityfahrrad" - Räder, die man wie Einkaufswagerln benutzt und wieder abstellen kann - soll Graz wieder zur Fahrradstadt Nummer eins werden. Sprach''s und fuhr ins Rathaus - wegen der Wetterprognosen mit der Straßenbahn.