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Als der GAK im Radsport siegte

Der GAK hat harte Jahre hinter sich gelassen und mischt seit kurzem wieder in der ö. Zweiten Fußball-Liga mit. Das Archiv erzählt von ruhmreichen Zeiten auch im Radsport.



Richard Baumgartner
Richard Baumgartner
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Wiederbelebung des Radsports

Im 1902 als Allroundsportverein gegründeten Klub riefen Gründer Carl Markel, selbst aktiver Radsportler, und Altmeister Franz Seeger alsbald auch eine Radsportsektion ins Leben. Als Gründungsdatum wird der 13. Juli 1903 genannt, am 4. September richtet die "Radfahrriege des Grazer Athletiksportklub" ein Straßenrennen über 20 km aus. (Grazer Volksblatt 7.9.1903) Schon einen Monat davor hatte es durch Hermann Kneschaurek, einen angehenden Zahnarzt, einen Erfolg der Grazer Athletiker bei einem Bewerb in Murau über 10 km gegeben. (Alpenländische Sport-Zeitung 26.8.1903) 

Anknüpfend an die Tradition der Pfingstrennen, die Graz im ausgehenden 19. Jahrhunderts als Rennplatz bekannt gemacht hatten, lud der GAK zu Pfingsten 1905 zu einem Meeting auf der
Trabrennbahn ein. Schlechtwetter machte eine Verschiebung notwenig, auch beim Ersatztermin regnete es immer wieder. Egon Schmitz, der spätere Leiter der Radsportsektion, konnte sich dennoch und trotz Sturzes im Hauptfahren über 20.000 m gegen die Phalanx der Wiener Racer durchsetzen. (Grazer Tagblatt 20.6.1905) 

Dem GAK kam in dieser Zeit jedenfalls das Verdienst zu, den in der Steiermark daniederliegenden Radsport wieder in den Sattel geholfen zu haben. Man richtete Bahn- und Straßenrennen - etwa die Straßenrennen Tomahan - Mixnitz 1904, das Faßlbergrennen 1906 oder das Straßenrennen Klagenfurt - Graz 1907 -, gab vereinslosen Cracks eine Heimat und brachte etliche Talente hervor. 



Erfolge und Schicksale

Die Athletiker konnten mehrfach die steirischen Straßenmeisterschaften gewinnen, namentlich durch Franz Seeger (1902), Rudolf Baumgartner ([1896], 1905) und Egon Schmitz (1906). Egon Schmitz stellte auf der Trabrennbahn mit 42,4 km/h einen Rundenrekord auf, der Jahrzehnte halten sollte. Ebenso wie Richard Baumgartner, der als Skiläufer und -springer reüssierte, wandte sich auch Egon Schmitz dem Schneesport zu und übte sich in Rodeln und Bobfahren. Egon und sein ebenfalls im Radsport für den GAK erfolgreicher Bruder Willy starben früh: Dr. jur. Willy Schmitz wurde im 1. Weltkrieg zu einer Radfahrer-Maschinengewehr-Abteilung eingezogen und im April 1916 an der Südwest-Front tödlich verwundet (Ö. Morgenzeitung und Handelsblatt 1.5.1916), Egon, der im Brotberuf Bauingenieur geworden war und bei der Landesregierung arbeitete, starb im Alter von 47 Jahren. 

Ebenfalls in jungen Jahren starb Heinrich Kneschaurek. Wie Egon Schmitz versuchte sich der Zahnarzt auch als Motorsportler, bekleidete Vorstandsfunktiionen im Club Alpenländischer Automobilisten und im Steiermärkischen Automobilclubs und kam bei einem Unfall im Zuge einer Wertungsfahrt am 29. Juni 1923 bei St. Pölten ums Leben. (Neues Wiener Tagblatt 30.6.1923)


Wechselten auf motorisierte Untersätze: Schmitz und Kneschaurek
Wechselten auf motorisierte Untersätze: Schmitz und Kneschaurek
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Zwischen den Weltkriegen war es ruhig um die Radsportsektion, die Aktivitäten scheinen auf eis gelegen zu sein. Erst in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und vor allem in den Jahren unmittelbar danach belebte der Verein die Bahnrennen auf dem GAK-Platz in der Körösistraße wieder. 




Plakat Pfingstrennen 1947
Plakat Pfingstrennen 1947
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"Die beste Aschenbahn Österreichs"

Die Aschenbahn wurde 1943 für Radrennen hergerichtet, anlässlich des 45-Jahre-Jubiläums wurde die Bahn nach Kriegsende aufgemöbelt, sodass nun in Graz neben der Sandbahn auf der Messe (Trabrennbahn) ein zweiter Wettkampfplatz für Bahnbewerbe zur Verfügung stand. Die ersten Rennen in der Körösistraße gingen zu Pfingsten 1947 in Szene, wobei von den Wiener Meisterfahrern lobende Worte über "die beste Aschenbahn Österreichs" gefunden wurden. (NZ 6.9.1947) Im Juli 1949 richtete der ARBÖ ein 12-Stunden-Verfolgungsfahren inkl. Vorführung der ARBÖ-Kunstradfahrer aus; wohl auch schon einer der letzten radsportlichen Veranstaltungen in diesem Rahmen. Schon 1952 schreibt der selbst im Radsport aktive Roman Posch im Jubiläumsband "50 Jahre GAK" bereits über die "verflossene Radsport-Sektion".

WOLFGANG WEHAP (2007, aktualisiert 2020)