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"Verkehrspolitik steht mit einem Patschen im Keller" "Kurier" vom 30.7.2002, Seite 8
| In den Siebzigerjahren strampelte sich Graz zur Radlerhochburg hoch. Die Achtzigerjahre gehörten ebenfalls den Bikern, erinnern sich Verfechter des umweltfreundlichsten Verkehrsmittels heute noch wehmütig. Denn über die Neunzigerjahre konnte sich das Image der radfahrfreundlichsten Stadt nicht mehr retten: Das belegt auch eine aktuelle Studie, die der Radfahrpolitik kein gutes Zeugnis ausstellt.
275 Grazer wurden von der Radlerlobby "Argus" befragt. Sie sollten - angenähert an das Schulnotensystem - Punkte zwischen eins und sechs vergeben. Doch der "Fahrrad-Klimatest" ging alles andere als positiv für die Stadt aus. Ein Durchschnittswert von 3,65 ergab sich aus den Befragungen. Noch vor zehn Jahren war es ein Wert von 2,34. Vertreter von Argus ziehen einen anschaulichen Vergleich. "Die letzten nennenswerten Aktivitäten waren 1999 anlässlich der Velo City Conference. Seither steht die Grazer Radverkehrspolitik mit einem Patschen im Keller."
Die Detailergebnisse sind wahrlich nicht erfreulich für eine Stadt, in der schon 1893 der erste "Damen Bicycle Club" Mitteleuropas gegründet worden war und wo 1979 rund 1500 Aktivisten an einer Radler-Demo teilnahmen. Einige Beispiele: Eigene Grünphasen für Radler - Note 4,66; bequem vorbeifahren an Baustellen - Note 4,51; Fahrrad einfach in Bus oder Tram mitnehmen - Note 5,03. Positiv beurteilt wurden dagegen die Einbahnstraßen, die von Bikern auch in Gegenrichtung befahren werden dürfen (2,41), sowie die Frage, ob Radfahren Spaß macht (1,68). "Argus" ist optimistisch und hofft, dass nach den Gemeinderatswahlen wieder mehr "sanfte Mobilität" in der Stadt herrscht. Zumal es seit Juni einen Radverkehrsbeauftragten im Magistrat gibt. Elisabeth Holzer
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