|
|

|
| Sie befinden sich: » Startseite | » Medien | » 2002
Fahrradklima in Graz wird frostiger "Kleine Zeitung" vom 28.7.2002, Seite 28
| Das Ergebnis des "Argus-Fahrrad-Klimatests 2002" sollte der Politik - allen voran Radstadtrat Walter Ferk, der am Radl sitzend von vielen Plakatwänden lächelt - zu denken geben. In 21 Fragen nach dem Fahrradklima in den Landeshauptstädten taten in Graz rund 300 Personen ihre Meinung zum Radeln kund. Und kritisierten vieles, von den Wartezeiten bei den Ampeln bis hin zum mangelhaften Ausbau der Radwege, sieht man sich bei Argus bestätigt.
Das Gute: Das Radfahren erfreut sich einer steigenden Beliebtheit. Obwohl man nach einem Blick auf das Fahrradklima und den Vergleich mit der Befragung von 1992 anderes vermuten könnte. So sind die Radler überzeugt, dass die Stadt in letzter Zeit viel zu wenig für den Radverkehr gemacht hat - mit Ausnahme der Wegweiser, die durchwegs als positiv beurteilt wurden. Die Bewertung für den Ausbau der Infrastruktur von 1992 bis heute rutschte auf einer sechsteiligen Schulnoten-Skala trotzdem von 2,34 auf 3,65 ab.
Noch weniger Freude haben die Radler mit den Umleitungen bei Baustellen - die es für Drahtesel faktisch nicht gebe. Wobei das ein Punkt ist, dem sich der neue Grazer Radverkehrsbeauftragte Helmut Spinka bereits annimmt. Für Kritik sorgen auch die Ampelschaltungen, wenn auch in leicht gemilderter Form gegenüber 1992. Von einer Ampelschaltung an Hauptstraßen, die auf Radfahrer abgestimmt ist, oder gar von einer eigenen Grünphase für Radler muss man zwar nach wie vor träumen, mit dem Durchschnittswert von 4,66 schaut es dennoch besser aus als mit 5,17 vor zehn Jahren.
Einig sind sich die Pedalritter, dass die Autos zu schnell fahren. Wobei die Disziplin der Autofahrer entsprechend der Umfrage etwas besser geworden ist. Die Konflikte mit den Fußgängern halten sich laut der Befragung in Grenzen - entgegen der Meinung konsequenter Stadtflaneure. Mit der Reinigung der Radwege ist man ebenso zufrieden wie mit der Erreichbarkeit des Stadtzentrums. "Bei uns kann man zügig und direkt fahren", meinen zwei Drittel der Befragten.
Die Radlobby Argus um Obmann Ben Hemmens fühlt sich jedenfalls in ihrer Kritik an der Grazer Radpolitik bestätigt. Und man hofft, dass mit dem neuen Radverkehrsbeauftragten wieder Schwung in die ehemalige Radstadt Nummer 1 kommt. Dazu gelte es allerdings, einige Problempunkte zu beheben. Wie etwa den Radweg am Lazarettgürtel, der seit drei Jahren auf die Verordnung wartet. Oder das Schließen der "Megalücke" am R 2 am rechten Murufer entlang des Grieskais. "Das wurde bei der Radkonferenz Velocity 1999 versprochen", ärgert man sich bei Argus. Und es gelte die miserable Stellplatzsituation in den Griff zu bekommen; vor allem auf dem Hauptplatz und beim Bahnhof, wobei Spinka dort an einer Lösung tüftelt. (Thomas Stanzer)

|
| Auf ein Wort: Interview mit dem Grazer Radverkehrsbeauftragten Helmut Spinka (38) "Gibt schon lange einen Stillstand"
| |
Herr Spinka, warum wird man Radverkehrsbeauftragter in Graz?
SPINKA: Weil man als Oberösterreicher nach Graz kommt, hier studiert und viel mit dem Rad unterwegs ist. Und den Wunsch hat, in der Fahrradstadt Nummer eins etwas zu bewegen.
Hat Graz diesen guten Ruf nicht verloren?
SPINKA: Ja und nein. Es gibt einen Stillstand. Andererseits waren erst unlängst Linzer da; und die waren von der Radstadt Graz begeistert. Aber Defizite gibt es unbestritten.
Welche zum Beispiel?
SPINKA: Die Abstellplatz-Situation ist nicht befriedigend. Bei den Radwegen müssen Lücken geschlossen werden. Man sollte auch überlegen, ob man bei Autobussen am Stadtrand nicht Räder mitnehmen kann. Welche Projekte haben Sie ins Auge gefasst?
SPINKA: Dafür fehlte bislang die Infrastruktur. Mein Computer kam erst vor kurzem. Meinen Sessel musste ich am ersten Arbeitstag ins Büro rollen.
Das klingt aber nicht so, als hätte man Sie sehnlichst erwartet.
SPINKA: Es hätte schlimmer sein können; ganz ohne Büro zum Beispiel.
|
|
|
|
| 
|