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Rad ruiniert: ÖBB zahlten nur 800 Euro
"Kleine Zeitung" vom 17.09.2007, Seite 19

Mountainbike im Wert von 2499 Euro wurde mit der Bahn verschickt und beim Umladen zerstört. Laut den Versicherungsbedingungen ist die Haftung begrenzt.

Zu einem Aufenthalt in Bad Schallerbach heuer im Juli wollte sich Erich Garb sein Fahrrad mitnehmen. Der Mann fuhr mit der Bahn und auch sein nagelneues Mountainbike, rund drei Monate vorher um 2499 Euro erstanden, sollte mit dem Zug verschickt werden. Zwei Tage vor seiner Abreise gab er das Bike im Bahnhof Mürzzuschlag auf und zahlte für diesen Service 28 Euro hin und wieder zurück.

Über Haftungshöhen, Versicherungen und Geschäftsbedingungen machte sich unser Leser zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken. "Der Mann an der Kasse hat mein Rad bewundert, ich habe ihm auch den Preis genannt, über eine Zusatzversicherung hat er mir aber nichts gesagt", berichtet Garb.

Dass all diese Dinge eine große Rolle spielen, erkannte der Zugpassagier erst, als er in Oberösterreich ein kaputtes Fahrrad entgegennehmen musste. Das teure Stück war beim Umladen in Wels buchstäblich unter die Räder gekommen: Ein Gabelstapler war drüber gefahren; ein Totalschaden die Folge.

"Der Rahmen war verzogen, das Hinterrad kaputt. Das Ganze hat mich 1900 Euro gekostet. Ich habe von der Versicherung der Railcargo, das ist die zuständige ÖBB-Firma, aber nur 800 Euro als Entschädigung bekommen", erzählt der Leser bestürzt.

Höchstentschädigung

"Wir bedauern, dass Ihr Gut während der Beförderung beschädigt wurde und werden Ihnen umgehend 800 Euro auf Ihr Konto überweisen", hieß es freundlich in einem Schreiben von Railcargo. Auch eine Begründung für die geringe Summe war angeführt: "Höchstentschädigungsbetrag für das beschädigte Fahrrad, gemäß den allgemeinen Versicherungsbedingungen, für bei den ÖBB aufgegebenes Reisegepäck." Für eine darüber hinaus gehende Entschädigung hätte der Fahrradbesitzer eine zusätzliche Versicherung abschließen müssen. "Ich habe das Fahrrad im Vertrauen darauf aufgegeben, dass die Bahn für einen Schaden einsteht. Das lasse ich mir nicht gefallen", ärgerte sich Garb und schaltete einen Rechtsanwalt ein.

"Unwissenheit schützt nicht, jeder kann die Tarifbestimmungen einsehen", erklärt Kurt Ruzicka von Railcargo. Für beschädigte Gepäckstücke gebe es eben eine Höchstgrenze, die vom Beförderungsgesetz vorgegeben sei. Im konkreten Fall könne nur noch der Vorstand über eine Kulanzzahlung entscheiden, diese stehe aber noch aus.

"Das war keine normale Panne, sondern grobe Fahrlässigkeit", will sich Erich Garb nicht mit einem kleinen Betrag abspeisen lassen, "wenn die ÖBB nicht zahlen, werden wir den Staplerfahrer belangen."