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Frühe Puch-Papiere unter dem Hammer

Eine am 2.7.1889 ausgestellte Rechnung ist Rechnung ist frühester Beleg für Johann Puchs Tätigkeit im Fahrradgewerbe. Sie wurde jüngst auf Ebay versteigert.


Versteigert: Rechnung an Mlekus, 1892
Versteigert: Rechnung an Mlekus, 1892
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Inserat aus Puchs Anfangszeit, 1889
Inserat aus Puchs Anfangszeit, 1889
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 Eine Rechnung vom 2.7.1889 über den Verkauf eines Knabenfahrrades, der mit dem Stempel "Johann Puch Fahrradfabrik Strauchergasse 18" sowie zwei Unterschriften des Fabrikgründers versehen ist, belegt, dass Johann Puch an seiner ersten Betriebsstätte in der Murvorstadt zumindest mit dem Verkauf schon früher als bisher angenommen begonnen hat. Puchs Ansuchen vom 6.2.1889, in der ehemaligen Gärtnerei einen Fahrradreparaturbetrieb einrichten zu dürfen, war nämlich von der Behörde zunächst - aus feuerpolizeilichen Gründen - abschlägig behandelt worden. Berichtet wird, dass er deshalb in die Werkstätte des Heinrich Sax (heutige Adresse: Griesgasse 7) ausgewichen und von dort aus seinen Geschäften nachgegangen ist. Erst Ende September gab der Gemeinderat dann Grünes Licht für die Betriebsstätte in der Stauchergasse, die ersten eigenen "Styria-Räder" wurden Ende 1889 oder Anfang 1890 ausgeliefert.

Archivalisch belegt ist eine anonyme Anzeige vom 1.2.1889 - also vor dem Ansuchen -, in der auf eine Werkstätte mit Feuerungsanlage in der Stauchergasse 18 Beschwerde geführt wird. Die Errichtung war zu diesem Zeitpunkt erst geplant, wie sich bei einer kommissionellen Begehung herausstellte. Das änderte aber nichts am abschlägigen Bescheid, der auch mit der möglichen Störung der Erholungsfunktion des Volksgartens untermauert wurde. Historiker vermuten, dass hinter der Anzeige Ex-Arbeitgeber - und jetzt Konkurrent - Benedict Albl steckte.

Schon einige Tage vor der am 15.3.2007 erfolgten Versteigerung des frühen Verkaufsbelegs ist eine Puch-Rechnung mit schönem Briefkopf, datiert 1892, um mehr als 200 Euro unter den Hammer gekommen.



Unter dem Hammer: Von Puch gezeichnete Rechnung, 1889
Unter dem Hammer: Von Puch gezeichnete Rechnung, 1889
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Rechnung Albl, 1889
Rechnung Albl, 1889
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Rechnung von Albl
Auch eine frühe Rechnung von Benedict Albl, von diesem auch persönlich gezeichnet, fand sich unter den Verkaufsangeboten des Online-Auktionshauses. Sie belegt in Ausführung und Datierung (25.6.1889), dass der frühere Arbeitgeber und nachmalige Konkurrent Puchs der erste Fahrradfabrikant in Graz war. Das erste bekannte Inserat, in der Albls "Mechanische Werkstätte für Fahrräder" und als Produkte "Bicycle, Bicyclette, Tricycle und Jugend-Fahrräder beliebtester und bester Fabrikate des In- und Auslandes" beworben werden, wurde übrigens am 1.6.1888 in den Mitteilungen des Steirischen Radfahrer-Gauverbandes geschaltet. 

Die interessanten Stücke stammen aus dem Nachlass des Likörfabrikanten Josef Mlekus, der in der Annenstraße 8 ansässig war. Er war einer der ersten Bicyclisten in Graz, bezog schon 1884 über A. Cuijel in Wien ein Tourist-Bicycle und war seit 1887 Mitglied des Grazer Bicycle-Club.