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Räder aus der Steiermark


Plakat Albl, 1893
Plakat Albl, 1893
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Albls "Graziosa", 1898/99
Albls "Graziosa", 1898/99
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Noricum kettenlos
Noricum kettenlos
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Albl und sein erfolgreicher Mechaniker
Die Anfänge der Fahrraderzeugung in Graz gehen auf das Jahr 1884 zurück. Damals richtete Matthias Allmer in der Wienerstraße 31 (heute 57) die "erste steiermärkische Velocipede-Fabrikation" ein.

Der Erste, der die Fahrradproduktion in größerem Stil betrieb, war Benedict Albl. Nach einer Reise nach England beschloss der bisher auf Näh-, Walk- und Waschmaschinen spezialisierte Mechaniker1888, mit der Erzeugung von "Bicycles, Bicyclettes, Tricycles und Jugendfahrrädern" zu beginnen. Aus der Elisabethinergasse 7 übersiedelte er auf den Lendplatz 14, wo bei ihm auch ein gewisser Johann Puch ein kurzes Gastspiel gab. Albl beschäftigte schon 24 Arbeiter und heimste einen Silbernen Staatspreis für sein "Meteor" ein, als Puch sich selbstständig machte und von einer kleinen Werkstätte in einem ehemaligen Glashaus in der Strauchergasse 18 (heute 12) am Volksgarten aus seine erfolgreiche Karriere als d e r österreichische Fahrzeugpionier startete.

Der aus Sakuschak bei Pettau im heutigen Slowenien stammende Janez Puh (1862-1914) lernte bei einem Schlosser im südsteirischen Radkersburg und war während seines Militärdienstes, den er in Graz ableistete, mit dem Bicycle in Berühung gekommen. Er arbeitete zunächst bei Matthias Allmer und Johann Luchscheider als Mechaniker, ehe er es 1889 auf eigene Faust versuchte. Sein "Styria" lehnte sich am System "Humber" an und setzte sich bald, beflügelt durch gut vermarktete Rennerfolge z.B. eines
Franz Gerger, gegenüber der Konkurrenz durch.

In der Blütezeit der Grazer Fahrradproduktion Ende des 19. Jahrhunderts bedienten neben Puch und Albl kleinere Fahrradmanufakturen wie jene von Julius G. Sorg, Josef Eigler, Alois Riegler, Franz Strametz ("Electra") und Franz Elgetz ("Rocket") den boomenden Markt. Albl und später Carl Franz ("Graziosa") sowie Cless & Plessing ("Noricum") produzierten auch kettenlose Fahrräder, die nach 1895 in Mode kamen.

Fahrradteile und -zubehör, vor allem Taschen und Sättel, wurden seit 1891 von den Brüder Assmann in Leibnitz gefertigt. 1937-45 kamen aus diesem Betrieb auch komplette Fahrräder. Ein weiterer Sattelerzeuger der Zwischenkriegszeit war die Fa. Robert Bieber in Graz-Lend.


Rivalen: Styria und Puch
Rivalen: Styria und Puch
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Werbung, 60er-Jahre
Werbung, 60er-Jahre
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Der letzte Puch-Renner
Der letzte Puch-Renner
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Duell "Styria" - "Puch"
1897 beschäftigten die "Johann Puch & Comp., Styria Fahrradwerke" 633 männliche und 83 weibliche Arbeiter sowie 36 Lehrlinge, als es im Zuge eines Rechtsstreit zur Teilung des Unternehmes kam. Das bisherige Werk, in das sich die deutsche Dürkopp & Co. (Bielfelder Maschinen-Fabrik) eingekauft hatte, firmierte weiter als "Puch Joh. & Comp., Styria-Fahrradwerke", während Puch selbst - nach einem kurzen, juridisch begründeten Intermezzo unter dem Namen seines Mitarbeiters Anton Werner ("Styria Original") - 1899 die "Johann Puch, Erste Steiermärkische Fahrrad-Fabriks-Actiengesellschaft" gründete. Einige Jahre erzeugten somit zwei Unternehmen "Puch-Räder".

Bei den Styria-Fahrradwerken in der Baumgasse (heute Köstenbaumgasse) 17, von Puchs Ex-Kompagnon Victor Rumpf geleitet, hatte man spätestens mit dem Einstieg von Puch in die Motorrad- und Autoerzeugung (1903 bzw. 1906) technologisch das Nachsehen. Von einem fünf Monate dauernden Streik 1907/08 erholten sich die Styria-Fahrradwerke nie mehr, 1927 übernahm die Steyr AG das Kommando und 1932 gingen die Rollbalken für immer herunter.

In Puchs Todesjahr 1914 wurden in seiner Fabrik von 1.100 Beschäftigten - neben Autos und Motorrädern - 16.000 Fahrräder hergestellt. Die Marke Puch behauptete sich auf dem Zweirad-Sektor über viele Jahrzehnte weltweit; ein letzter mengenmäßiger Höhepunkt wurde 1980 erreicht, als über 3.200 Mitarbeiter 310.000 Fahrräder produzierten.

Das Ende kam 1987: Die gesamte Zweirad-Produktion wurde zu Gunsten der Autofertigung und der Spezialisierung des Puch-Werkes auf Alltadtechnik aufgegeben - eine bis heute umstrittene Entscheidung.

"Puch" gibt es heute bei Fahrrädern nur noch als Marke im Besitz von wechselnden Eigentümern, das Grazer Werk firmiert heute unter Magna-Steyr und fertigt ausschließlich Autos bzw. Antriebskomponenten für verschiedene Auftraggeber.



k.u.k. Militär-Radfahrerkurs
k.u.k. Militär-Radfahrerkurs
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Radler-Kompanie Cormons
Radler-Kompanie Cormons
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Im Dienste des Militärs
Bei der Entwicklung von Militärrädern waren die Grazer Industriellen an vorderster Front beteiligt: Ab 1895 wurden Modelle von Puch und Albl getestet, 1895/96 gab es in Graz den ersten k.u.k. Militär-Radfahrerkurs. 1907 mischte Styria bei der Ausrüstung von Armeeteilen mit Klapprädern mit, zog aber gegenüber der Ö. Waffenfabriks Gesellschaft Steyr den Kürzeren.

Im Ersten Weltkrieg kamen auf österreichisch-ungarischer Seite Radfahrer-Kompanien in Russland und an der Italien-Front zum Einsatz. Die Verluste waren furchtbar. Nicht zurück kehrten u.a. die Meisterfahrer Adolf Kofler und Franz Gregl.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges galt die Steiermark als wichtigster Produzent von Truppenfahrrädern - neben Puch kamen sie von "Junior" (Graz) und Assmann (Leibnitz).


Plakat, 50er-Jahre
Plakat, 50er-Jahre
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Der Löwe aus Puntigam
Schon eineinhalb Jahrzehnte vor dem Puch-Zweirad ging die Ära des einzigen ernstzunehmenden heimischen Konkurrenten, der Junior-Fahrradwerke, zu Ende.

Nach mehreren Pleiten in der Zwischenkriegszeit ("Montana", "Titan") hatte Franz Weiß 1937 in Graz-Puntigam erfolgreich eine Fahrradproduktion aufgezogen. In den 1950er-Jahren konnte Junior Puch mit einer eigenen Rennmannschaft zumindest sportlich auf Platz zwei verweisen. 

Bis zu einem Brand 1967 wurde zunehmend für den US-Markt im Billigsegment produziert, nach einem Neustart im weststeirischen Köflach und einem zweiten Großbrand schlitterte "Junior" 1975 in den Konkurs.