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Der erste Mechaniker, der die Fahrraderzeugung in größerem Stil betrieb, war Benedict Albl. Der zunächst auf Näh-, Walk- und Waschmaschinen spezialisierte Albl soll 1886 zur "selbständigen Fabrication von Fahrrädern" übergegangen sein. Er meldete nach einer England-Reise 1888 das Mechaniker-Gewerbe an und bot via Inserat "Bicycles, Bicyclettes, Tricycles und Jugendfahrräder". Von der Elisabethinergasse 7 übersiedelte er auf den Lendplatz 14. Albl beschäftigte schon 24 Arbeiter und heimste einen Silbernen Staatspreis für sein "Meteor" ein. Ein bis zwei Jahre arbeitete für Albl auch ein gewisser Johann Puch, ehe er sich sich selbstständig machte und von einer kleinen Werkstätte in einem ehemaligen Glashaus in der Strauchergasse 18 (heute 12) am Volksgarten aus seine erfolgreiche Karriere startete. Der aus Sakuschak bei Pettau im heutigen Slowenien stammende Janez Puh (1862-1914) lernte bei einem Schlosser im südsteirischen Radkersburg und war während seines Militärdienstes, den er in Graz ableistete, mit dem Bicycle in Berühung gekommen. Er arbeitete zunächst bei Matthias Allmer und Johann Luchscheider als Mechaniker, ehe er es 1889 auf eigene Faust versuchte. Sein "Styria" lehnte sich am System "Humber" an und setzte sich bald, beflügelt durch gut vermarktete Rennerfolge z.B. eines Franz Gerger, gegenüber der Konkurrenz durch.Ebenfalls bei Albl soll der aus Bischofegg bei Eibiswald stammende Nähmaschinenmechaniker Franz Neger (1859-1944) gearbeitet haben. Er war mit Johann Puch eng befreundet und nahm 1892 in Marburg (heute Maribor) die Produktion von Fahrrädern auf. Bis zum Ende der Monarchie baute er den Betrieb zur "Marburger Nähmaschinen, Fahrrad- und Motor-Fabrik" aus. |
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Ende des 19. Jahrhunderts galt Graz als das Coventry Österreich-Ungarns. Neben Puch und Albl bedienten mehrere kleine Fahrradmanufakturen wie jene von Julius G. Sorg, Josef Eigler, Alois Riegler, Franz Strametz ("Electra") und Franz Elgetz ("Rocket") den boomenden Markt. Albl und später Carl Franz ("Graziosa") sowie Cless & Plessing ("Noricum") produzierten auch kettenlose Fahrräder, die nach 1895 in Mode kamen. Fahrradteile und -zubehör, vor allem Taschen und Sättel, wurden seit 1891 von den Brüder Assmann in Leibnitz gefertigt. Die Brüder Alois und Emmerich waren durch Johann Puch auf die Idee gebracht worden, ihr Lederwaren-Sortiment auf Fahrradzubehör zu erweitern. Die beiden betrieben eine Niederlassung in der Grazer Annenstraße, parallel zur Strauchergasse, wo Puch seine ersten Werkstatt hatte. Beliefert wurde auch Franz Neger in Marburg. Puch wurde wichtigster Auftraggeber, in der Zwischenkriegszeit wurde der Fahrradteile-Sektor weiter ausgebaut - die Hälfte des Umsatzes wurde mit Zweirad-Sätteln gemacht, nicht weniger als 34 Typen wurden angeboten. Puch, Styria und Steyr gehörten zu den Kunden, man engagierte sich über Beteiligungen und Gründungen in der Tschechoslowakei und Polen. Die gestiegene Eigenfertigung bei Puch und ein inzwischen fast komplettes Sortiment an Fahrradteilen bewogen die Brüder Assmann 1937, selbst in die Fahrradproduktion einzusteigen. Puch war übermächtiger Konkurrent: Während Puch 85 Prozent des Heimmarktes beherrschte (1939), schaffte Assmann gerade acht Prozent. Bis 1970 produzierte Assmann Fahrrteile. Ein weiterer Ledersattel- und Taschenerzeuger der Zwischenkriegszeit war die Fa. Robert Bieber in Graz-Lend (Neubaugasse 40). |
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1897 beschäftigten die "Johann Puch & Comp., Styria Fahrradwerke" 633 männliche und 83 weibliche Arbeiter sowie 36 Lehrlinge, als es im Zuge eines Rechtsstreit zur Teilung des Unternehmes kam. Das bisherige Werk, in das sich die deutsche Dürkopp & Co. (Bielfelder Maschinen-Fabrik) eingekauft hatte, firmierte weiter als "Puch Joh. & Comp., Styria-Fahrradwerke". Puch selbst gründete 1899 - nach einem kurzen, in einer Konkurrenzklausel begründeten Intermezzo unter dem Namen seines Mitarbeiters Anton Werner (Marke "Styria Original") - die "Johann Puch, Erste Steiermärkische Fahrrad-Fabriks-Actiengesellschaft". Einige Jahre erzeugten somit zwei Unternehmen "Puch-Räder". Bei den Styria-Fahrradwerken in der Baumgasse (heute Köstenbaumgasse) 17, von Puchs Ex-Kompagnon Victor Rumpf geleitet, hatte man spätestens mit dem Einstieg von Puch in die Motorrad- und Autoerzeugung (1903 bzw. 1906) technologisch das Nachsehen. Von einem fünf Monate dauernden Streik 1907/08 erholten sich die Styria-Fahrradwerke nie mehr richtig. 1927 übernahm die Steyr AG das Kommando und 1932 gingen die Rollbalken im Werk Baumgasse für immer herunter. Besser lief es hingegen bei Puch in der Laubgasse: Im Todesjahr des Gründers 1914 wurden in der Fabrik von 1.100 Beschäftigten - neben Autos und Motorrädern - 16.000 Fahrräder hergestellt. Die Marke Puch behauptete sich auf dem Zweirad-Sektor über viele Jahrzehnte weltweit; ein letzter mengenmäßiger Höhepunkt wurde 1980 erreicht, als über 3.200 Mitarbeiter 310.000 Fahrräder produzierten. Das Ende kam 1987: Die gesamte Zweirad-Produktion wurde zu Gunsten der Autofertigung und der Spezialisierung auf Alltadtechnik aufgegeben - eine bis heute umstrittene Entscheidung. "Puch" gibt es heute bei Fahrrädern nur noch als Marke im Besitz von wechselnden Eigentümern, das Grazer Werk firmiert heute unter Magna-Steyr und fertigt ausschließlich Autos bzw. Antriebskomponenten für verschiedene Auftraggeber. Werbeplakate von "Styria" und Puch |
Schon eineinhalb Jahrzehnte vor dem Puch-Zweirad ging die Ära des einzigen ernstzunehmenden heimischen Konkurrenten, der Junior-Fahrradwerke, zu Ende. Nach mehreren Pleiten in der Zwischenkriegszeit ("Montana", "Titan") war in Graz-Puntigam 1937 von Franz Weiß erfolgreich eine Fahrradproduktion aufgezogen worden. Im Zweiten Welkrieg wurden - wie auch von Puch und Assmann - Truppenfahrräder an die Deutsche Wehrmacht geliefert, in den 1950er Jahren konnte Junior einen Aufschwung verzeichnen und Puch mit einer eigenen Rennmannschaft sportlich zeitweilig auf Platz 2 verweisen. Bis zu einem Brand 1967 wurde in Graz-Puntigam zunehmend für den US-Markt im Billigsegment produziert, nach einem Neustart im weststeirischen Köflach und einem weiteren Großbrand schlitterte "Junior" 1975 in den Konkurs. |


















