Die Anfänge der Fahrraderzeugung in Graz gehen auf das Jahr 1884 zurück. Damals richtete Matthias Allmer in der Wienerstraße 31 (heute 57) die "erste steiermärkische Velocipede-Fabrikation" ein. Der Erste, der die Fahrradproduktion in größerem Stil betrieb, war Benedict Albl. Nach einer Reise nach England beschloss der bisher auf Näh-, Walk- und Waschmaschinen spezialisierte Mechaniker1888, mit der Erzeugung von "Bicycles, Bicyclettes, Tricycles und Jugendfahrrädern" zu beginnen. Aus der Elisabethinergasse 7 übersiedelte er auf den Lendplatz 14, wo bei ihm auch ein gewisser Johann Puch ein kurzes Gastspiel gab. Albl beschäftigte schon 24 Arbeiter und heimste einen Silbernen Staatspreis für sein "Meteor" ein, als Puch sich selbstständig machte und von einer kleinen Werkstätte in einem ehemaligen Glashaus in der Strauchergasse 18 (heute 12) am Volksgarten aus seine erfolgreiche Karriere als d e r österreichische Fahrzeugpionier startete. Der aus Sakuschak bei Pettau im heutigen Slowenien stammende Janez Puh (1862-1914) lernte bei einem Schlosser im südsteirischen Radkersburg und war während seines Militärdienstes, den er in Graz ableistete, mit dem Bicycle in Berühung gekommen. Er arbeitete zunächst bei Matthias Allmer und Johann Luchscheider als Mechaniker, ehe er es 1889 auf eigene Faust versuchte. Sein "Styria" lehnte sich am System "Humber" an und setzte sich bald, beflügelt durch gut vermarktete Rennerfolge z.B. eines Franz Gerger, gegenüber der Konkurrenz durch. In der Blütezeit der Grazer Fahrradproduktion Ende des 19. Jahrhunderts bedienten neben Puch und Albl kleinere Fahrradmanufakturen wie jene von Julius G. Sorg, Josef Eigler, Alois Riegler, Franz Strametz ("Electra") und Franz Elgetz ("Rocket") den boomenden Markt. Albl und später Carl Franz ("Graziosa") sowie Cless & Plessing ("Noricum") produzierten auch kettenlose Fahrräder, die nach 1895 in Mode kamen. Fahrradteile und -zubehör, vor allem Taschen und Sättel, wurden seit 1891 von den Brüder Assmann in Leibnitz gefertigt. 1937-45 kamen aus diesem Betrieb auch komplette Fahrräder. Ein weiterer Sattelerzeuger der Zwischenkriegszeit war die Fa. Robert Bieber in Graz-Lend. |
Schon eineinhalb Jahrzehnte vor dem Puch-Zweirad ging die Ära des einzigen ernstzunehmenden heimischen Konkurrenten, der Junior-Fahrradwerke, zu Ende. Nach mehreren Pleiten in der Zwischenkriegszeit ("Montana", "Titan") hatte Franz Weiß 1937 in Graz-Puntigam erfolgreich eine Fahrradproduktion aufgezogen. Im Zweiten Welkrieg wurden Truppenfahrräder an die Deutsche Wehrmacht geliefert, in den 1950er-Jahren konnte Junior einen aufschwung verzeichnen und Puch mit einer eigenen Rennmannschaft zumindest sportlich auf Platz 2 verweisen. Bis zu einem Brand 1967 wurde in Graz-Puntigam zunehmend für den US-Markt im Billigsegment produziert, nach einem Neustart im weststeirischen Köflach und einem weiteren Großbrand schlitterte "Junior" 1975 in den Konkurs. |
Zu einem der wichtigsten Fahrradteileproduzenten der österr.-ung. Monarchie gehörte die Firma Brüder Assmann in Leibnitz. Alois, einer der Initiatoren des 1887 gegr. Leibnitzer Radfahrer-Vereins, und Emmerich, später auch dessen Obmann, wurden offenbar durch Johann Puch auf die Idee gebracht, ihr Sortiment an Lederwaren auf Fahrradzubehör zu erweitern: Die Brüder betrieben eine Niederlassung in der Grazer Annenstraße, in der Parallelgasse, der Strauchergasse, baute Puch seine ersten Räder. Ab 1894 werden Fahrradtaschen gefertigt, beliefert wird auch Franz Neger in Marburg. Der erste große Auftrag für Sättel kam 1900 ebenfalls von Puch, 1911 wurden die Anlagen um eine Metallverarbeitung und Galvanik erweitert, die Firma hieß nun: "Brüder Assmann Leibnitz Fahrradsattel-, Taschen-, Fahrradspeichen- Nippel- und Lederwarenfabrik". In der Zwischenkriegszeit wurde der Fahrradteile-Sektor weiter ausgebaut - die Hälfte des Umsatzes wurde nun mit Zweirad-Sätteln gemacht, von denen nicht weniger als 34 Typen angeboten wurden. Neben Puch, Styria und Steyr gehörten auch Großhändler zu den Kunden, man engagierte sich über Beteiligungen und Gründungen in der Tschechoslowakei und Polen. Beflügelt durch eine gestiegene Eigenfertigung bei Puch und ein inzwischen fast komplettes Sortiment an Fahrradteilen beschlossen die Brüder Assmann 1937, auch selbst in die Fahrradproduktion einzusteigen. Puch blieb übermächtiger Konkurrent: Während Puch 85 Prozent des Heimmarktes beherrschte (1939), schaffte Assmann gerade acht Prozent. Wie Puch und Junior wurde Assmann zum Rüstungsbetrieb erklärt: Ab April 1943 wurden 4000 Truppen-Fahrräder in der Steiermark gefertigt, 2000 kamen von Puch, je 1000 von Junior und Assmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fahrradteileproduktion wieder aufgenommen, wieder mit Puch als Hauptabnehmer, ehe sie nach Jahren rückläufiger Erlöse 1970 eingestellt wurde. WW |











