Grazer Radfahrer Club
 
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Die Anfänge


Erzherzog Johanns Laufmaschine
Erzherzog Johanns Laufmaschine
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Gusswerker Draisine
Gusswerker Draisine
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Die Vorläufer
Wie die Geburt des Fahrrades insgesamt schwer auf ein Datum und eine einzelne Erfindung festzumachen ist, so sind auch die Anfänge der Radfahrgeschichte in Graz und der Steiermark nicht genau zu fixieren. Zum Teil herrscht auch noch Forschungbedarf wie im Fall der Erfindung des Grazers
Ignaz Trexler, der in den 1780er Jahren frühe Fahrmaschinen konstruiert hat.

Spärlich sind die Informationen über die Verwendung von Draisinen, also jene Externe Verknüpfung Baron von Drais zugeschriebene Laufmaschine (patentiert 1818), die von ihrem Reiter durch das ausschreitende, wechselweise Abstoßen mit den Beinen vom Boden angetrieben wird. Ein Prunkstück ist in der Sammlung des Universalmuseum Joanneum erhalten geblieben, das aus dem Besitz von Erzherzog Johann stammt. Eine zweite bekannte Laufmaschine stammt aus Gusswerk und tauchte u.a. auf einem Foto des 1897 gegründeten örtlichen Radfahr-Vereins auf. Sie dürfte wohl einem Gewerken dieser für seine Erz- und Metallverarbeitung bekannten Region gehört haben und unterscheidet sich wesentlich vom Modell des Erzherzogs, das dem Wiener Hersteller Burg zugeschrieben werden kann. Die Gusswerker Draisine wurde im Zuge einer Nachlassverwertung 2004 von einem deutschen Sammler gekauft.



Velozipedist, Graz 1870
Velozipedist, Graz 1870
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Touristen in Mariazell
Touristen in Mariazell
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Ernst Brömer-Elmerhausen
Ernst Brömer-Elmerhausen
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Max Kleinoscheg, 1885
Max Kleinoscheg, 1885

Laufmaschine - Veloziped - Bicycle
Im Gegensatz zur Laufmaschine, im anglo-amerikanischen Raum "Dandyhorse" oder "Hobbyhorse" genannt und praktisch nur in Parks gefahren, war die nächste Generation der Fahrrad-Vorfahren, das Velociped, auch im öffentlichen Straßenraum präsent.

Das durch Pierre Michaux und Pierre Lallement in den 1860er Jahren entwickelte Tretkurbelrad zeichnete sich durch den Pedalantrieb über das Vorderrad aus. Das machte während der Fahrt den Bodenkontakt der Beine überflüssig und aus den "Schnellläufern" auf Draisinen wurden kurbelnde Veloizipedisten auf "Schnellwagen". 
  
In den Zeitungen wird über den deutschen Namen für das neue "Mode-Vehikel" (Neue Freie Presse 27.4.1869) debattiert - die Vorschläge reichen von Tret-, Schnell- und Reitwagen über Rittling, Strampelwagen bis zu Selbsttraber, Eisengaul und Rennhold -, der Tenor der Berichterstattung ist skeptisch bis ablehnend und voll Häme, wenn es um ein Missgeschick oder eine verorene Wette geht. Ein Foto eines Grazer Fotografen, das einen jungen Velocipedisten zeigt, sowie Zeitungsartikel über polizeiliches Einschreiten, einen Velocipedes-Konstrukteur und erste Fahrten mit seinen Gefährten weisen darauf hin, dass es auch in Graz und der Steiermark eine zumindest kleine
frühe radaffine Szene gab.  

Einige Jahre nach dem Veloziped trat das Hochrad von England aus seinen - recht kurzen - Siegeszug an und fand mit einiger Verzögerung auch den Weg nach Wien und in die Steiermark. Von einem ersten steirischen Bicyclisten wird in Leoben im September 1882 berichtet, gut dokumentiert ist die Gründung des Grazer Bicycle-Club (GBC) am 6.12.1882, ein Ereignis, das den Beginn des organisierten Fahrradwesens in der Steiermark markiert. Das Hochrad und sein noch sportlich-elitärer Gebrauch wurden in Berichterstattung und Karikatur zum Teil kritisch kommentiert, in der Bevölkerung war für Aufsehen und auch für Angst gesorgt, was wiederum die Behörden zu Restriktionen veranlasste. 

Ein Wiener, Ernst Brömer-Elmerhausen, Gründungsmitglied des Wiener Bicycle Club, brachte das Bicycle nach Graz: Er gilt als Initiator des GBC, dessen Mitglieder sich vornehmlich aus Kärntner Studenten rekrutierten, die in Graz eigentlich einen Ruderclub gründen wollten. Brömer brachte sie aufs Bicycle, auch Ernst Wlatnigg, der erster Obmann des GBC wurde. Im Auftrag seines Arbeitgebers, der Südbahn-Gesellschaft, musste Wlatnigg allerdings Graz schon im Herbst 1884 wieder verlassen. Der begeisterte Eisläufer spielte später im sportlichen und gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt Klagenfurt eine große Rolle. 

Eine zentrale Figur der frühen Grazer und steirischen Radfahrszene wurde Max Kleinoscheg (1862-1940): Als frühes Mitglied des GBC, Racer und Tourenfahrer, Redakteur, Funktionär und Prokurist der Cless & Plessing Fahrradwerke trug maßgeblich zum Ruf von Graz als "Hochburg des Radsports" bei und galt darüber hinaus als Mitbegründer des Skisports in Mitteleuropa.


Hochradrennen auf der ersten Grazer Bahn
Hochradrennen auf der ersten Grazer Bahn
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1. Obersteirisches Bicycle Meeting, 1884
1. Obersteirisches Bicycle Meeting, 1884
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Erste Rennen auf Straße und Bahn
"Akademien", eine Verbindung aus demonstrativer Fahrzeugbeherrschung und turnerischer Praxis, fanden reges Publikumsinteresse. 1884 initiierte der GBC den Bau einer Sandbahn für Rennen und Corsofahrten im Park der Industriehalle. Die Bahn war mit einer Länge von 690,3 m die längste des europäischen Festlandes und erlebte ihre Feuertaufe im Rahmen des I. Bicycle-Meeting im Juni 1884 mit Bi- und Tricycle-Meisterschaften. Schon im Jahr zuvor, am 14. Oktober 1883, gab es das erste Straßenrennen in der Steiermark auf der Strecke Graz - Bruck/Mur - Graz. Sieger August Wagner benötigte für die 100 km fünf Stunden und 44 ½ Minuten. (Mehr unter =>
"Sportliche Highlights")

Weitere Clubs der Hochrad-Ära waren neben dem GBC der Grazer Radfahrer-Club (gegr. 1885) und der Akademisch-technische Radfahr-Verein (1887), im übrigen Kronland Steiermark die Bicycle-Clubs von Marburger und Liezen (1883), von Knittelfeld, Bruck und Gleisdorf (1884) sowie von Weiz (1885). Dazu kamen noch der Cillier und der Leobner Radfahrer-Verein, wie der Fürstenfelder Zweirad-Club 1886 aus der Taufe gehoben, der Verein Leibnitzer Radfahrer, der Pettauer Bicycle-Club sowie der Judenburger RV und die Radfahrer-Clubs von Marburg und Voitsberg (1887).


Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890
Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890
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Werbekarte des Steirischen Gauverbandes, 1898
Werbekarte des Steirischen Gauverbandes, 1898
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Wegbereiter der Verkehrsinfrastruktur
Der 1887 gegründete Steirische Radfahrer-Gauverband setzte sich als Dachorganisationen für die Interessen der (Touren-) Radler ein, erarbeitete ein Warnungs- und Wegweisersystem und empfahl seinen Mitgliedern radlerfreundliche Gaststätten wie z.B. den
Grünwirt in St. Stephan am Gratkorn oder den Tomahan in Friesach. Insgesamt wurden um die Jahrhundertwende rund 400 "Verbandsgasthöfe" gelistet.

Gut frequentierte Hotels und Gasthäuser legten auch Fremdenbücher des Gauverbandes auf, in die sich Radlerinnen und Radler mit Namen, Tourendaten und eventuell einer Mitteilung oder Sinnspruch für die nachfolgende Kollegenschaft eintragen konnten. Drei Fremdenbücher, jene von Fürstenfeld ("Brauhaus"), Burgau (Gasthof Postl "Zum Hirschen") und Palfau (Gasthaus "Zur Kaisergemse"), sind bekanntermaßen erhalten geblieben.

In den Mitteilungen informierte man über den aktuellen Zustand von Straßen und organisierte Sonderzahlungen für Wegeinräumer, um für bessere Fahrbahnverhältnisse zu sorgen. Wie einer 1904 aufgelegten Werbekarte zu entnehmen ist, wurden vom Gauverband bis dahin 20.000 Kronen in die "Straßenpflege" investiert - und damit auch dem Automobil der Weg geebnet.  

Schon seit 1882 entdeckten die österreichischen Militärs die Vorzüge des Bicycles, vor allem im Meldedienst. In Graz gab es ab 1895 einen Militärradfahrkurs, 1898 kam es zur Aufstellung erster und 1911  dauerhafter Einheiten.