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Die Anfänge


Erzherzog Johanns Laufmaschine
Erzherzog Johanns Laufmaschine
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Die Vor-läufer
Wie die Geburtsstunde des Fahrrades insgesamt schwer auf ein Datum und eine einzige Erfindung festzumachen ist, so sind auch die Anfänge der Fahrradgeschichte in Graz und der Steiermark nicht zu fixieren. Zum Teil herrscht auch noch Forschungbedarf wie etwa im Fall der Erfindung des Grazers Ignaz Trexler, der 1784 eine frühe Fahrmaschine konstruiert haben soll. In einer zeitgenössischen Zeitungsnotiz liest man über seinen "Wagen ohne Pferd, dessen Räder der Fahrende mit den Füßen zu treten hat".

Spärlich sind die Informationen über die Verwendung von Draisinen, also jene Baron von Drais zugeschriebene Laufmaschine (patentiert 1818), die von ihrem Reiter durch das schreitende Abstoßen mit den Beinen vom Boden angetrieben wird. Ein Prunkstück ist allerdings in der Sammlung Landesmuseum Joanneum erhalten geblieben, und zwar jenes aus dem Besitz des steirischen Prinzen Erzherzog Johann (1782-1859). Ob er es allerdings jemals in der Steiermark benutzt hat, ist fraglich. Das vermutlich von der Wiener Firma gefertigte Modell bestricht durch seine sorgfältige Verarbeitung und einen Seeschlangenkopf als "Gallionsfigur".


Velozipedist, Graz 1870
Velozipedist, Graz 1870
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Hochradtouristen in Mariazell
Hochradtouristen in Mariazell
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Von der Laufmaschine zum Veloziped
Konkrete Nachrichten gibt es über die nächste Generation der Fahrrad-Vorfahren, über das Veloziped, das in Frankreich durch Michaux und Lallement in den 1860er Jahren entwickelt worden war. Der Pedalantrieb direkt über das Vorderrad "enthob" die Füße dem Boden und verwandelte die dem Tretrollerfahren verwandte Bewegung der "Schnellläufer" auf der Draisine in eine kurbelnde der Veloizipedisten. Gleich der erste bekannte Grazer Bericht, gedruckt am 7. Mai 1869 in der "Tagespost", lässt die dräuenden Probleme erahnen: "Die städtische Civilwache hat nun strengste Weisung zur Abstellung dieses Unfuges erhalten und hat gestern Nachmittag einen widerspenstigen Velocipedisten sammt seinem Instrumente zur Sicherheitsbehörde gestellt".

Etwa ein Jahrzehnt später trat das Hochrad seinen - kurzen - Siegeszug an. Die Gründung des Grazer Bicycle Club (GBC) am 6. Dezember 1882 markierte den Beginn des organisierten Fahrradwesens in hiesigen Breiten. Ein Wiener, Ernst Brömer-Elmerhausen, Gründungsmitglied des Wiener Bicycle Club, gilt als Initiator: Er war Anfang September per Hochrad nach Graz unterwegs und traf an der Weinzödlbrücke einige Mitglieder des Klagenfurter Ruderclubs "Nautilus", die sich an ihrem Studienort Graz in die Riemen legen wollten. Zumal sich die Mur zur Ausübung dieses Sport nicht wirklich eignet(e), disponierten die jungen Sportsmänner um und gründeten den ersten Bicycle-Club.

Brömer-Elmerhausen blieb eng mit Graz verbunden: Er gewann für den GBC Rennen, wurde dann  Ehrenmitglied und unterhielt eine Filiale seiner Fahrradhandelsfirma im alten Postgebäude (heute: Steinfeldhaus) am Jakominiplatz. 

Erster Obmann des GBC war mit Ernst Wlatnigg einer der verhinderten Kärntner Ruderer. Im Auftrag seines Arbeitgebers, der  Südbahn-Gesellschaft, musste er allerdings Graz schon im Herbst 1884 wieder verlassen. Der begeisterte Eisläufer spielte später im sportlichen und gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt Klagenfurt eine große Rolle. Nach ihm ist eine Straße in Klagenfurt benannt.


Rennen auf der ersten Grazer Bahn
Rennen auf der ersten Grazer Bahn
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Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885
Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885
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Gauverband, 1890
Gauverband, 1890
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Erste Rennen auf Straße und Bahn
Festliche Vorführungen, die "Akademien" genannt wurden, fanden reges Publikumsinteresse. 1884 initiierte der GBC den Bau einer Rennbahn für Rennen und Corsofahrten im Park der Industriehalle, die mit einer Länge von 690,3 m die längste des europäischen Festlandes war. Das erste Bahnrennen, das I. Bicycle-Meeting, fand im Juni 1884 mit Bi- und Tricyclemeisterschaftsrennen statt. Schon im Jahr zuvor, am 14. Oktober 1883, fand das erste Straßenrennen in der Steiermark auf der Strecke Graz - Bruck/Mur - Graz statt. Der Sieger August Wagner benötigte für die 100 km fünf Stunden und 44 ½ Minuten. (Weiterführendes unter =>
"Sportliche Highlights")

Weitere Clubs der Hochrad-Ära waren neben dem GBC der Grazer Radfahrer-Club (gegr. 1885) und der Akademisch-technische Radfahr-Verein (1887), im übrigen Kronland Steiermark die Bicycle-Clubs von Marburger und Liezen (1883), von Knittelfeld, Bruck und Gleisdorf (1884) sowie von Weiz (1885). Dazu kamen noch der Cillier und der Leobner Radfahrer-Verein, wie auch der Fürstenfelder Zweirad-Club, 1886 aus der Taufe gehoben, der Verein Leibnitzer Radfahrer, der Pettauer Bicycle-Club sowie der Judenburger RV und die Radfahrer-Clubs von Marburg und Voitsberg (1887).

Der 1887 gegründete Steirische Radfahrer-Gauverband setzte sich als Dachorganisationen für die Interessen der (Touren-) Radler ein, erarbeitete ein Warnhin- und Wegweisersystem und empfahl seinen Mitgliedern radlerfreundliche Gaststätten wie den Grünwirt in St. Stephan am Gratkorn oder den Tomahan in Friesach.

Stark frequentierte Hotels und Gasthäuser legten auch Fremdenbücher des Gauverbandes auf, in die sich Radlerinnen und Radler mit Namen, Tourendaten und eventuell einem Spruch eintragen konnten. Drei davon - jene von Fürstenfeld ("Brauhaus"), Burgau (Gasthof Postl "Zum Hirschen") und Palfau (Gasthaus "Zur Kaisergemse") - sind bekanntermaßen erhalten geblieben.