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Die Anfänge

Die Vorläufer

Wie die Geburtsstunde des Fahrrades insgesamt schwer auf ein Datum und eine einzige Erfindung festzumachen ist, so sind auch die Anfänge der Fahrradgeschichte in Graz und der Steiermark nicht zu fixieren. Zum Teil herrscht auch noch Forschungbedarf wie etwa im Fall der Erfindung des Grazers
Ignaz Trexler, der 1784 eine frühe Fahrmaschine konstruiert haben soll. In einer zeitgenössischen Zeitungsnotiz liest man über seinen "Wagen ohne Pferd, dessen Räder der Fahrende mit den Füßen zu treten hat".

Spärlich sind die Informationen über die Verwendung von Draisinen, also jene Baron von Drais zugeschriebene Laufmaschine (patentiert 1818), die von ihrem Reiter durch das ausschreitende Abstoßen mit den Beinen vom Boden angetrieben wird. Ein Prunkstück ist in der Sammlung des Landesmuseum Joanneum erhalten geblieben, das aus dem Besitz des steirischen Prinzen Erzherzog Johann stammt. (=> Erzherzog Johanns Draisine)

Die zweite aus der Steiermark bekannte Original-Laufmaschine stammte aus Gusswerk und tauchte auf einem Foto des 1897 gegründeten Radfahr-Vereins Gußwerk auf. Sie dürfte wohl einem Gewerken  - eventuell auch Erzeuger - aus dieser Gegend gehört haben und unterscheidet sich wesentlich vom  Burg-Modell des Erzherzogs. Das Objekt ist im Zuge einer Nachlassverwertung 2004 von einem deutschen Sammler gekauft worden.   
Erzherzog Johanns Laufmaschine
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Erzherzog Johanns Laufmaschine
Gusswerker Draisine


Gusswerker Draisine

Von der Laufmaschine zum Veloziped

Konkrete Nachrichten gibt es über die nächste Generation der Fahrrad-Vorfahren, über das Veloziped, das in Frankreich durch Michaux und Lallement in den 1860er Jahren entwickelt worden war. Der Pedalantrieb direkt über das Vorderrad "enthob" die Füße dem Boden und verwandelte die dem Tretrollerfahren verwandte Bewegung der "Schnellläufer" auf der Draisine in eine kurbelnde der Veloizipedisten. Gleich der erste bekannte Grazer Bericht, gedruckt am 7. Mai 1869 in der "Tagespost", lässt die dräuenden Probleme erahnen: "Die städtische Civilwache hat nun strengste Weisung zur Abstellung dieses Unfuges erhalten und hat gestern Nachmittag einen widerspenstigen Velocipedisten sammt seinem Instrumente zur Sicherheitsbehörde gestellt".

Etwa ein Jahrzehnt später trat das Hochrad seinen - kurzen - Siegeszug an. Die Gründung des Grazer Bicycle Club (GBC) am 6. Dezember 1882 markierte den Beginn des organisierten Fahrradwesens in hiesigen Breiten, was für Aufsehen sorgte, medial etwa in der
Karikatur zum Teil kritisch  kommentiert wurde und auch Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung weckte. 

Ein Wiener, Ernst Brömer-Elmerhausen, Gründungsmitglied des Wiener Bicycle Club, gilt als Initiator: Er war Anfang September per Hochrad nach Graz unterwegs und legte 218 km in 11 Stunden und 40 Minuten (andere Quellen sprechen von 213 km in einer Fahrtzeit von 12 h und 10 min.). Bevor er nach Graz einfuhr, traf er an der Weinzödlbrücke einige Mitglieder des Klagenfurter Ruderclubs "Nautilus", die sich an ihrem Studienort in die Riemen legen wollten. Zumal sich die Mur zur Ausübung dieses Sports nicht wirklich eignete, disponierten sie und sattelten auf. Brömer-Elmerhausen blieb eng mit Graz verbunden: Er gewann für den GBC Rennen, wurde dann  Ehrenmitglied und unterhielt eine Filiale seiner Fahrradhandelsfirma im alten Postgebäude (heute: Steinfeldhaus) am Jakominiplatz. 

Erster Obmann des GBC war mit Ernst Wlatnigg einer der verhinderten Kärntner Ruderer. Im Auftrag seines Arbeitgebers, der  Südbahn-Gesellschaft, musste er allerdings Graz schon im Herbst 1884 wieder verlassen. Der begeisterte Eisläufer spielte später im sportlichen und gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt Klagenfurt eine große Rolle. Nach ihm ist eine Straße in Klagenfurt benannt.

Aber nicht nur in Graz, auch in anderen Landesteilen trieben sich dokumentierter Weise 1882/83 bereits die ersten Bicyclisten herum, etwa im Oberland in Leoben und Murau und Liezen oder im untersteirischen Marburg. 
Velozipedist, Graz 1870
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Velozipedist, Graz 1870
Hochradtouristen in Mariazell
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Hochradtouristen in Mariazell

Erste Rennen auf Straße und Bahn

Festliche Vorführungen, die "Akademien" genannt wurden, fanden reges Publikumsinteresse. 1884 initiierte der GBC den Bau einer Rennbahn für Rennen und Corsofahrten im Park der Industriehalle, die mit einer Länge von 690,3 m die längste des europäischen Festlandes war. Das erste Bahnrennen, das I. Bicycle-Meeting, fand im Juni 1884 mit Bi- und Tricyclemeisterschaftsrennen statt. Schon im Jahr zuvor, am 14. Oktober 1883, fand das erste Straßenrennen in der Steiermark auf der Strecke Graz - Bruck/Mur - Graz statt. Der Sieger August Wagner benötigte für die 100 km fünf Stunden und 44 ½ Minuten. (Weiterführendes unter =>
"Sportliche Highlights")

Weitere Clubs der Hochrad-Ära waren neben dem GBC der Grazer Radfahrer-Club (gegr. 1885) und der Akademisch-technische Radfahr-Verein (1887), im übrigen Kronland Steiermark die Bicycle-Clubs von Marburger und Liezen (1883), von Knittelfeld, Bruck und Gleisdorf (1884) sowie von Weiz (1885). Dazu kamen noch der Cillier und der Leobner Radfahrer-Verein, wie auch der Fürstenfelder Zweirad-Club, 1886 aus der Taufe gehoben, der Verein Leibnitzer Radfahrer, der Pettauer Bicycle-Club sowie der Judenburger RV und die Radfahrer-Clubs von Marburg und Voitsberg (1887).
Auf der ersten Grazer Bahn
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Auf der ersten Grazer Bahn
Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885
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Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885

Wegweiser und Wirtshausschilder

Der 1887 gegründete Steirische Radfahrer-Gauverband setzte sich als Dachorganisationen für die Interessen der (Touren-) Radler ein, erarbeitete ein Warnhin- und Wegweisersystem und empfahl seinen Mitgliedern radlerfreundliche Gaststätten wie den
Grünwirt in St. Stephan am Gratkorn oder den Tomahan in Friesach.

Stark frequentierte Hotels und Gasthäuser legten auch Fremdenbücher des Gauverbandes auf, in die sich Radlerinnen und Radler mit Namen, Tourendaten und eventuell einem Spruch eintragen konnten. Drei davon - jene von Fürstenfeld ("Brauhaus"), Burgau (Gasthof Postl "Zum Hirschen") und Palfau (Gasthaus "Zur Kaisergemse") - sind bekanntermaßen erhalten geblieben.
Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890
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Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890

Weiterführende Links
["Johanns Draisine"]
["Erste muskelkraftbetriebene Fahrze...]
["Das erste Bicycle kam 1882 in Reko...]
["Die ersten Bicyclisten in der Ober...]
["Die Hochradsammlung des Landesmuse...]
["Das Bicycle im Spiegel der Karikat...]


Letzte Änderung:
07.05.2010
Wolfgang Wehap
wolfgang.wehap@apa.at

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