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Bildende und darstellende Kunst


Toulouse-Lautrec, 1896
Toulouse-Lautrec, 1896
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Josef Maria Auchentaller
Josef Maria Auchentaller
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Marken-Werbung
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Abgesehen davon, dass das Fahrrad selbst zum künstlerisch gestalteten Objekt werden kann, beschäftigen sich bildende Künstler gerne mit der dynamischen Konstellation "Radfahren", einem Zusammenspiel aus Technik, Muskelkraft und Bewegung.

Zu den klassischen Darstellungen gehören die Litografien von Henry Toulouse-Lautrec. Gerade als das Plakat durch seine billigere Herstellung zum Massenkommunikationsmittel wurde, erlebte das Fahrrad seine erste Hochblüte - kaum ein Produkt der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert ist so häufig abgebildet und beworben.

Auch in Graz gestaltete etwa die Lithographische Anstalt Oskar Rohr Genre-Plakate, Künstler wie Fritz Schön oder Josef Maria Auchentaller entwarfen Werbesujets für
Puch, Styria, Dürkopp, Cless & Plessing (Noricum) und Grundner & Lemisch, deren Qualität auch in der Gegenwart hochgeschätzt wird. Originale erzielen heute hohe Preise in Antiquariaten und bei Auktionen, Reprints unterschiedlicher Qualität werden als Wandschmuck angeboten.

Werbeplakate der Marken "Styria" und Puch

Zum Sortiment der gerne gesammelten Gebrauchsgrafik gehören Briefmarken und Postkarten, vor allem anlassbezogene Gruss- und Glückwunschkarten, mit mehr oder minder kunstvoll dargestellten Fahrrädern, Würdigungen technischer oder sportlicher Leistungen, zumeist in Verbindung mit einem Jubiläum. In Graz hat der ARGUS-Aktive Walter Bradler eine interessante Kollektion zusammengetragen, die neben Nippes auch Bildpostkarten und Briefmarken umfasst.

Die österreichische Post hat 1985 ein Bild von Externe Verknüpfung Paul Flora ("Karnevalshochradfahrer") auf einer Marke herausgebracht, anlässlich der Wiener Int. Postwertzeichen-Ausstellung 2000 folgte eine Serie, deren Ausgabe von 1997 ein Transport-Dreirad von 1888 zeigt. 2004 wird das Super-Fahrrad Externe Verknüpfung "Tom Turbo" (ORF Konfetti TV) mittels Kinderzeichnung gewürdigt, 2011 der Fahrzeugpionier Johann Puch  anlässlich seines 150. Geburtstages, und zwar mit einem Porträt und der Abbildung des Fahrrades Mod. IV aus dem Katalog 1901.

"Karnevalsfiguren" von Paul Flora
"Karnevalsfiguren" von Paul Flora
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Marcel Duchamp
Marcel Duchamp
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"Forever"
"Forever"
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Gustav Sievers
Gustav Sievers
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Malerei, Grafik, Plastik
Auch in Plastik, Grafik und Malerei haben Fahrräder und das Radfahren bzw. Reflexionen darauf ihre Spuren hinterlassen.

Eine Schlüsselrolle hat Marcel Duchamp eingenommen, der nicht nur den Begriff "Ready made" (Transformierung des Kontextes, in dem ein Alltagsobjekt präsentiert wird, Anm.), sondern auch die Verwendung des Fahrrades bzw. seiner Teile/ Attribute im dadaistisch-surrelalistischen Umfeld begründete.

Max Ernst, René Magritte oder Picasso ("The Head of the Bull") bauten das Fahrrad in ihre Werke ein, später fand es sich in Objekt- und Installations-Kunstwerken von César, Christo, Arman, Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg oder in den Bildern von Gerado Dotti, Mario Sironi, Fortunato Despero, Alberto Savino und Armando Testa wieder.

Auf die im Schwinden begriffene Radkultur in seiner Heimat China reagierte der zeitgenössische Künstler Externe Verknüpfung 
Ai Weiwei (Jg. 1957) mit seinem Zyklus Externe Verknüpfung "Forever Bicycles", für den er Fahrräder bzw. Teile der Traditionsmarke "Forever" in Skulpturen neu komponierte.

Ebenfalls eine Reflexion auf die verschwindende Fahrradkultur Chinas stellt das Projekt Externe Verknüpfung "Chinetik" von Klaus Littermann dar, das 2009 im Museum Tinguely in Basel zu sehen war: 35 Transportdreiräder (Tricycles) wurden als Kultur- und Kunsttypen, also im originalen Funktionszusammenhang und in künstlerischer Bearbeitung u.a. von Robert Rauschenberg, präsentiert. 

Die Expressionisten wurden wesentlich beeinflusst von Arbeiten psychisch Kranker, deren Werke etwa in der Heidelberger Externe Verknüpfung "Prinzhorn Collection" gesammelt sind. Von einem ihrer Vertreter, Gustav Sievers, waren 2009  in einer Ausstellung in Stift Admont drei RadfahrerInnen-Motive zu sehen.


"Fahrrad mit rotem Sattel", Ingrid Knaus
"Fahrrad mit rotem Sattel", Ingrid Knaus
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Toman, Wurm
Toman, Wurm

"Flügelrad", E. Temmel
"Flügelrad", E. Temmel
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Knoll "Radspuren", 2001
Knoll "Radspuren", 2001
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Österreichische Szene
In der Grazer Szene hat die Malerin Ingrid Knaus eine Werkreihe "Fahrräder" geschaffen, wobei sie sich eher für ihre gegenständliche Ästhetik interssiert. Edith Temmel versuchte in ihrer Plastik "geflügeltes Junior-Damenrad" (2004) ein Fahrrad mittels Plexiglasflügel wie Pegasos zum Fliegen zu bringen; für das Buch "RadLerleben" (2009) hat sie - thematisch anknüpfend - einen
Beitrag verfasst. 

Vielfach werden auch Fahrräder selbst zum künstlerisch gestalteten Objekt, etwa wie bei dem Beitrag real*utopia der Belgrader Künstlergruppe "Skart" für das Kulturhauptstadtjahr Graz 2003, als individuell designte Recycling-Räder den BesucherInnen einer Ausstellung im öffentlichen Raum als ein zwischen den einzelnen Schauplätzen verbindendes Vehikel zur Verfügung gestellt wurden.

Das oststeirische Künstlerehepaar Externe Verknüpfung Anne und Peter Knoll hat sich der Darstellung und Deutung von Radspuren gewidmet, indem sie mit Druckerschwärze eingefärbte Reifenprofile auf Papier abrollten (Ausstellung "Energievernichtung oder fit mit Kunst" Heimatmuseum Gleisdorf, 2001) sowie auf Holz applizierte Reifenstücke als Stempel gestalteten (VeloCity Conference 1999 in Graz und Maribor).

In der Bildenden Kunst sind es Designer und (Grafitti-)Künstler, die sich dem Thema widmen. Dazu gehören die Grazer Externe Verknüpfung Oliver Toman (Jg. 1982) und Externe Verknüpfung Josef Wurm (Jg. 1984), die im Rahmen des Bicycle Film Festival 2009 in der Wiener Galerie Externe Verknüpfung "inoperable" ausstellten.


* * *

Literaturtipps:

Jack Rennert, 100 Jahre Fahrrad Plakate, New York, Berlin 1973/1974. Das (großformatige) Standardwerk über Fahrradplakate.


Dan Gindling, Bicycle Stamps. Osceola, USA 1997. Hier sind alle - damals bekannten - 1500 bekannten philatelistischen Editionen aufgelistet und großteils abgebildet.

Sigrun Brunsiek, Josef Spiegel: "Komischer Apparat" - Marcel Duchamps `Fahrrad-Rad´ und die Folgen für die Kunst", in: Gegenwind. Zur Geschichte des Radfahrens, Bielefeld 1995 (erschienen zur gleichnamigen Ausstellung des Kultursekretariats NRW Gütersloh)

I´arte della Bicicletta, da Duchamp a Rauschenberg. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Villa Menafoglio Citta Panza Varese, Milano 2001



Auf der Bühne
Nicht selten nimmt das Fahrrad auch in der Rolle als Bühnenrequisit eine tragende Rolle ein. So war die Operetten-Diva des Grazer Theaters, Julie Falkner (1867-1937), begeisterte Radlerin mit einem Naheverhältnis zum Grazer Damen-Bicycle-Club (gegr. 1893). Sie trat 1894 mit ihrem Kollegen Karl Rauch im Schwank "Wiener in Amerika" auf einem gekoppelten Niederrad in die Pedale.
 
1985 fuhr das Junioren-Kunstradteam des ARBÖ Zeltweg bei zwölf Aufführungen von "Erinnerungen an die Menschheit" von Gerhard Roth im Rahmen des "steirischen herbst" auf der Bühne des Grazer Schauspielhauses auf. 2003/04 gab es in Graz zwei Inszenierungen von Mozarts "Zauberflöte", in denen die Regie Protagonisten auf Fahrrädern in Szene setzte. Seinen durchbruch als Dramturg erzielte der Österreicher Volker Schmidt (Jg. 1976) mit Externe Verknüpfung "Die Mountainbiker", das 2007 in Heidelberg ur- und im Folgejahr im Wiener Schauspielhaus in Österreich erstaufgeführt wurde.

Immer wieder Programmpunkte mit Fahrrädern bietet das Straßen- und Figurentheaterfestival "La Strada" zurück, so 2013 mit "Lisboa" des italienischen "Fondazione Pontedera Teatro". Als bekennender Tandem-Fan gilt der Grazer Autor Externe Verknüpfung  Clemens Setz

Als radelnde Oper kann das kanadische Externe Verknüpfung "The Bicycle Opera Project" gelten, das 2012 auf Tournee ging und die Oper in verschiedene Orte das weiten nordamerikanischen Landes brachte.  

"Zauberflöte" KUG, 2004
"Zauberflöte" KUG, 2004
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Inszenierung der Grazer Oper
Inszenierung der Grazer Oper
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"The Bicycle Opera Project"
"The Bicycle Opera Project"
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