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Bildende und darstellende Kunst
Abgesehen davon, dass das Fahrrad selbst zum künstlerisch gestalteten Objekt werden kann, beschäftigen sich Bildende Künstler gerne mit dem dynamischen Thema Fahrrad/ Radfahren. Zu den klassischen Darstellungen gehören die Litografien von Henry Toulouse-Lautrec. Gerade als das Plakat durch seine billigere Herstellung zum Massenkommunikationsmittel wurde, erlebte das Fahrrad seine erste Hochblüte - kaum ein Produkt der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert ist so häufig abgebildet und beworben. Auch in Graz gestalteten etwa die Lithographische Anstalt Oskar Rohr und Künstler wie Fritz Schön oder Josef Maria Auchentaller schöne Plakate für Puch, Styria, Dürkopp, Cless & Plessing (Noricum) und Grundner & Lemisch. Originale erzielen heute hohe Preise in Antiquariaten und bei Auktionen, Reprints unterschiedlicher Qualität werden als Wandschmuck angeboten.

Zum Genre der gerne gesammelten Gebrauchskunst gehören Briefmarken mit mehr oder minder kunstvoll dargestellten Fahrrädern, Szenen aus Radrennen, dem Verkehrsgeschehen etc. Einige Motive sind den Internet-Seiten von Externe Verknüpfung Radfahrorganisationen zu besichtigen, in Graz hat Walter Bradler eine interessante Kollektion zusammengetragen (siehe unter Sammlungen). Die österreichische Post hat 1985 eine von Paul Flora gestaltete Marke ("Karneval-Hochradfahrer") herausgebracht, anlässlich der Wiener Int. Postwertzeichen-Ausstellung 2000 wurde eine Serie aufgelegt, die u.a. ein Transport-Dreirad von 1888 zeigt.
Toulouse-Lautrec, 1896
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Toulouse-Lautrec, 1896
Styria, um 1900
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Styria, um 1900
Marcel Duchamp
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Marcel Duchamp
"Forever"
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"Forever"
Gustav Sievers
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Gustav Sievers
Edith Temmel
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Edith Temmel
Knoll "Radspuren", 2001
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Knoll "Radspuren", 2001
Toman, Wurm
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Toman, Wurm

Malerei, Grafik, Plastik

Auch in Plastik, Grafik und Malerei haben Fahrräder und das Radfahren bzw. Reflexionen darauf ihre Spuren hinterlassen.

Eine Schlüsselrolle hat Marcel Duchamp eingenommen, der nicht nur den Begriff "Ready made" (Transformierung des Kontextes, in dem ein Alltagsobjekt präsentiert wird), sondern auch die Verwendung des Fahrrades bzw. seiner Teile/Attribute im dadaistisch-surrelalistischen Umfeld begründete. Max Ernst, René Magritte oder Picasso ("The Head of the Bull") bauten das Fahrrad in ihre Werke ein, später fand es sich in Objekt- und Installationskunstwerken von César, Christo, Arman, Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg oder in den Bildern von Gerado Dotti, Mario Sironi, Fortunato Despero, Alberto Savino und Armando Testa wieder.

Auf die im Schwinden begriffene Radkultur in seiner Heimat China reagierte der zeitgenössische Künstler Externe Verknüpfung 
Ai Weiwei (Jg. 1957) mit seinem Zyklus Externe Verknüpfung "Forever Bicycles", für den er Fahrräder bzw. Teile der Traditionsmarke "Forever" in Skulpturen neu komponierte. Ebenfalls eine Reflexion auf die verschwindende Fahrradkultur Chinas stellt das Projekt Externe Verknüpfung "Chinetik" von Klaus Littermann dar, das 2009 im Museum Tinguely in Basel zu sehen war: 35 Transportdreiräder (Tricycles) wurden als Kultur- und Kunsttypen, also im originalen Funktionszusammenhang und in künstlerischer Bearbeitung u.a. von Robert Rauschenberg, präsentiert. 

Die Expressionisten wurden wesentlich beeinflusst von Arbeiten psychisch Kranker, deren Werke etwa in der Heidelberger Externe Verknüpfung "Prinzhorn Collection" gesammelt sind. Von einem ihrer Vertreter, Gustav Sievers, waren 2009  in einer Ausstellung in Stift Admont drei RadfahrerInnen-Motive zu sehen. 

Heimische Szene
In Graz befasste sich u.a. Edith Temmel mit dem Thema Fahrrad: Ihre "geflügeltes Junior-Damenrad" war 2004 in einer Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen. Für das Buch "RadLerleben" (2009) hat sie - thematisch anknüpfend - einen Beitrag verfasst. Vielfach werden auch Fahrräder selbst zum künstlerisch gestalteten Objekt, etwa wie bei dem Beitrag real*utopia der Belgrader Künstlergruppe "Skart" für das Kulturhauptstadtjahr Graz 2003, als individuell designte Recycling-Räder den BesucherInnen einer Ausstellung im öffentlichen Raum als ein zwischen den einzelnen Schauplätzen verbindendes Vehikel zur Verfügung gestellt wurden.

Das oststeirische Künstlerehepaar Anne und Peter Knoll hat sich der Darstellung und Deutung von Radspuren gewidmet, indem sie mit Druckerschwärze eingefärbte Reifenprofile auf Papier abrollten (Ausstellung "Energievernichtung oder fit mit Kunst“ Heimatmuseum Gleisdorf, 2001) sowie auf Holz applizierte Reifenstücke als Stempel gestalteten (Velocity Conference 1999 in Graz und Maribor). 

In der Bildenden Kunst sind es aktuell junge Designer und Grafitti-Künstler, die sich dem Thema widmen. Dazu gehören die Grazer Oliver Toman (Jg. 1982) und Josef Wurm (Jg. 1984), die im Rahmen des Bicycle Film Festival 2009 in der Wiener Galerie Externe Verknüpfung "inoperable" ausstellten.

Literaturtipps: 

Jack Rennert, 100 Jahre Fahrrad Plakate, New York, Berlin 1973/1974. Das (großformatige) Standardwerk über Fahrradplakate.
Dan Gindling, Bicycle Stamps. Osceola, USA 1997. Hier sind alle - damals bekannten - 1500 bekannten philatelistischen Editionen aufgelistet und großteils abgebildet.

Sigrun Brunsiek, Josef Spiegel: "Komischer Apparat" - Marcel Duchamps `Fahrrad-Rad´ und die Folgen für die Kunst", in: Gegenwind. Zur Geschichte des Radfahrens, Bielefeld 1995 (erschienen zur gleichnamigen Ausstellung des Kultursekretariats NRW Gütersloh) 

I´arte della Bicicletta, da Duchamp a Rauschenberg. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Villa Menafoglio Citta Panza Varese, Milano 2001.
Nicht selten nimmt das Fahrrad auch eine Rolle als Bühnenrequisit ein. So fanden zum Beispiel 2004 zwei Zauberflöte-Inszenierungen in Graz statt, in denen jeweils Fahrräder von den Protagonisten benutzt wurden. => siehe Bericht "Bühnenreife Fahrradauftritte"

Weiterführende Links
[ARCHIV 2009: "Radkunst im Grazer Ra...]


Letzte Änderung:
24.07.2010
Wolfgang Wehap
wolfgang.wehap@apa.at

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