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Film

Das Fahrrad ist auch immer wieder in Spielfilmen mehr oder minder prominent im Bild. Die Hauptrolle spielt es dann, wenn es als Produktionsmittel zur Existenzsicherung oder Mittel zum sportlichen Erfolg bzw. zur Selbst- und Partnerfindung dient.

Schneider Zwirn (H. Rühmann) auf Hochrad
Schneider Zwirn (H. Rühmann) auf Hochrad
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Ein frühes österreichisches Filmdokument ist ein Externe Verknüpfung "Preisrätselfilm" (1925), eine Art Schnitzjagd in Wien, bei der dem Gewinner ein Fahrrad der Marke "Rational" winkt. Zu sehen sind der Fahrradfabrikant Alois Wutte sowie Comedians mit einer Tandem-Rikscha und ein Hochrad-Artist. Ebenfalls am Hochrad unterwegs ist der Schneider Zwirn (Heinz Rühmann) in der Literaturverfilmung Externe Verknüpfung "(Der böse Geist) Lumpazivagabundus" (A, 1936, Regie Géza von Bolváry), wobei die kurze Szene in die Vorlage aus der noch radlosen Zeit Johann Nestroys eingeschmuggelt wurde.

Im Spielfim-Genre fanden sich Radszenen in einer Reihe von österreichischen und deutschen Nachkriegsproduktionen wie etwa jene von Hans Deppe "Der Pfarrer von Kirchberg" (BRD, 1955) und Externe Verknüpfung "Immer die Radfahrer" (A, 1958), in der drei wohlsituierte Herren (Hans Joachim Kulenkampff, Wolf Albach-Retty und Heinz Erhardt) ihren Jugendabenteuern in Kärnten nachradeln.  



"Der Pfarrer von Kirchfeld", 1955
"Der Pfarrer von Kirchfeld", 1955
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"Wenn die Bombe platzt", 1957
"Wenn die Bombe platzt", 1957
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"Lass mich am Sonntag ...", 1959
"Lass mich am Sonntag ...", 1959
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Mobilität als sozialer Topos
Mobilität als sozialer Topos
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 "Beijing Bicycle" 2001
"Beijing Bicycle" 2001
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Wajdja: Objekt der Sehnsucht
Wajdja: Objekt der Sehnsucht
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Vehikel der Gesellschaftskritik
Kultstatus genießt heute Vittorio de Sicas Externe Verknüpfung 
"Ladri di Biciclette" (1947) nach einer Novelle von Luigi Bartolini, ein Meilenstein für das Genre des Neorealismo. An ihn und sein Thema - Wohl und Wehe hängen am Rad, das dann geklaut wird - knüpfen zahlreiche andere Filme an, aktuell die von der Kritik hoch gelobte chinesisch-französische Produktion Externe Verknüpfung "Beijing Bicycle" (2001).

Anhand von Guei, einem Landei, das in Peking als Fahrradbote anheuert, zeigt Wang Xiaoshuai die Veränderungen auf, die in der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft vonstatten gehen. Nur mit Hilfe des Fahrrads kann der naiv-störrische Guei seine prekäre Existenz sichern. Gezeigt wird eine Gesellschaft, in der die Solidarität dem Überlebenskampf zum Opfer gefallen ist und in der die menschlichen den materiellen Werten gewichen sind.

Die Schlusseinstellung, in der Guei sein zwar zurückerobertes, aber völlig demoliertes Fahrrad an Autokolonnen vorbeiträgt, ist wohl auch als Metapher für die zu Ende gehende Ära des Fahrrades als das Verkehrsmittel in China zu verstehen.

Ein gesellschaftskritischer Film neueren Datums ist Externe Verknüpfung "Das Mädchen Wadjda" (2012) der Regisseurin Haifaa Al Mansour: Die elfjährige Wadjda träumt von einem eigenen Fahrrad, um Rennen gegen ihren Freund fahren zu können - für ein Mädchen in Saudi-Arabien keine Selbstverständlichkeit und quasi ein Fluchtinstrument aus einer mittelalterlich anmutenden Gesellschaft.


"Tempo", 1996
"Tempo", 1996
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"Premium Rush", 2011
"Premium Rush", 2011
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Messenger als Protagonisten
Früher waren es Plakatkleber (Ricci in "Fahrraddiebe") und Postler, heute sind die Fahrradboten dramaturgisch die berufsradelnden Protagonisten: Das Milieu der Großstadt-Desperados beleuchten "Rush It" mit einem jugendlichen Tom Berenger (USA, 1976), "Quicksilver" mit Kevin Bacon (USA, 1985) und "Messenger" (USA, 1996). Im feinfühligen "2 Seconds" von Manon Briand (CDN, 1998) heuert eine junge Downhillerin, die am Start 2 Sekunden gezögert hat und deshlab geschaßt wurde, als Fahrradbotin an, in Externe Verknüpfung 
"Premium Rush" (USA, 2011) wird ein Messenger aus der New Yorker Fixie-Szene ("ein Gang, keine Bremsen") in einen Kriminalfall verwickelt.  

Eine speedige Doku über die Messenger-Community von NY ist "Red Light Go" (2004). Auch die Protagonisten in europäischen Filmen wie Externe Verknüpfung "Tempo" (A, 1992) von Stefan Ruzowitzky oder "Cyclomania" (FIN, 2000) und im erwähnten "Beijing Bicycle" entstammen der flitzenden Radlerzunft. Doch auch andere Berufsgruppen werden auf dem Fahrrad in Szene gesetzt.


Il Postino mit Massimo Troisi
Il Postino mit Massimo Troisi

Zauber der Montur
Zum Drahtesel passt aber auch gut der Zauber der Uniform, allen voran die radelnden Postboten Mario (Massimo Troisi) in Michael Radfords "Il Postino" (I, 1991), Clive Peacock im von der BBC verfilmten Zweiteiler nach Externe Verknüpfung 
Mark Wallington "The Missing Postman" (GB, 1996) und Externe Verknüpfung Jacques Tati im eigenen Slapstick "Jour de fête" ("Tatis Schützenfest"/ F, 1949) mit dem eingearbeiteten früheren Kurzfilm Externe Verknüpfung "Schule der Briefträger" ("L'ecole des facteurs").

Der Landgendarm Externe Verknüpfung Simon Polt ist schrullige Hauptfigur in den TV-Krimis nach Externe Verknüpfung Alfred Komarek (A, 2001/03/13), der auf seinem Waffrad durch das niederösterreichische Weinviertel radelt. Eher in Zivil sind seine aktuellen Kollegen in deutschen Krimis unterwegs: Die Kommissare Externe Verknüpfung Frank Thiel (Alex Prahl) und Externe Verknüpfung Stubbe (Wolfgang Stumph) bedienen sich für ihre Wege zu Tatort und Ermittlungen immer wieder des Fahrrads.

Im deutschen Nachkriegsfilm nahm man gerne Anleihen im Rennfahrer-Metier, so bei "Um eine Nasenlänge" mit Externe Verknüpfung  Theo Lingen und Hans Moser (1949) oder beim politisch-korrekten DDR-Streifen "Sein großer Sieg" (1952).



"Sein größter Sieg", 1952
"Sein größter Sieg", 1952
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"Immer die Radfahrer", 1958
"Immer die Radfahrer", 1958
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"Schussfahrt nach San Remo", 1968
"Schussfahrt nach San Remo", 1968
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"L’école des facteurs", 1947
"L’école des facteurs", 1947
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"Mädchen mit schwachem Gedächtnis", 1956
"Mädchen mit schwachem Gedächtnis", 1956
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Comedy: Tati und Pee Wee
Neben dem erwähnten Tati-Kult-Film "Jour de Fête" erfreuen uns die Comedy-Beiträge der großartigen britischen Satire-Truppe Monty Python´s mit ihren Scetches Externe Verknüpfung 
"Bicycle Repair Man" (1969) und "The Cycling Tour" (1972).

Originell Externe Verknüpfung "Pee-Wee´s Big Adventure" (USA 1985), das Regiedebüt von Tim Burton, in dem es um ein erwachsenes Kind und die Suche nach seinem dreist gestohlenen roten Wunder-Cruiser geht. In Externe Verknüpfung "Les Cracks" ("Schussfahrt nach San Remo" (F/I 1968) von Alex Joffé gibt Bourvil den Erfinder Jules Duroc, der auf seinem revolutionären Fahrrad einem Steuerfahnder davonbraust und in Mitten eines Radrennens landet.

Beispiele für Komödien mit flotten Tandem-Auftritten sind "Ich suche einen Mann" mit Ghita Nørby (BRD, 1965) und "Hauptsache Ferien" (A, 1971) mit Peter Alexander. Und noch einmal Heinz Erhardt: Als „Verwechslungslustspiel mit Schlagermusik und einigen Heinz-Erhardt-Späßen" wurde die Komödie Externe Verknüpfung "Mädchen mit schwachem Gedächtnis" (BRD, 1956) von der zeitgenössischen Kritik gesehen. 



"Ich suche einen Mann", 1965
"Ich suche einen Mann", 1965
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"Hauptsache Ferien", 1972
"Hauptsache Ferien", 1972
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"Eis am Stiel"
"Eis am Stiel"
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VHS Breaking Away, 1979
VHS Breaking Away, 1979

Flying Scotsman
Flying Scotsman

Sportsfreund Lötzsch
Sportsfreund Lötzsch
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Racer in Movies und Dokus
Natürlich ist die "Tour de France" immer wieder Thema: Den Blick hinter die Kulissen und auf das Brimborium drumherum hat Louis Malle mit Externe Verknüpfung 
"Vive le Tour" (1962) eröffnet. Eine neue Bearbeitung des Topos hat Pepe Danquart in Externe Verknüpfung "Höllentour" unternommen: Der Regisseur begleitete 2003 das deutsche Team Telekom (T-Mobile) um Erik Zabel und Rolf Aldag und brachte eine eindrucksvolle, streckenweise intime Doku, die zugleich ein Portät von "Le Tour" ist. 

Interessanterweise stammen viele in der Radrennszene spielenden Streifen aus dem nicht gerade klassischen Radler-Land USA: Das sympathisch-naive "Ten Speed" (1976), das subtil-witzige Externe Verknüpfung "Breaking Away" (dt. Titel: "Vier irre Typen - wir schaffen es") mit Dennis Quaid (1979) und das plakative, aber actionreiche Externe Verknüpfung "American Flyers" mit Kevin Kostner (1985).

Über die aktuelle US-amerikanische Profi-Radrennszene gibt "The Hard Road" Auskunft (2003). 2007 lief in den Kinos Externe Verknüpfung "The Flying Scotsman", das Leinwanddebüt des Fernsehregisseurs Douglas Mackinnon über das Leben des schottischen Radrennfahrers Externe Verknüpfung Graeme Obree, der in den 1990er Jahren trotz Probleme mit der Funktionärskaste und mit sich selbst zwei Mal den Stundenweltrekord im Bahnradfahren aufstellte und zweimal Weltmeister in der Einerverfolgung wurde. Sechs Extremradsportler mit unserschiedlichem biografischem Hintergrund porträtiert die Doku Externe Verknüpfung "It´s all about ... (An Ultracycle Movie)" (A, 2012).  

Eine politische Doku befasst sich mit dem DDR-Radsportler Wolfgang Lötzsch: Sandra Prechtel und Sascha Hilpert erzählen in Externe Verknüpfung "Sportsfeund Lötzsch" (D, 2007) eine Geschichte von Opportunismus, Feigheit und Verrat und davon, wie ein an sich unpolitischer Mensch eine Widerstandskraft entwickelt, die einen ganzen Staatsapparat aus der Fassung bringt, mit bitterer Note. Über Lötzsch gibt es auch ein gleich betiteltes Buch.


"Les Triplettes de Belleville"
"Les Triplettes de Belleville"

"Les Triplettes de Belleville"
Ein cineastischer Genuss ist der neo-surrealistische Animationsfilm Externe Verknüpfung 
"Les Triplettes de Belleville" von Sylvain Chomet (2003): Als ihr Enkelsohn von der Mafia gekiddnappt wird, der auf der "Tour de France" mitfährt, tut sich Madame Souza mit der Gesangs- und Tanzformation "Belleville Sisters" zusammen, um ihn zu suchen. Ein von der Kritik hochgelobter schräger Film, bei dem kein Wort gesprochen wird.


"Les Petroleuses", 1971
"Les Petroleuses", 1971
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"M. Butterfly", USA 1993
"M. Butterfly", USA 1993
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"Un héros très discret", 1996
"Un héros très discret", 1996

Bei diversen Festivals erfolgreich war die österreichische Experimental-Doku "Externe Verknüpfung handbikemovie", ein "Roadmovie" des Handbike-Fahrers Martin Bruch aus subjektiver Perspektive.

Schöne Rad-Szenen finden sich in Spielfilmen querbeet, etwa im Western "Butch Cassidy and Sundance Kid" (USA, 1969), im Italo-Western "Les Petroleuses/ Petrleum-Miezen" (I/F/E/GB, 1971) oder in jüngeren Komödien wie "The Man With One Red Shoe" (USA, 1985), "Männer" (BRD, 1985), "101 Dalamtiner" (USA, 1996), "La Vita è bella" (I, 1997), "Lola rennt" (D, 1998) oder auch Dramen wie "M. Butterfly" von David Cronenberg (USA, 1993) oder "Un héros très discret/ Das Leben: eine Lüge" von Jacques Audiard (F, 1996). Als eine Jugendsünde von Nicole Kidman kann Externe Verknüpfung "BMX Bandits" (AUS, 1983) gelten, eine schwache Krimi-Komödie mit einigen BMX-Stunts.

Seit 2000 gibt es das Externe Verknüpfung Bicycle Filmfestival (BFF), das durch mehrere US-amerikanische Städte tourte und sich mittlerweile weltweit über die großen Städte ausgebreitet hat. Rund um ein sehr szeneorientiertes Filmprogramm wird schrille Fahrrad(sub)kultur zelebriert. Im Herbst 2007 war erstmals auch Wien am Tourplan.

Ein Externe Verknüpfung Internationales Festival des Fahrradfilms (ICFF) findet seit 2006 im deutschen Herne statt.