Henry Dacre´s "Bicycle Built for Two" auch "Daisy Bell" genannt stammt aus der Zeit, in der das Niederrad seinen Siegeszug rund um den Globus angetreten hatte. In dem Stück, so oft gecovert wie kein anderes Fahrradlied - vom Disney-Kindersong bis zu Interpretationen von Jazzer Dave Brubeck oder der Britpop-Band Blur -, sind inhaltlich zwei Grundmotive vorgegeben: Die Paarbeziehung, hier symbolisiert durch das Tandem, und die Bewusste Bevorzugung des bescheidenen Verkehrsmittels, selbst bei der Auffahrt zur Hochzeit ("It won''t be a stylish marriage, I can''t afford a carriage"). Daisy Story. Der Engländer Henry Dacre nahm auf eine USA-Reise sein Fahrrad mit und beschwerte sich, als er ordentlich Zoll zahlen musste, bei Songwriter Billy Jerome. Dieser erwiderte sinngemäß, Dacre solle froh sein, dass es kein Tandem habe, denn sonst würde er für zwei zahlen müssen. Aus dieser Episode entwickelte Henry Dacre 1892 sein Liebeslied in Walzerform. Zwei Jahre später brachte Frank Dean "Fare You Well Daisy Bell" heraus, quasi ein Nachruf auf die verflossene Tandem-Begleiterin. Schon im Jahr der Erstveröffentlichung gab es die deutsche Version von Fritz Lehner. |
Die Fahrrad-Hymne des Rockzeitalters ist ohne Zweifel "Bicycle Race" von Queen (1978), wenn gleich die Nummer nur am Rande mit dem Radfahren zu tun hat (Die "Tour de France" ist gerade bei den Plattenaufnahmen in Montreux vorbeigekommen...). Dem Album wurden dann nackte Rennradlerinnen, abgelichtet im Wembley-Stadion, als Poster beigelegt, was für Auf- und Erregung sorgte. Zu den bekanntesten Popnummern des Genres zählen "My White Bicycle" von Tomorrow (1967) und Nazareth (1974) sowie die deutschsprachigen Stücke "Fahrradfahrn" von Sternhagel (1982) und vor allem "Mein Fahrrad" von den Prinzen (1991). Zeilen wie "Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da" oder "Jeder Blödmann fährt ´nen Porsche, jeder Arsch ´nen Audi Sport" gehören heute zum allgemeinen Liedgut velophiler Mitmenschen und sollten längst fixer Lehrinhalt im Verkehrskindergarten sein. Erwähnenswert auch der groovige Jazz von Erskine Hawkins ("Bicycle Bounce", 1942), der Rock´n´Roll von Fats Domino ("Rockin´ Bicycle"), der Bubble Gum der Archies ("Bicycles, Rollerskates", 1969) der Elektro-Pop von Kraftwerk ("Tour de France", 1983/ 2003), der Psychodelic Rock der frühen Pink Floyd ("Bike", 1967) oder der fetzige Surf-Punk von Fabsi & der Peanutsclub ("Ich bin ´ne Fahrradkurier", 1997) und Ghoti Hook ("My Bike", 1997). Bemerkenswerte Beiträge haben zudem Yves Montand ("Á Bicyclette", 1968), Ralph McTell ("Girl on a Bicycle", 1969), Tom Waits ("Broken Bicycles", 1981), Riccardo Cocciante ("In Bicicletta", 1982) und Livingston Taylor ("Bicycle", 1996) abgeliefert. . In x-fachen Varianten gibt es den Schmachtfetzen "Les Bicyclettes del Belsize", u.a. interpretiert von Engelbert Humperdinck, Mireille Matthieu und Connie Francis. Besonders engagiert ist die US-Band "Bicycle", deren Name Programm ist, und die seit 1995 rund 9000 km per Fahrrad auf Tournee zurückgelegt hat, oder die "Ditty Bops", ein flottes Frauen-Duo, das 2006 eine US-Tournee über 4.700 Meilen mit den Fahrrädern zurücklegte. Offensiv für das Biken wirbt auch Luka Bloom, ein Singer-Songwriter aus Irland. 1995 nahm das Peek-a-Boo Label in Austin/ Texas ein musikalisches "Bicycle Rodeo" auf - Songs mit Fahrrad-Bezug von zum Teil ziemlich schräg klingenden Post-Punk- und Garagenbands. Wohlklingend hingegen eine CD aus Toronto/ Kanada ("Song Cycles - A Choir On Bicycles"), die von Rad-Enthusiasten auf ihren Bikes aufgenommen wurde. Ebenfalls aus Toronto stammt die Band "The Bicycles" die 2006 ihr Debut-Album ("The Good the Bad and the Cuddly") mit fetzigem Poprock vorlegten. Anläßlich seines 25-Jahre-Jubiläums hat der holländische Fietsersbond 2000 die CD "King of the Road" ediert, auf der Fahrrad-Songs versammelt sind. In der Alpenrepublik dominiert der sattsam bekannte und nicht allseits beliebte Gassenhauer "Ja, mir sind mit dem Radl da" die Szene. Die Melodie stammt vom US-Gospel "Gloryland", wurde in den später 1950er Jahren vom britischen "King of Skiffle" Lonnie Donegan adaptiert und in den 1960ern von den "Lords" nach Deutschland importiert, wo es schließlich in Bayern zum Bierjazz mit mehr oder (meist) weniger geistreichen Text mutierte. Erwähnenswert aus österreichischer Sicht sind die Beiträge des Wiener Malers Arik Brauer ("Reise nach Afrika", 1971) und der Alpen-Techno von Die Seer ("Rudl Radl", 1996). |
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Auch ein eigenes Liederbuch gibt es: Jens Holzäpfel aus Freiburg hat 24 Lieder verschiedener Epochen und Kulturkreise zusammengetragen und in dem Büchlein "Radlieder - Bicyle Songs" veröffentlicht. Feine Sache zum Nachlesen und Mitsingen! http://www.radlieder.de/ ARGUS Steiermark hat ein kleines Bicycle Media Archiv (Tonträger, Songtexte, Liederblätter, Filme) aufgebaut. Wer dazu Informationen oder Material braucht oder auch anzubieten, wendet sich bitte per mail an uns! Für verwertbare Beiträge winkt eine Best of-CD ! |










