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Radstation in weiter Ferne
"Kleine Zeitung" vom 09.02.2003

Bei der geplanten Fahrradstation am Grazer Hauptbahnhof fährt noch lange nicht die Eisenbahn drüber: ÖBB und Stadt streiten über Kosten.

Ein Plastiksackerl wäre zu empfehlen. Oder ein Taschentuch. Jedenfalls sollte jeder Zugreisende, der künftig auf dem Grazer Hauptbahnhof von seinem Fahrrad empfangen wird, mit einem nassen Sattel rechnen. Denn derzeit scheint man noch Intercity-Strecken von einer überdachten Fahrradstation entfernt zu sein: ÖBB und Stadt Graz streiten - schriftlich - darüber, wer künftig die Kosten für die Station übernimmt. Eigentlich soll die rund 270 Quadratmeter große Räderunterkunft spätestens im April stehen, wenn der gesamte Umbau des Hauptbahnhofs abgeschlossen ist. Doch bei der dafür notwendigen Weichenstellung hapert''s gewaltig.

"Die Forderungen, die uns von den ÖBB gestellt werden, sind inakzeptabel", betont der zuständige Stadtrat Walter Ferk und liest vor: Laut Bahn soll die Stadt die Erstkosten in der Höhe von 250.000 Euro übernehmen. Zusätzlich soll man pro Quadratmeter einen Mietzins von zehn Euro netto abliefern und die ÖBB mit fünf Prozent am Umsatz beteiligen. "Bei der Budgetlage der Stadt ist das nie finanzierbar", schüttelt Ferk den Kopf. "Außerdem kann es ja nicht sein, dass die ÖBB keinen Cent zu einer Station beisteuern, die hauptsächlich für die Zugreisenden ist."

Eine Kritik, auf die man bei den ÖBB nicht eingehen möchte. "Aber wir können die Station der Stadt nicht gratis zur Verfügung stellen", erklärt Robert Wolf, ÖBB-Pressesprecher für die "Bahnhofoffensive". Außerdem habe man der Stadt schon ein neues Abrechnungsmodell zugesandt, "da sind die Preise schon auf dem untersten Niveau". Wie das aussieht, weiß Ferk: Die Erstkosten sollen bleiben, der Mietzins wird auf acht Euro reduziert, die Umsatzbeteiligung soll fallen. "Die ersten 250.000 Euro könnte die Stadt übernehmen. Und nicht mehr."
MICHAEL SARIA