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Krücken und Liebesgrüße (Fahrradboten)
"Kleine Zeitung" vom 19.11.2005, Seite 28

Seit nunmehr 15 Jahren sausen die Fahrrad boten von "Veloblitz" durch Graz, seit 6 Jahren jene von "Rad auf Draht". Geliefert wird alles (Un-)Mögliche.

   W2 ist in seinem Job 1A. Gut, auch manch anderer saust durchs Land und macht mit Mitbringseln aus seinem Rucksack anderen eine Freude. Aber W2 ist nicht nur zu Weihnachten auf Achse, sondern das ganze Jahr über. "Man erlebt Sachen, die andere nie erleben. Und sieht, was andere nie sehen."

   Hinter W2 steckt Wolfgang Berze. Der 37-Jährige ist einer jener Fahrradboten, die im Einsatz sind, wenn''s schnell gehen muss. "Damit das reibungslos klappt, kann nicht jeder nach seinem Namen gerufen werden. Also bin ich W2, der zweite Wolfgang."

   Als solcher war er einer der Ersten bei "Veloblitz". Der Grazer Botendienst lotst seine Mitarbeiter - vorwiegend Studenten - seit 15 Jahren per Funk von A nach B . "Zu unseren Kunden gehören große Firmen genauso wie jene liebe alte Dame, deren Einkäufe wir erledigen", so "Veloblitz"-Chefin Andrea Brottrager. Abgerechnet wird nach Zonen, inklusive "Bergwertung". Und die Boten werden bei der "Tour de Graz" pro Fahrt am Umsatz beteiligt.

   Dabei erledigen jeden Tag 20 Fahrer durchschnittlich 200 Aufträge. "Das geht von normalen Bürounterlagen bis zu Bluttransporten für Labors", weiß Pedalritter Berze. "Lustig wird''s, wenn wir mit Krücken im Rucksack zur Privatklinik fahren. Oder mitten in der Schulstunde ein Mädchen mit Rosen überraschen."

   Rund 130 Aufträge landen pro Tag auch bei der relativ jungen Konkurrenz, bei "Rad auf Draht". "Wir sind seit knapp sechs Jahren unterwegs", so Geschäftsführer Thomas Reithofer. Beim ihm gehören neben Büromaterialien auch Zahnprothesen zu den Standard-Transporten. Und doch passt nicht jeder Auftrag in den knallorangen Rucksack, wie Reithofer weiß. "Es kommt nicht selten vor, dass unsere Boten Liebesgrüße überbringen und zum Beispiel ein Ständchen singen."
MICHAEL SARIA