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Totengräber für Fahrradleichen
"Kleine Zeitung" vom 22.02.2003

Stadt räumt ab März im Chaos um herrenlose Drahtesel auf. Banderole kündigt Schrottsammlung an. Nach einer Frist kommen die "Schlepper".

Sie sind das klassische Strandgut im urbanen Revier der Asphaltcowboys: schrottreife, herrenlose Drahtesel, die an jeder Ecke lehnen, sich im Rudel zusammenrotten und den blitzsauberen Fahrrädern aus gutem Hause den Abstellplatz streitig machen. Ab März schlüpft die Stadt in die Rolle des Totengräbers für das Radleichen-Chaos.

Nach dem Konzept des Radbeauftragten Helmut Spika werden Schrotträder mit System abgeschleppt. Als Warnschuss wird den Drahteseln eine Banderole umgeschnallt. Auf diese können sich etwaige Besitzer einen Reim machen, bevor ihr Rad verschwindet, weiß Straßenamtschef Harald Hrubisek. Unter dem Titel "Achtung, Schrottradsammlung" übt sich das Straßenamt darauf in Alltagspoesie: "Willst du mich nicht mehr verwenden, werd'' ich auf dem Schrottplatz enden. Dein Fahrrad."

Nach mehrwöchiger Frist wird abgeschleppt, das Rad im Lager der Firma "Pirnath" in der Triesterstraße noch einige Monate aufbewahrt, bevor es am Schrottplatz landet. Eine Gnadenfrist für jene, die ihren einspurigen Freund noch retten wollen. Die Radlerlobby "Argus" begrüßt die neue Aktion: "Dadurch wird in den Abstellanlagen endlich wieder Platz für Räder geschaffen, die wirklich in Betrieb sind."
BERND HECKE