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Architekt haucht Schrotträdern zweites Leben ein


Hans Alexander Pauer
Hans Alexander Pauer
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Der Verein Rebikel macht aus Grazer Radleichen „neue" Alltagsräder - und so manches Schmankerl wieder fahrbereit.

Hans Alexander Pauer ist Architekt, hat Wohnhäuser entworfen, an der Uni gelehrt und mit Drogenkids gearbeitet. Jetzt kümmert sich der Grazer um die Radleichen der Stadt. 2004 hat er den Verein „Rebikel" gegründet - zur Rettung weggeworfener Fahrräder. Er haucht den Grazer Radleichen neues Leben ein.

Allzu oft stolpert man in Graz über Fahrradleichen: Räder, welche unbenutzt in einem Eck vergammeln oder Abstellplätze blockieren. Die sind ein Fall für Hans Pauer. „700 bis 1000 Räder hat die Stadt pro Jahr weggeworfen", erzählt er. Seit zwei Jahren ist Wiederverwertung angesagt. „Viele Räder können mit relativ wenig Aufwand wieder hergerichtet werden", so Pauer.




Was übrig bleibt, wird eingesammelt
Was übrig bleibt, wird eingesammelt
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Auf Pirsch in der Stadt

Alle zwei bis drei Wochen zieht er durch die Stadt und hält Ausschau nach Radleichen, nach Rädern, die so aussehen, als werden sie nicht mehr benutzt. Diese Radln werden mit einer Schleife versehen, mit der die Besitzer auf das Entfernen des Rades aufmerksam gemacht werden. Rund 1000 Schleifen hat Pauer 2006 angebracht. Ist das Fahrrad nach drei Monaten immer noch da, wird es abgeholt - so wie 639 Räder im vergangenen Jahr - und weitere drei Monate gelagert. „Die Leute sollen die Chance haben, ihr rad abholen zu können. Drei bis vier wollen pro Jahr ihr Rad zurück haben", weiß Pauer. Danach landen die echten Leichen beim Schrotthändler. Die „Guten" hingegen werden wieder auf Vordermann gebracht.

Nach etwa drei Reparatur- und Putzstunden pro Rad werden die guten Stücke um 50 bis 150 Euro verkauft; Schmankerl - Rennräder oder Mountainbikes mit Federgabel - gibt es für 300 und ein paar Euro mehr. Die neuen, alten Bikes haben dann z.B. neue Lager, neue Felgen oder neue Schaltwerke und strahlen dennoch den charmanten Glanz vergangener Zeiten aus. Auf so manchem Stück prangt noch das alte Puch-Logo.

Pauer denkt noch viel weiter; bis nach Afrika, Südamerika, Kuba. „Dort fahren die Menschen mit einem Rad, das bei uns weggeworfen wird, noch viele Jahre." Seine Idee: Er will fahrtüchtige Radln, die bei uns keiner mehr will, exportieren. „In diesen Ländern könnten dann Menschen vom Verkauf oder von Reparaturarbeiten leben. Und andere freuen sich, weil sie ein Fahrrad bekommen."

Bevor es soweit ist, will Pauer mindestens 200 seiner Räder pro Jahr verkaufen. „Dann wirft das Projekt soviel ab, dass ich jemanden anstellen kann", erklärt er. Derzeit warten in der Keplerstraße 55 rund 50 schöne, recycelte Räder auf Käufer.

Infos und Fahrradverkauf: Tel. 0676/ 50 19 070.

THOMAS STANZER