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Paukenschlag beim Radverkehr
"Kleine Zeitung" vom 08.05.2003

Zurück zur Radstadt Nummer 1
Der bestreikte Dienstag zeigte, welches Radpotenzial in Graz steckt. Stadtrat Rüsch verdoppelt das Radbudget. Graz strampelt zurück zur Fahrradhauptstadt Österreichs.

Dort wo seit gestern wieder die Autos die Straßen unsicher machen, waren am Dienstag so viele Räder unterwegs, dass so mancher vom Rad-Boom sprach und von der Rückkehr zur "Radstadt Nummer 1" träumte. Vor den Kliniken am LKH standen Räder zuhauf, der Rathaushof war zum Bersten mit Drahteseln gefüllt, in der ganzen Stadt erlebte das Fahrrad eine Renaissance. Grund genug für Verkehrsstadtrat Gerhard Rüsch, sein Versprechen wahr zu machen.

Mit einem verdoppelten Radbudget will er Graz jetzt wieder zur Fahrrad-Vorzeigestadt machen. "Es war tatsächlich auffallend, wie der Radverkehr am Dienstag zugenommen hat. Viele haben gemerkt, dass es auch andere Fortbewegungsmöglichkeiten als das Auto gibt", bemerkt Rüsch nicht ohne Freude, "das hat die Bedeutung für Verbesserungen im Radverkehr verstärkt".

Verbesserungen, die der Verkehrs- und Planungsstadtrat mit einem doppelt so hohen Budget wie bisher in Angriff nehmen will. 500.000 Euro sind für das zweite Halbjahr dieses Jahres verfügbar, ab 2004 soll es pro Jahr eine Million Euro für Maßnahmen im Fahrradbereich geben, legt sich Rüsch fest. Und kommt damit einer Forderung der Fahrradlobby Argus und der Grünen nach, die seit Jahren mehr Geld für den Radverkehr einfordern. Rüsch hat nicht nur den Geldhahn aufgedreht, er will auch Taten folgen lassen; und das in absehbarer Zeit. "Mehr Abstellplätze im Hauptplatzbereich wird es noch im Sommer geben", verspricht Rüsch. Dazu will er die leidige Radstation am Hauptbahnhof anpacken, aus der seit fast zwei Jahren nichts wird: "Das soll zu einem positiven Ergebnis kommen."

Hoch erfreut über diese Vorstöße zeigen sich die Grünen. "Das ist toll. Jetzt gehören nur noch Maßnahmen gesetzt wie die Lückenschlüsse im Radwegenetz in neuralgischen Bereichen, die Öffnung aller Einbahnen für Radler in Tempo-30-Zonen oder ein Mobilitätsmanagement, um den Leuten das Rad schmackhafter zu machen", so Hermann Candussi von den Grünen. Zumindest die Lückenschlüsse stehen in Rüschs Liste ganz oben. THOMAS STANZER

K O M M E N T A R
Na bitte

Für Radfahrer sind goldene Zeiten angebrochen. Nach vielen Worthülsen zum Radverkehr, die wir in den letzten Jahren über uns ergehen lassen mussten, folgten gestern Taten. Verkehrsstadtrat Gerhard Rüsch hat angekündigt, das Fahrradbudget zu verdoppeln, das Radwegenetz auszubauen und noch im Sommer für mehr Abstellplätze in der Stadt zu sorgen. Damit kommt endlich die Bewegung in die Radstadt Graz, auf die wir seit dem Velocity-Radkongress 1999 warten. Bewegung, die sich in weniger Verkehr, weniger Stau, einer besseren Luft und einer besseren Gesundheit der Grazer niederschlagen könnte. Wir sind wieder auf dem Weg zur "Radstadt Nummer 1". Bleiben zwei Hoffnungen: dass viele so schlau sind, aufs Rad statt aufs Auto zu setzen. Und dass Rüsch hält, was er verspricht.
Sie erreichen den Autor unter thomas.stanzer@kleinzeitung.at