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Rückschläge im "Radlerparadies" Graz
Salzburger Nachrichten" vom 14.11.2005

(zum Thema "Mehr Lebensqualität in der Stadt")

Illegale "Velo-rution"

Am Anfang stand die "Velo-rution": 1980 pinselten Aktivisten in einer nächtlichen Malaktion einen Radweg in der Grazer Wilhelm-Fischer-Allee. Eine Idee, die der damalige Verkehrsstadtrat Erich Edegger (ÖVP) aufgriff, noch im selben Jahr wurde der illegale Radweg "offiziell", eine für ganz Österreich vorbildliche Radwegeplanung nahm ihren Ausgang. Schon Ende 1981 waren 20 Kilometer Radwege in Graz in Betrieb, der Drahtesel wurde zunehmend gesellschaftsfähig, Mitte der 80er Jahre titelte die "Südost-Tagespost": "Das Radeln ist des Städters Lust. Am Beispiel Graz: Eine Stadt steigt um." Nach dem Tod Edeggers, der mit seiner Kfz-restriktiven Politik den Widerstand des Wirtschaftsflügels seiner Partei provozierte, verlor Graz wieder an Schwung und Dynamik bei der Forcierung des Radfahrverkehrs.

"Die Luft aus dem Pneu"

In den 90er Jahren wurde Edeggers Konzept der "sanften Mobilität" zunehmend verwässert, der Volkskundler und Journalist Wolfgang Wehap konstatierte, dass "die Luft aus dem Pneu" ist. Laut eines 2002 von der Radlobby ARGUS durchgeführten Tests zog Salzburg in Sachen Fahrradfreundlichkeit an Graz vorbei, auch Innsbruck lag nur noch knapp hinter dem einstigen Radlerparadies. Die Politik befriedigte etwa durch die Errichtung von Tiefgaragen in der City die Wünsche des motorisierten Individualverkehrs. Mobilität wurde wieder mit Automobilität gleichgesetzt. Dem seit 2003 amtierenden Verkehrsstadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) ist es gelungen, Akzente zu setzen.

Positive Einzelprojekte

"Die langersehnte Errichtung einer Fahrradstation am Grazer Hauptbahnhof oder die Unterführung der Kepler-Brücke sind positive Entscheidungen", erklärt ARGUS-Vereinsobmann Ben Hemmens. Schon vor einigen Jahren ist der Grazer Radwege-Koordinator Helmut Spinka installiert worden. Was aber fehle, sei eine von allen Parteien getragene offensive Gesamtstrategie. Für die Grazer Radverkehrs-Zukunft ist Hemmens nicht allzu optimistisch: "Es gibt vereinzelt zwar einen guten Willen, aber zu wenig Mittel in dem vom Sparstift bestimmten Budget." m. b.