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Aus dem Drahtesel wurde ein High-Tech-Gerät
"Salzburger Nachrichten" vom 12.12.2005

Trend zu Mode- und Luxusrädern: KTM verkauft bereits ein Fünftel der Modelle im Hochpreissegment ab 1500 Euro

Der größte Fahrradhersteller Österreichs, die KTM Fahrrad GmbH mit Sitz in Mattighofen, reagiert auf den Trend zum Leichtrad. In der kommenden Saison wird erstmals eine Serie von Fahrrädern mit High-Tech-Carbonrahmen auf den Markt gebracht. Rennräder wie auch Mountainbikes werden mit dem Material aus Kohlefaser ausgestattet, der Mindestpreis beträgt 1900 Euro. Profis können bis zu 4000 Euro in ihr neues Sportgerät investieren. "Es gibt viele Freaks, die für ihr Hobby sehr viel Geld ausgeben. Wir sind im Hochpreissegment - Fahrräder um 1000 Euro und mehr - immer früher ausverkauft als im mittleren Preissegment", sagt Carol Urkauf-Chen, Eigentümerin von KTM Fahrrad. Ein Fünftel der rund 100.000 Stück KTM-Fahrräder für Erwachsene, die jährlich hergestellt werden, ist im Hochpreissegment angesiedelt. KTM plant, seine Carbon-Räder auch ambitionierten Hobbyfahrern schmackhaft zu machen. Der Linzer Roman Rametsteiner, einer der besten Mountainbiker Österreichs, war bei Tests von den Fahreigenschaften begeistert. Der Kohlefaserrahmen zeichnet sich durch Stabilität und Leichtigkeit aus (1000 Gramm bei Rennrädern, 1300 Gramm bei Mountainbikes). Seit September langten 1500 Aufträge ein. Im kommenden Geschäftsjahr will Frau Urkauf-Chen mindestens 4000 Carbon-Räder verkaufen. Das Fahrrad hat einen Imagewandel durchgemacht - vom Gebrauchsgegenstand zum Modeartikel. Kostete ein Stück vor zehn Jahren ab Fabrik an den Händler im Schnitt 235 Euro, so lukriert der Hersteller heute mehr als 400 Euro. "Viele Kunden kaufen nur nach optischen Gesichtspunkten. Wir bieten eine Kombination aus Optik und perfekter Technik", betont Carol Urkauf-Chen. Revolutionär sei etwa, dass die Seile für Bremsen und Licht kaum mehr sichtbar im Rahmen integriert seien. KTM Fahrrad erzielte im Vorjahr in Mattighofen einen Umsatz von 50,6 Mill. Euro und erwartet für heuer ein Wachstum von rund drei Prozent. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 3,6 Mill. Euro und soll auf mehr als vier Mill. Euro anwachsen. 200 Mitarbeiter entwickeln und designen die Fahrräder im Innviertel. Die Produktion der Teile erfolgt in Fernost, Lackierung und Endmontage wieder in Mattighofen. In ein zweites Werk in Sumperk (Tschechien) wurde die Billigschiene ausgelagert. Dort werden an die 10.000 Kinderräder sowie 100.000 Räder, die nur unter Handelsmarken verkauft werden, hergestellt.

FRITZ PESSL