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Absteigen, bitte! (Kommentar)
"Kleine Zeitung" vom 29.12.2005

KOMMENTAR

Der Wintereinbruch der vergangenen Tage beschert den Grazern oft schwierige Fahrbahnbedingungen.
Obwohl der Winterdienst der Wirtschaftsbetriebe unermüdlich im Einsatz ist, sind zahlreiche Straßen mit einer Mischung aus Matsch und Eis "verziert". Bedingungen, die Autofahrer dazu bringen sollten, den Fuß vom Gas zu nehmen - und Radlfahrer dazu, ihre Drahtesel überhaupt im Keller zu lassen.
Dennoch zittern zahlreiche Pedalritter durch den Straßenverkehr. Was auf den ersten Blick vor dem Hintergrund der Feinstaubdiskussion als löblich erscheint, entpuppt sich bei genauerem Nachdenken als schlichte Blödheit.
Die eigene Sicherheit bleibt völlig auf der Strecke. So schnell kann man gar nicht reagieren und das Hinterrad rutscht einem unter dem Sattel weg.
Die Unfälle mitten auf der Fahrbahn, die bis gestern zum Glück alle glimpflich ausgegangen sind, belegen das. Wer der vom Feinstaub geplagten Stadt helfen will, sollte wieder auf Schusters Rappen zurückgreifen oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.
Aber auf jeden Fall von seinem Radl absteigen.
Sie erreichen den Autor unter gerald.winter@kleinezeitung.at

GERALD WINTER

LB zum Kommentar von Herrn Winter zum Thema "Absitzen, bitte!"

Sehr geehrter Herr Winter!

Alle Jahre wieder fühlen sich Leute Ihrer Zunft bemüßigt, uns RadlerInnen
vorzuschreiben, was wir zu tun oder besser zu lassen hätten. Seien Sie
versichert, wir wissen, was wir tun, und würden die Radwege ordentlich geräumt,
wäre es auch für uns wesentlich lustiger zu radln. Wir verwenden nun einmal das Fahrrad um von A nach B zu kommen und gefährden dabei ganz sicher keine auf Sommerreifen daherrutschenden Autofahrer. Niemand kommt auf die Idee, die Autofahrer als blöd zu bezeichnen, die im Dezember immer noch mit Sommerreifen
fahren oder bei laufendem Motor ihr Auto von Eis und Schnee befreien.
RadfahrerInnen tun etwas für die Umwelt, für die eigene Fitness und Gesundheit
(auch wenn sie bei Eis und Schnee radln) und das sollte Ihnen für die Zukunft
ein kleiner Denkanstoss sein.

So, das wär''s für heuer. Ich wünsche allen ArgonautInnen und denen die es noch werden wollen einen guten Rutsch in ein radlerisch aktives Jahr 2006.

All frei
Ulli Stadler