In der Stadt hat gegenwärtig der ÖV-Ausbau absolute Priorität: Nach wenig radfahrfreundlichen Lösungen wie Jakominiplatz und Hauptbahnhof und der Verbreitung der für RadlerInnen problematischen Kaphaltestellen (z.B. St. Peter-Schulzentrum) bringt das Projekt Umbau Kaiser-Franz-Josef-Kai die Entwicklung auf den Punkt: Die Tram bekommt im Abschnitt Marko-Spitz - Umspannwerk einen eigenen Gleiskörper, der Kfz-Verkehr wird ab der K&Ö-Garagenausfahrt auf eine Fahrspur eingeengt (dafür entfällt das "Rot" am Markospitz, wenn Straßenbahnen in diesem Abschnitt gegen die Einbahn unterwegs sind). Und die RadlerInnen, die hinter der Allee gemeinsam mit den Fußgängern ein kärgliches Dasein fristen und gehofft haben, dass sie von einem Umbau durch eine großzügigere Radweglösung profitieren? Sie bleiben, wo sie sind und müssen in Kauf nehmen, dass man ihnen auch noch das kurze eigene Radwegstück Höhe K&Ö-Garagenausfahrt bis zum Marko-Spitz wegnimmt. Begründung: Dort sollen Ersatzparkplätze hin, die weiter nördlich für den eigenen Gleiskörper gebraucht werden. Insgesamt also eine Lösung, die beim Radforum sogar dem im Land für Radwege zuständigen Beamten ein "Das finde ich nicht in Ordnung" abnötigte. Am nächsten Tag (1.11.) konnte man in der "Kleinen Zeitung" auch gleich die Erfolgsmeldung der Wirtschaft lesen: "Die wichtigste Neuerung betrifft das von vielen befürchtete Kappen dutzender Parkplätze. Zwar wird man auf Höhe `Schloßbergbahn´ausräumen müssen. Da aber nach jüngsten Plänen neue Stellplätze bei der Ausfahrt der Kastner-Tiefgarage sowie im Norden beim Umspannwerk hinzukommen, gehe letztlich kein Parkplatz verloren. Was WK-Regionalstellenleiter Kurt Egger erfreut: `Gerade für Innenstadtunternehmer ein wichtiges Ergebnis.´ Dass gerade hier das Parkgaragenangebot sehr üppig ist und - wie Beobachtungen gezeigt haben - die Auslastung der zur Zeit angebotenen Blauen-Zonen-Stellplätze gering ist, lässt man unter den Tisch fallen. Und: In Zeiten des Wahlkampfs verlässt den Verehrsstadtrat anscheinend die Courage, und er ist bereit, um die Wirtschaft ruhig zu stellen, eine Verschlechterung für den hier sehr dichten Fußgänger- und Radverkehr - immerhin ist dieser Geh-/Radweg Teil des R2, Murradwegs, der je gerade durch den Elise-Steiniger-Steg als Nord-Süd-Achse eine enorme Aufwertung erfahren hat - hinzunehmen. |
ARGUS hat beim Radforum die Unzufriedenheit mit in letzter Zeit umgesetzten Radverkehrsprojekten im Westen der Stadt kundgetan: Mangelhafte Anschlüsse an den Nahverkehrsknoten Don Bosco, nicht nachvollziehbare bauliche Gestaltung und Radverkehrsführung westlich der Unterführung Friedhofgasse, ein modernen Anforderungen sicher nicht gerecht werdender Geh-/Radweg in der Eggenberger Allee. In Don Bosco wird es Nachjustierungen geben (warum nicht gleich, schließlich wusste man ja, dass der Bahnhof Anfang September eröffnet wird..., Anm.), in der Friedhofgasse räumte Rüsch ein, dass vielleicht wirklich ein Radfahrstreifen gegen die Einbahn (statt der Geh-/Radwegführung) besser wäre. Insgesamt herrschte im Radforum aber eher Achselzucken. Vom Kuratorium für Verkehrssicherheit kam - als einziger Beitrag - zur Friedhofgasse die Anmerkung, dass die Radfahrerüberfahrt vom Geh-/Radweg zur Unterführung Richtung Zentrum nicht vergessen, sondern bewusst weggelassen worden sei: Radfahrer müssten halt über die - kaum frequentierte Einbahn aus Richtung Südbahnstraße - schieben. Wie man generell dafür eintrete, RadfahrerInnen bei rechtwinkligen Querungen aus Sicherheitsgrünen keinen Vorrang mittels Überfahrten mehr einzuräumenl. Davon betroffen könnten auch die beiden Querungen nördlich der GKB-Unterführung (Köflachergasse) sein, wo nun Revisionen zum Nachteile der RadlerInnen drohen. Dieser seltsame Sicherheitsphilosophie, die sich auf die Seite potenzieller Täter stellt (weil sich die Stärkeren nicht an eine Vorschrift halten, ändern man sie zum Nachteil der Ungeschützen, Anm.), ist nicht neu und hatte in den vergangenen Jahren schon Änderung des Vorrangs bei den Kreuzungen Parkstraße - Jahngasse und Körösistraße (GAK-Platz) in Nachrang für die RadlerInnen zur Folge. |
Im Fall des EU-geförderten und dennoch schlecht gelungenen Geh-Radwegs Eggenberger Allee vertrat Rüsch - im Gegensatz zur ARGUS - die Meinung, dass diese bauliche Lösung besser sei als keine: Weil es für die RadlerInnen durch die Kaphaltestellen auf der Fahrbahn zu gefährlich geworden sei (Radler müssen zwischen die Gleise wechseln), müsse man sie eben auf einen Geh- Radweg verfrachten, lautete sinngemäß die Argumentation. Dazu Radverkehrsbeauftragter Helmut Spinka: "Wir mussten uns nach der Decke strecken. Vielfach lag das Problem bei nicht kooperativen Besitzern, die keinen Grund abtreten wollten. Aber immerhin können wir jetzt - mit Fertigstellung der Merhzweckstreifen in der Janzgasse - eine durchgängige Radverbindung vom Zentrum bis zum Bad Eggenberg anbieten." Der ARGUS-Konter: Zweimaliger Straßenseitenwechsel zwischen Hauptbahnhof und Janzgasse/ Schloss Eggenberg, sich laufend ändernde Breiten, abschnittweise dichter Fußgängerverkehr, zahlreiche Zu- und Abfahrten und wechselnder Vorrang gegenüber Nebenstraßen führen dazu, dass diese im Zweirichtungsverkehr geführte Radverkehrsanlage keinesfalls die Mindeststandards erfüllt. Vor allem im Hinblick auf die Radwegebenützungspflicht wäre daher aus Sicht von ARGUS keine bauliche Lösung die bessere und billigere Variante gewesen. Im Fall Eggenberger Allee werden zwei Problembereiche eklatant sichtbar: Zum einen der Interessenskonflikt mit dem ÖV - in Bezug auf die für die Fahrgäste komfortablen Kaphaltestellen sprach der Leiter der Stadtplaung, Martin Kroißenbrunner, von einer "natürlichen Gegnerschaft" (was bis zu einem gewissen Grad stimmen mag, nur hat man sich um Alternativen nicht wirklich bemüht, Anm.) , zum anderen wird der Grazer Weg der Geh-/Radweglösungen um jeden Preis fortgeschrieben und zur negativen Perfektion gebracht. Alte Bilder, wo es den Straßenplanern bei der Errichtung von Radverkehrsanlagen in erster Linie darum ging, die Fahrbahn Radler-frei zu machen, tauchen wieder auf - nun halt unter dem Prätext der "freien Fahrt" für die Tram. Das Surreale dabei: Mit dieser und weiteren "Substandard"-Lösungen (gerade in Bau: Reininghausstraße, stadteinwärts ebenfalls zwei Querungen nötig, weil ein Radfahrstreifen abgelehnt wurde) kann sich die Stadt die Ausweitung des Radverkehrsnetzes um so und so viele Kilometer an die Brust heften, ohne dass es in der Verkehrsrealität für die RadlerInnen einen Komfort- oder Sicherheitsgewinn gibt. Und im Fall eines Unfalles ist es aus Sicht der Behörde und Sicherheitsapostel offenbar allemal besser, die Schuld dem Radler zuzuschieben, der den nicht zumutbaren GRW nicht benutzt, bei dessen Einmündung in die Fahrbahn den Vorrang missachtet oder einen hakenschlagenden Fußgänger angefahren hat. Eine in der Emotion vielleicht etwas überspitzte Sichtweise. Sicher ist aber, dass dem Bekenntis aller relevanten Parteien zur Förderung des Radverkehrs und dem Credo, "Graz muss wieder Österreichs Radlerstadt Nr. 1 werden" wenig Taten gefolgt sind und weiter zu folgen scheinen, schon gar nicht solche, die gewissen Mut erfordern würden. |
Radstation am Bahnhof, Keplerbrückenunterführung, Südbahn-Begleitroute, einige, meist als problematische Geh-/Radwege ausgeführte Teilstücke von Radverkehrsanlagen. Mehr ist auf der Haben-Seite der Grazer Radverkehrsinfrastruktur in der zu Ende gehenden Gemeinderatsperiode nicht zu verbuchen. Etliche Maßnahmen - beispielsweise die roten Sicherheitsmarkierungen oder auch Baumaßnahmen - wurden überhaupt erst dadurch möglich, dass das Land finanziell eingesprungen ist. Aber auch im Umgang mit alltäglichen Kleinigkeiten konnte man nicht den Eindruck gewinnen, dass Radverkehr ein integrierter Bestandteil des Verkehrswesens ist und bei Planung, behördlicher Verordnung oder Baustellenmanagement (!) automatisch mitgedacht wird.
Ben Hemmens forderte daher in einem Pressegespräch am 25.10. von jenen politischen Kräften, die sich am 20.1.2008 für Gemeinderat und Stadtregierung bewerben, ein Bekenntnis zu einem Infrastruktur-Investitionsprogramm, Qualitätssicherung bei Radverkehrsanlagen, mehr Engagement bei der Weiterentwicklung von Standards und Vorschriften, bewusstseinsbildenden Maßnahmen und einer ausreichenden Dotierung für die Wartung. Hemmens: "Wir fordern von der nächsten Grazer Stadtregierung ein zusammenhängendes und verhältnismäßig finanziertes Programm zur Förderung des Radverkehrs anstatt der fragmentarischen, maximal halbherzigen Arbeitsweise der letzten Jahre." Podiumsdiskussion "Grazer Radverkehrspolitik- auf dem Weg zur Nr. 1?" mit Stadtrat Gerhard Rüsch und VertreterInnen der Gemeinderatsfraktionen am 8. Jänner 2008. |










