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Veloziped, Puch und der "Radl-Opa"
"Salzburger Nachrichten" vom 11.07.2005, Seite 5

"Frisch, radln, steirisch": kulturgeschichtlicher Blick auf die Fahrradgeschichte in der grünen Mark

Er hat acht Weltrekorde aufgestellt, die Strecke Paris-Wien-Graz in 136 Stunden bewältigt und war dem Tabakkonsum nicht abgeneigt: der in Ungarn geborene, später nach Graz übersiedelte Franz Gerger (1867-1938), einer der besten Dauer-Radfahrer seiner Zeit.

Im eben erschienenen Buch "Frisch, radln, steirisch" (Steirische Verlagsgesellschaft) des Grazer Volkskundlers und Journalisten Wolfgang Wehap ist diesem legendären "Racer" ein Kapitel gewidmet. Der Titel der Publikation mag holprig sein, die 251 Seiten starke "Zeitreise durch die regionale Kulturgeschichte des Radfahrens" ist eine informative Übersicht von den Vorläufern des ältesten Individualverkehrsmittels (Erzherzog Johann und seine kunstvoll gestaltete Draisine) bis zu Phänomenen der Gegenwart, etwa dem steirischen Extremsportler Wolfgang Fasching.

Sportlich mit Zylinder und Anzug: stolz posiert der junge Mann im Jahr 1870 auf seinem Veloziped. Andere Foto-Dokumente zeigen Menschen auf Hochrädern. 1885 ließ sich der Rad- und Skipionier Max Kleinoscheg mit seiner Schwester auf dem Sociable, einem Tricycle für zwei nebeneinander sitzende Personen, ablichten. Zwei Jahre zuvor war in Graz der erste Damen-Bicycle-Club in Kontinentaleuropa gegründet worden. "Ein Beitrag der Radbewegung zur Emanzipation", sagt Wehap. Breiten Raum nimmt die einst blühende Fahrradindustrie ein, die Fabriken Albl, Puch, Franz sowie Cless & Plessnig brachten Graz um 1890 an die weltweit fünfte Stelle in der Fahrradproduktion. In der Zwischenkriegszeit entstanden die "Montana Fahrradwerke" und die "Steirischen Fahrradwerke Junior".

Von den Arbeiter-Radfahrern, dieser "Kavallerie des Proletariats" zu den verkehrspolitischen Innovationen: 1980 pinselten Aktivisten einen ersten Radweg in der Grazer Wilhelm-Fischer-Allee, VP-Stadtrat Erich Edegger forcierte gegen viele Widerstände die "Fortbewegung durch Muskelkraft". Erinnert wird auch an den Grazer "Radl-Opa" Franz Wagner, der sein Rad mit Wimpeln, Windrädern und Hupen geschmückt hatte.
m.b.