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Fahrradmitnahme in S-Bahn - Anreize fehlen

Neben Bike & Rail gehört die Fahrradmitnahme zum Öko-Verkehrsmittel- mix für Pendler. Die S-Bahn, die ab 9. Dezember eine wesentliche Verdichtung nahezu aller Schienenverbindungen von und nach Graz bringt, sollte diese Kombination berücksichtigen. Tut sie auch, aber nur eingeschränkt und vor allem mit zu wenig attraktiven Tarifangeboten.    


Talent
Talent
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Desiro
Desiro
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Talent und Desiro
Die Triebwagenzüge "Desiro" und "Talent", die von der ÖBB im Regionalverkehr schon länger eingesetzt werden und nun auch auf Strecken der Landesbahn fahren werden, haben zwar Platz für Fahrräder, allerdings nur eingeschränkt für offiziell sechs Stück (Multifunktionsabteil, keine Aufhängevorrichtungen), also bedeutend weniger als die älteren City Shuttle-Regionalzüge. In den Zügen der GKB war in punkto Radunterbringung immer schon Improvisationstalent gefragt.

Zumal man bei den Neuanschaffungen ebenfalls an besagte Triebwagenzug-Modelle denkt, könnte es - so die Fahrradmitnahme auch im Berufspendlerverkehr angenommen wird - zu Kapazitätsproblemen kommen.

Bei den Haltestellen bzw. Bahnhöfen gibt es speziell für den S-Bahn-Betrieb nur punktuelle Änderungen. Der erste echte S-Bahn-Bahnhof ist ja Graz-Don Bosco, der sich nicht gerade durch Radfreundlichkeit auszeichnet: Die Radweganbindungen sind noch immer fragmentarisch, eine mögliche Zufahrt und Abstellanlage im Süden auf Bahnsteigniveau wurde nicht realisiert, sodass die Bahnsteige von der Unterführung Kärnterstraße aus nur über Stiegen bzw. einen Lift erreicht werden können.

Alternative zu Bike&Ride
Klar profitieren vom verbesserten Takt, der in Spitzenzeiten 15 Minuten erreicht, auch kombinierende RadlerInnen: Pendlen sie aus dem Umland nach Graz, haben sie nun ein besseres Angebot, mit dem Fahrrad bis zur Haltestelle zu fahren, dort ihr Gefährt - hoffentlich überdacht und möglichst diebstahlsicher - zu parken, und auf die Schiene umzusteigen. In Graz hat man dann die Alternative Zweitrad oder städtischer ÖV für die Weiterfahrt zum Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Ähnliches ergibt sich auch für AuspendlerInnen. 

Doch es gibt immer wieder Fälle, wo die Fahrradmitnahme im Zug auch abseits der Freizeitnutzung von Vorteil ist. Etwa auf einer - nicht täglichen - Dienstfahrt in die Region oder umgekehrt, wenn man in Graz mehrere Wege zu erledigen hat und flexibel sein will. Oder als Option für jene, denen ihr Fahrrad zu lieb und teuer ist für lange Abstellzeiten an Haltestellen und Bahnhöfen oder die weitere Wege sowohl zum als auch vom Zug haben und sich nicht zwei Fahrräder leisten wollen. 

Tarife nicht pendlerfreundlich
Die Tarife für die Fahrradmitnahme fallen je nach Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (genauer: nach dem Streckenbetreiber) unterschiedlich aus, die GKB ist mit ihrem kostenlosen Angebot die löbliche Ausnahme.

Grundsätzlich verlangen die ÖBB in Regionalzügen € 2,90 für die Tageskarte (Wochenkarte € 7,50, Monatskarte € 22,50), ein Tarif der sich am Freizeitverkehr orientiert und regelmäßigen NutzerInnen auf kürzeren Strecken nicht entgegenkommt. Die StLB hat für Weiz - Gleisdorf, Peggau - Übelbach und Feldbach - Bad Gleichenberg eine Tageskarte um € 0,80, Unzmarkt-Tamsweg ist für Erwachsene ohne Vorteilscard mit € 2,90 teurer, aber wahrscheinlich für regelmäßige Fahrradmitnahme weniger nachgefragt.

Dabei kommt bei den durch die StLB nun durchgängig bedienten Verbindungen Weiz - Gleisdorf - Graz und Übelbach - Peggau - Graz eine Addition von Tarifen dazu: Die StLB-Tickets gelten nur für die Strecken Weiz - Gleisdorf bzw. Übelbach - Peggau, für den Rest der Strecke müsste man jeweils ein ÖBB-Tagesticket lösen.

Zweitrad kommt billiger
Bleiben wir beim Beispiel Übelbach - Graz: 3 Zonen im Verbundtarif, die ÖV-Monatskarte kostet  € 58,30. Nimmt man das Rad mit, fallen zusätzlich der StLB-Tarif (20 Arbeitstage á € 0,80 ergibt € 16,00) und der ÖBB-Tarif (€ 22,50) an, d.h. es ergeben sich Kosten von € 38,50 für das Fahrrad. Das ist ziemlich teuer - immerhin sind für die Fahrradmitnahme 66 Prozent der ÖV-Monatskarte zu berappen. Da kommt man mit einem zweiten Fahrrad am Grazer Hauptbahnhof billiger, das sich mit einem errechneten durchschnittlichen Kostenaufwand von rund € 15,00 (inkl. Radstationnutzung) zu Buche schlägt.

Hier fehlt eindeutig ein eigener Verbundtarif für die Fahrradmitnahme, etwa in der Höhe eines 25-prozentigen Aufschlags auf die Zonenkarten. Mit dem Erwerb einer Halbjahres- oder Jahreskarte wäre als überhaupt eine Gratis-Radbeförderung anzuregen, zumindest außerhalb der Frühspitze (z.B. ab 9:00 Uhr). Es ist nicht anzunehmen, dass dann Massen an RadpendlerInnen die S-Bahn stürmen werden, und die möglicherweise erforderliche Subvention hält sich sicher in Grenzen - andererseits wäre aber ein Signal für den "Umweltverbund" und die ernst gemeinte Förderung desselben. 

MANFRED BRANDL