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Tritt für Tritt um die Nordsee
"Kronen Zeitung" vom 07.01.2008, Seite 21

Zehn Länder, 6500 beinhart erarbeitete Rad-Kilometer - ein Steirer-Paar und sein ungewöhnliches Abenteuer.

Die Nordsee. Klingt nach Kälte, Fischern, Heringen. Ein Traumziel für Abenteuer-Reisende? Wohl kaum. Ein normaler Urlaub vielleicht, aber das Pflaster ist dort so teuer, dass man billiger in den Tropen mit der Seele baumeln kann. Der Feldbacher Elektroinstallateur Andreas Hermann und (32) und seine Partnerin Verena Jeitler (26) aus Graz - eine kaufmännische Angestellte - wollen mit einer Vortragsserie, die am 24. Jänner in Feldbach beginnt, das Gegenteil beweisen. Der europäische Norden kann sehr wohl eine Traum-Destination sein. Vor allem dann, wenn man hart dafür arbeitet - sprich in die Pedale tritt. 6500 Kilometer hat das Steirer-Duo in fünf Monaten im Radsattel bewältigt und dabei zehn Länder, die von der scheinbar so unfreundlichen Nordsee umspült werden, hautnah kennen gelernt.

70 Kilo Gepäck mussten dabei auf jedem Radl transportiert werden. "Wir haben davor alle verfügbaren Reisebücher über diese Gegend gelesen und viele Diavorträge von diversen Abenteurern besucht", sagt Verena Jeitler. "Dabei ist der Wunsch immer stärker geworden, einmal selbst etwas Außergewöhnliches erleben zu wollen." Man kam auf das Fahrrad als Transportmittel, "weil es langsames Reisen und intensiveres Kennenlernen von Land und Menschen mit sich bringt." Beide nahmen sich Auszeiten von Job und Freunden und sind im vergangenen Frühjahr im Norden Deutschlands gestartet. Das Nordsee-Abenteuer musste Tritt für Tritt erarbeitet werden. "Die Gegend im Norden Deutschlands und später in Dänemark war zwar flach, aber wir hatten nicht mit den extrem starken Gegenwinden gerechnet", sagt Andreas Hermann. Auch in Schweden und Norwegen wurde das Reisen nicht einfacher. "Die Gegend mit den fantastischen Schären- und Fjordlandschaften war zwar atemberaubend, es hat auch weniger Wind gegeben, dafür immer wieder extreme Steigungen." Per Schiff gings dann ganz hinaus in den Nordatlantik - zu den Färöer-Inseln, die man hierzulande ja hauptsächlich mit der nationalen Fußballschande vom 12. September 1990 (0 : 1 Niederlage) verbindet. Für das radelnde Steirer-Duo wars "eine herrliche Insel mit grünen Berggipfeln und weiten, fast menschenleeren Gegenden". Von dort gings weiter nach Schottland, in die schroffe Einsamkeit der Highlands, wo man das Glück hatte, zu den berühmten Highland-Games zurecht zu kommen, bei denen sich harte Männer, wie einst, in traditionellen Sportarten messen. "Wir haben dort sogar Prinz Charles und seine Camilla ,live erleben können."

Anschließend wurden die 70-Kilo-Radeln durch England, Holland, Belgien und schließlich durch einen Teil Frankreichs bis nach Köln getreten. 6500 Kilometer waren es am Ende - und das Geldbörsel hats auch verkraftet. Die beiden haben vor allem sich selbst bewiesen, dass man für die Erfüllung von exklusiven Fernwehträumen hauptsächlich Entschluss- und Durchhaltekraft, aber nicht unbedingt ein prall gefülltes Bankkonto braucht.

Weitere Infos im Internet: www.radabenteuer.at