| ZYNIKUS
Katholische und evangelische Kirche haben das "Autofasten" propagiert und hoffen, dass viele bis Ostern auf Öffis oder Fahrräder umsteigen bzw. Schusters Rappen aufzäumen.
Ich bin seit Langem erkältungsabgehärteter "Ganzjahresautofaster" und radle bei fast jedem Wetter. Regnet's Schusterbuben, geht's per pedes oder per Bus in die Stadt - nur für Transporte darf das Auto ins Zentrum stauen.
Als Winterradler wird man mitunter bestaunt wie ein Außerirdischer. Wie man bei der Kälte denn radeln könne, fragen Menschen, die Schi fahren, langlaufen oder eislaufen - Sportarten, die man bekanntlich von Mai bis Oktober in kurzer Hose und Leiberl betreibt.
Denen schau ich vom Drahteselsattel aus zu, wie sie entnervt Parkplatzsuchrunden drehen, höre sie fluchen, wenn Blaue-Zonen-Kassiere ihren Scheibenwischern Erlagscheine zustecken.
Auf Reisen ist im Kofferraum oder im Zug meist das Faltrad dabei, um auch in anderen Städten diesen Mobilitätsluxus zu genießen.
Wenn man Fasten als Verzicht auf Luxus versteht, müssten wir Ganzjahresradler jetzt eigentlich "Fahrradfasten" und uns bis Ostern mit dem Auto durch verstopfte Zentren quälen. Nur: Wie büßt man danach seine Umweltsünden ab?
HEINZ GRÖTSCHNIG
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