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Grazer Weltumradler nahmen nach 35.000 km Auszeit

Die Grazer Weltumradler Valeska und Philipp haben einen Gutteil von Australien umrundet. Jetzt gibt es eine Pause, die sie für zwei Monate an ein anderes Ende der Welt, nach Spitzbergern und Grönland führt, wo sie als Guides jobben. Im Dezember soll die Australien-Runde finalisiert und nach Asien übergesetzt werden.


Autobahn bei Melbourne
Autobahn bei Melbourne
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Valeska und Philipp erleben in Australien nicht nur die beeindruckende Landschaft, extremes Klima und gastfreundliche Menschen, sie erfahren auch ein Stück von der hier anscheinend wenig ausgeprägten Radverkehrskultur: 

Radwege und -streifen sind in Australien so gut wie nicht existent. Die meiste Zeit ist ohnehin kein Verkehr. Doch wenn die Straßen voller sind, gilt für viele Autofahrer das ungeschriebene Gesetz des Stärkeren, und sie tendieren dazu, uns sehr knapp zu überholen. Was uns im Gegenzug dazu bewegt, auf unserm Recht zu beharren, dass uns die halbe linke Spur gehört - was den Verkehr blockiert, da jeder, der uns überholen will, eine freie rechte Spur braucht, um ausscheren zu koennen. Wie auch immer, es gibt Wunder, und plötzlich gibt es einen Radweg - meist entlang von Stränden und manchmal sogar in Städten. Eine perfekte kleine Straße für Radler, nur die Auf- und Abfahrten, wenn man Straßen zu queren hat, sind nur im Schleichgang zu bewältigen, da sie viel zu steil sind oder überhaupt ueber eine Gehsteigkante führen - und natürlich haben auch alle Autos im Querverkehr Vorrang. Kein einziger Radweg ist ausgeschildert, deshalb müssen wir ständig Leute fragen. Der Weg teilt sich in drei verschiedene Richtungen ohne irgendeine Beschilderung. Und natürlich ist jetzt wieder niemand hier, den man fragen könnte. Es ist zum aus der Haut fahren! 

Die Radwege (wenn man es schafft, sie nicht zu verlieren) "enden" oder "verlaufen sich" letztendlich normalerweise irgendwo in dichtem Verkehr, und wir finden uns in Gegenden, in die wir nie wollten, wieder oder haben durch die Zick-Zack-Irrfahrt komplett die Orientierung verloren. Die einzigen Strassen auf denen "Radwege" funktionieren, sind Autobahnen. Auf denen ist es (komisch aber wahr) erlaubt zu radeln. Auf allen Autobahnen der Welt gibt es Pannenstreifen. Hier sind sie als Radwege ausgeschildert und haben sogar aufgemalte Fahrräder am Asphalt. Perfekt! Und man kann sich auch nicht verfahren, denn die Richtung ist wirklich eindeutig :-) Aber dann hört die Autobahn auf und die Straße ist wieder schmal - natürlich gibt es jetzt auch keinen Pannen... äh... Radstreifen mehr - meistens nicht einmal eine ausreichend breite Schulter auf der man fahren könnte. Uns ist klar, warum hier niemand Fahrrad faehrt - nicht einmal um die Universitäten oder in den Innenstädten.



Lager im australischen Busch
Lager im australischen Busch
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Weit und breit keine Kurve...
Weit und breit keine Kurve...
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Netze schützen vor "Sticky Flies"
Netze schützen vor "Sticky Flies"
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Perth - Melbourne
Aktueller Kilometerstand laut "Logbuch der Enterprise": 26.700 km, 3600 in Australien. Hier der Bericht, den Philipp am 7. März geliefert hat:

Durch den Nullarbor (eigentlich die gesamte Strecke von Perth bis Adelaide) nur Gegenwind. Sehr stark - ist fast zum verrückt werden. Im Nullarbor (wie der lat. Name schon sagt, die Gegend ohne Bäume, Anm.) teilweise bis über 200 km von einem Roadhouse zum naechsten (Trinkwasser!).

Wegen des Gegenwindes fahren wir t.w. in der Nacht (starten im Dunkeln und fahren die ersten Stunden mit Stirnlampe), denn da ist der wind schwächer oder hört ganz auf. Unter Tag bis zu ueber 50 Grad!

Die letzten paar hundert km = trockenes Farmland. Jeden Tag wolkenlos, kein Regen. Fahren jetzt weiter nach Melbourne, Sydney, Ostküste...

Wir treten morgen wieder kräftig in die Pedale. es ist wirklich ungemütlich heiß - aber im Süden wird es jetzt hoffentlich bald besser...

Weiter geht es nach Melbourne, wobei die "Sticky Flys", klebrige Fliegen, die sich in alle möglichen Körperöffnungen verkriechen, zum lästigen Problem werden. Großartige Landschaften und liebe Freunde, die die beiden zum Teil schon früher auf ihrer Reise getroffen haben entschädigen aber für vieles.  Zu Ostern und nach gut zwei Monaten sind am fünften Kontinent 4.791 km abgespult und insgesamt 27.878 km zurückgelegt.


Valeska
Valeska
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Valeska und Philipp
Valeska und Philipp
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Bisher zurückgelegte Strecke
Bisher zurückgelegte Strecke
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Tiefpunkte und Highlights
In Sydney erzwingt Regenwetter eine längere Pause. Weiter nach Queensland: "Das Verhalten der Auto- und Lkw-Fahrer in den dicht besiedelten Gebieten Queenslands Radfahrern gegenüber ist eine Katastrophe. Wir werden absichtlich geschnitten, `übersehen´, es wird uns aus den Autos Unverständliches zugeschrien und knapp auf den Zentimeter überholt. Das gab es bisher in dieser Intensität noch nirgends auf der Welt. Auch auf politischer Ebene sind wir Radler nicht akzeptiert, sondern werden als Hindernis im Verkehr bezeichnet. Kein Wunder, dass wir so gut wie nie Radfahrer sehen."

Oft übernachten die beiden im Zelt, nicht selten nutzen sie über Internet vermittelte Privatquartiere: "So haben wir in allen Ländern, die wir durchfahren, Einblick in die Lebenswelt und Wohnkultur erhalten". Weiter geht es Richtung Northern Territory, wo sie am 19.06. in Katherine ankommen. Die nächste Etappe, die Valeska und Philipp in die Kimberleys im Nordwesten über die  "Gibb River Road" führt, wird zum echten Highlight in Australien.

"Mit allen Abstechern sind wir 800 Kilometer Schotter gefahren und haben etliche Kilo Staub geschluckt. Für die Australier ist die Straße `das letzte grosse Abenteuer´. Es gibt nur eine Tankstelle im der Mitte und insgesamt nur 2 Roadhäuser am Weg. Die Straße ist sandig, steinig und hat viel Wellblech, ging aber besser zu fahren als wir es erwartet hatten. Die Landschaft ist generell trocken, aber unzählige Flüsse führen Wasser (das muss man dann wenigstens nicht mitnehmen). Wir sind täglich geschwommen und hatten die herrlichsten Zeltplätze im Sand oder auf abgeschliffenen Steinen an den Flussufern. Teilweise gibt es Krokodile in den Flüssen, was v.a. beim Furten (es gibt keine Brücken) spannend ist. Etliche Schluchten liegen am Weg, in denen wir wandern und zu den Wasser-Pools hinabsteigen und flussabwärts schwimmen. Die `Gibb´ geht von kununurra nach derby. Jetzt sind wir in Broome. Täglich blauer Himmel, Temperaturen um die 30 grad, nachts aber recht kalt."
Kilometerstand 18.07.: 35.758 (davon 12.671 in Australien, 2.715 auf Piste)



Pläne mit und ohne Fahrrad
Auf dem Weg nach Spitzbergen, wo sie wie auch in Grönland für zwei Monate als Guides jobben, haben die beiden Ende Juli in Graz Station gemacht. "Ja sicher, es ist ein harter Schnitt, aber sobald wir zurück sind, sind wir gleich wieder drinnen, als ob wir nie weg gewesen wären", meint Philipp. Am Schluss ihrer Afrika-Etappe hatten die beiden im Vorjahr eine ähnliche Unterbrechung eingebaut - um zu jobben, aber auch um zu heiraten.

Die Pläne für die weitere Tour sind inzwischen leicht modifiziert worden: Neuseeland lässt man aus, dafür will man Asien in einem Stück mit Start in Singapur machen. Die Amerika-Durchquerung wurde nach hinten gereiht: "Wir haben erfahren, dass es fast immer Nordwind gibt, was eine Fahrt von Süden nach Norden nicht wirklich sinnvoll erscheinen lässt".

(ARGUS)