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Aktion scharf im Park: 26 Radfahrer erwischt
"Kleine Zeitung" vom 06.05.2008 Seiten 24, 25

Stadtpark: Nachdem sich die Beschwerden von Spaziergängern häuften, rückte die Ordnungswache aus - und wurde einen ganzen Stoß Strafmandate los. Nun ringt die Politik um eine Lösung.

Der Ort: Grazer Stadtpark. Die Zeit: 13.30 Uhr. Der Tag: Montag, 5. Mai. Das Szenario: Sandra Wehowar tritt kräftig in die Pedale und radelt so mir, nichts dir nichts zwischen Bäumen und Sitzbänken durch - mitten im Park. Dass sie ein bevorstehender Termin die Abkürzung nehmen lässt, gibt sie offen zu. Dass dies eigentlich verboten ist, auch.

"Aber bitte schön, wem tue ich etwas?! Ich rase ja nicht die Sporgasse hinunter, sondern fahre im Schritttempo durch den Stadtpark. Mit einem ordentlichen Maß an Rücksicht sollte das doch kein Problem sein." Eine Einstellung, die Wehowar wohl mit vielen teilt: Denn an diesem Montagnachmittag legt sich die Kleine Zeitung im Stadtpark auf die Lauer - und zählt binnen kürzester Zeit 15 Pedalritter, die das gültige Fahrverbot kurzerhand ausbremsen.

Ein Umstand, der in den letzten Wochen für zahlreiche Beschwerden sorgte - und die Ordnungswache auf den Plan rief: "Wir haben ja lange Zeit mit Ermahnungen gearbeitet und werden das auch in Zukunft wieder tun", betont Andreas Köhler, der Leiter des städtischen "Spezialtrupps". "Aber aufgrund der Fülle an Beschwerden haben wir vor einer Woche im Stadtpark einmal eine kleine Aktion scharf durchgeführt."

Der Tag: Montag, 28. April. Die Zeit: 12 bis 14.30 Uhr. Das Szenario: Vier Beamte der Ordnungswache halten insgesamt 26 Radfahrer an - und geben ihnen ein Organstrafmandat zu je 30 Euro als Souvenir mit auf die Reise. "Ein Teil hat gleich bar bezahlt, die anderen können das Ganze dann ja mit dem Erlagschein einzahlen", so Köhler. Einige der ertappten Pedalritter haben sich gleich am nächsten Tag wieder gemeldet - und sowohl bei der Ordnungswache selbst sowie im Büro Verkehrsstadträtin Lisa Rücker (Grüne) ihrem Ärger Luft gemacht. Zumindest bei Letzterer sind sie dabei offene Türen eingefahren.

"Die Aktion scharf im Stadtpark halten wir für völlig überzogen", schüttelt Vizebürgermeisterin Rücker den Kopf. Radweg durch Stadtpark Gegenüber der Kleinen Zeitung kündigte sie ja bereits an, die bei Pedalrittern schon jetzt beliebte Verbindung zwischen der Zinzendorfgasse und dem Cafe Promenade offiziell als Radweg freigeben zu wollen. "Das soll noch vor dem Sommer realisiert werden. Wir prüfen gerade die rechtlichen Möglichkeiten, denn wir beabsichtigen die Öffnung als eine Art Fußgängerzone, bei der ganz klar die Spaziergänger Vorrang bei der Nutzung des Weges haben und die Radler nur sehr defensiv im Schritttempo fahren dürfen."

Als Beifahrer weiß sie dabei VP-Bürgermeister Siegfried Nagl an ihrer Seite. "Ja, das ist mit uns so abgesprochen", heißt es im Büro Nagl. Der Stadtpark müsse zwar generell auch weiterhin "das beliebte Erholungsgebiet bleiben" und "beruhigte Zonen" aufweisen. Doch bei entsprechenden Vorschlägen könne man sich die Öffnung des Parks "für Radfahrer im Schritttempo" vorstellen, betont man und spricht sogar von "Achsen": Demnach würde sich auch eine Radverbindung in Richtung Wormgasse/Geidorfplatz "anbieten".

ZITAT: "Wir prüfen gerade die rechtlichen Möglichkeiten, denn wir beabsichtigen die Öffnung in Form einer Fußgängerzone." Lisa Rücker über den "Radweg" Zinzendorfgasse - Promenade

MICHAEL SARIA  

IHRE MEINUNG

Sollen Radler im Park Gas geben?

Astrid Kaufmann (22): Zumindest ein Radweg quer durch den Stadtpark wäre schon toll. Und für mich persönlich ganz praktisch, denn ehrlich gesagt fahr' ich ständig mit dem Rad zur Uni, auch durch den Park. Bei einer ordentlichen Markierung sollte das auch mit den Fußgängern funktionieren.
Wolfgang Zichner (22): Ja, bei einer sauberen Lösung mit Hilfe von Markierungen bin ich für einen Radweg durch den Stadtpark. Warum auch nicht?! In anderen Fußgängerzonen funktioniert so ein Miteinander ja auch bestens. Von daher halte ich das Anhalten und Abstrafen von Radfahrern für unangebracht.
Sepp Suppan (60): Also grundsätzlich sollte der Stadtpark schon den Spaziergängern vorbehalten bleiben. Ich könnte aber damit leben, sollte man nun einen Radweg machen und gut abtrennen. Und nur Fahrten im Schritttempo erlauben, denn die Radfahrer kommen einem ja eh schon überall entgegen.
UMFRAGE: MICHAEL SARIA

KOMMENTAR

Bei aller Liebe 

Ja, sicher ist es klass. Keine Frage. Klimamäßig, stautechnisch, gesundheitsbezogen und überhaupt! Kein Wunder also, dass das Radfahren auch vom neuen grün-schwarzen Tandem in dieser Stadt gefördert wird und Radler in Kürze sogar durch den Stadtpark gelotst werden.

Klar ist aber auch, dass so etwas nur mit Rücksicht im Gepäcksträger funktionieren kann. Denn in Graz lassen einige Pedalritter die Zügel ohnehin ordentlich schleifen und ihren Drahteseln stets freien (Aus-)Lauf - Gehsteig hin oder her. Abends vorzugsweise auch noch ohne Licht, damit's für Fußgänger und Autofahrer richtig lustig wird.

Das Ansinnen, im Stadtpark den Weg für Radfahrer frei zu machen, sollte daher nicht als Freibrief zum Gasgeben verstanden werden. So klass finden wir Radler dann auch wieder nicht, bei aller Liebe.

Sie erreichen den Autor unter michael.saria@kleinezeitung.at