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Rad geklaut und keiner schaut
"derGrazer" vom 18.05.2008, Seite 8

SATTELFEST. Täglich werden in Graz zehn Räder geklaut. Die Diebe - oft Profis - haben leichtes Spiel, wie ein Test bewies.

      Ein Mann, der ein abgesperrtes Fahrrad samt großem Schloss und Kette mitten durch die City schiebt und zwischendurch auf seinen Schultern trägt? Ein Test des "Grazers" bewies: Viele Passanten schöpften zwar offensichtlich Verdacht, es könne sich um einen Diebstahl handeln, und blickten - teils verwundert, teils misstrauisch - nach, aber kein Einziger hielt den vermeintlichen Dieb auf, stellte ihn zur Rede oder rief die Polizei. Auch nicht zwei Security-Männer, die sich nach kurzer Irritation intensiv dem Kontrollieren von Parkscheinen widmeten. Lediglich ein junger Mann fragte eher scherzhaft, wem das Rad wohl gehöre, ging aber, ohne eine Antwort abzuwarten, weiter. Fazit: Das auffällige Gespann blieb eine ganze Stunde lang unbehelligt.

   Kein Wunder also, dass Graz nicht nur Hochburg der Pedalritter, sondern auch der Fahrraddiebe ist. Exakt 1583 Drahtesel-Diebstähle wurden der Polizei der Murmetropole im Vorjahr gemeldet (nur in Wien gab's mehr), Schätzungen des Verkehrsclubs Österreich zufolge verzichten gut noch einmal so viele Opfer auf eine Anzeige. Denn sie wissen: Die Chancen, die Übeltäter zu fassen, sind gering. Nur jedes 24. als gestohlen registrierte Rad kann laut Statistik seinem rechtmäßigen Eigentümer zurückerstattet werden - damit liegt Graz bei der Aufklärungsquote österreichweit im hintersten Feld. "Anzeigen werden zwar aufgenommen, aber aus Personalmangel kaum verfolgt", heißt es seitens der Polizei. Häufigster Tatort: die Bahnhofsgegend.

   Die Kriminalisten wissen auch, dass viele Diebe in Banden zusammenarbeiten. Oft werden die entwendeten Drahtesel in Windeseile in Transporter verladen und nach Osteuropa gebracht, noch ehe die Ermittlungen überhaupt zu laufen beginnen. Im Osten sind die Diebe sicher. Aber auch in Graz haben sie, wie unser Test bewies, wenig zu befürchten.
Michael Loibner