Dass wir mit der Bahn anreisten, war Ehrensache - aber nicht einfach. Der allsommerliche Schienenersatzverkehr im Ennstal zwang uns hin und zurück über Linz, nach Hannover in fast 16 Stunden sind schon am Limit des Vertretbaren. Retour waren wir in Selzthal auf die Gnade des Zugbegleiters angewiesen, weil er nur fünf Räder mitnehmen durfte und wir auch keine Fahrradmitnahme reservieren konnten (eben wegen Schienenersatzverkehrs). Doch zurück zum Start in Hannover: Nach einem ersten zeitigen Buffet im Schweizer Nachtzug hatte uns Erdmuthe zu einem zweiten Frühstück eingeladen, was uns einen guten Start in den ersten Tourentag garantierte. Die restlichen Kilometer nach Hameln an die Weser legten wir im Regionalzug zurück. |
131 km sind es von Hameln flussaufwärts bis zum Weserstein, der am Zusammenfluss von Fulda und Werra steht und von wo an die Weser Kurs durch das flache Norddeutschland in die Nordsee nimmt. Dabei werden drei Bundesländer, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen, berührt. Insgesamt ist der Weserradweg, der mit 150.000 RadtouristInnen jährlich unter den beliebtesten Deutschland rangiert und vor allem von Senioren und Familien bevorzugt wird, 500 km lang. Ob man ihn flussab oder -ab in Angriff nimmt ist wegen des geringen Gefälles ziemlich egal. Wichtiger ist da schon der Wind. Die Beschilderung ist - mit wenigen Ausnahmen - vorbildlich, die Streckenführung fast immer Kfz-los oder zumindest -arm. Es geht flach dahin auf Asphalt und Betonkacheln, Anstiege sind selten und nur wenige Meter lang.Als erste Station verlockt uns die Rattenfängerstadt Hameln mit Fachwerkhäusern und Architektur-Juwelen im Stil der Weser-Renaissance zum Verweilen. Hier lässt man den Rad gerne stehen und bummelt durch die Gässchen.
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Nicht schlecht beraten ist man, wenn man auf Selbstversorgung eingestellt ist: Leider gibt es abschnittsweise kaum Läden auf der Strecke (und abseits kennt man sich nicht aus), Trinkwasserbrunnen haben wir überhaupt keinen gefunden. Über Holzminden und Höxter, vorbei an weidenden Rindern, Schafen und Pferden kommen wir zum säkularisierten Kloster Corvey, wo neben Kirchenkultur im vorgelagerten Cafe auch Süßes und elsässischer Flammkuchen auf die Radelnden wartet. Zur Übernachtung gings vorbei an der Porzellanmanufaktur Fürstenberg (Programm etwas angestaubt und sündteuer) in einer fast echten Bergwertung zum Derentaler Hof. Ein Höhepunkt an dieser Strecke ist zweifellos Bad Karlshafen, ein nettes Nest, das seinen Namen, sein Hafenbecken und seinen Kanal von einem ambitionierten Schifffahrtsprojekt von Landgraf Karl von Hessen-Kassel verdankt. 1699 von nämlichem Karl gegründet, sollte von hier aus ein Kanal in die Residenzstadt Kassel und darüber hinaus gebaut werden, um die die Zölle von Hannoversch Münden zu umgehen. Dass daraus nichts wurde, tut der Faszination des nur teilweise realisierten und bald vergessenen gigantischen Vorhabens keinen Abbruch.
Hier erlebten wir auch ein - für diese an Gaumenfreuden nicht übermäßig verwöhnte Gegend - kulinarisches Highlight: Im Cafe Sieburg (älterer Ortsname) am Hafen gab es den vorzuglichsten |
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"Morgen, M-o-r-g-e-n, Morjen", grüßt man einander am Weserradeweg bis in den späten Nachmittag hinein. Für den kühlen Norden recht herzlich, wenn man an die hierzulande weniger grußfreudige Community denkt. Der Strom der Radtouris tröpfelt - sicher ein Ergebnis von sehr schlechten Prognosen und tatsächlich mäßig attraktiver Wettersituation. Das frühere Benediktinerkloster Bursfelde war im 15. Jahrhundert Zentrum der klösterlichen Reformbewegung wird heute als evangelisches Bildungszentrum genutzt und birgt mittelalterliche Fresken in einer romanischen Basilika.
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Eigentlich wollten wir noch per Rad ein Stück die Fulda hinauf nach Göttingen, aber weil uns in der Früh Regen empfing, nahmen wir die (hier privat betriebene) Bahn. Was das Radlerherz gleich am Bahnhof höher schlagen lässt: Das Fahrrad-Parkhaus mit angeschlossenen Fahrradläden, die alle Stückeln bis zur Fahrrad-Waschanlage spielen. Trotzdem stehen auch am Vorplatz Tausende Drahtesel. Wie in einer Uni-Stadt üblich, passt hier auch die (süße) Kulinarik, soweit wir das beurteilen konnten. Nach Hannover hinein sind wir dann doch ein Stück die Leine entlang geradelt, durch die Felder hinein in die Teich- und Seenlandschaft, die der Großstadt ein grünes Weichbild verschafft. Das weiterhin wechselhafte Wetter sorgte für Stopp-and-Go-Betrieb: Kaum setzte ein Schauer ein und man hatte das Regengewand angezogen, war es auch schon wieder vorbei und herausblitzende Sonne trieb uns den Schweiß aus den Poren.
Hannover hat nur noch kärgliche Altstadtreste, beeindruckend sind die - im Zweiten Weltkrieg ebenfalls schwer zerstörte - Marktkirche und ihr Altarbild. Mit 190 km am Tacho, die wir an drei Tagen gemütlich absolviert hatten und wesentlich mehr Bahnkilometern hinter und noch vor uns verabschiedeten wir uns mit einem "Danke" und "Allfrei" von Erdmuthe. WW |






















