Grazer Radfahrer Club
 
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Die Draisine des Erzherzogs
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Fahrschule Burg 1818
Fahrschule Burg 1818
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Erzherzog Johann
Erzherzog Johann
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Johanns Draisine ...
Johanns Draisine ...
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 ...besticht durch Eleganz
...besticht durch Eleganz
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Seeschlangen-Kopf
Seeschlangen-Kopf
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Bei der Draisine aus dem Besitz von Erzherzog Johann (1782-1859) handelt es sich um die interssanteste in Österreich erhaltene Laufmaschine, gefertigt um 1820 mit großer Wahrscheinlichkeit von der Wiener Firma Burg. Die Externe Verknüpfung "K.K. Hofackerwerkzeug- und Maschinenfabrik Anton Burg und Sohn" hatte 1818 nach Vorbild des Erfinders Externe Verknüpfung Karl Friedrich (Freiherr) Drais (von Sauerbronn) die Produktion dieser ersten, mit menschlicher Muskelkraft durch das wechselseitige Abstoßen der Beine vom Boden angetriebenen zweirädrigen Fahrzeuge aufgenommen. Drais hat davor schon mehrrädrige selbstfahrende Wagen entwickelt, war dann aber - aus nicht näher bekannten Gründen, wohl aber infolge empirischer Erkenntisse, wie Hans-Erhard Lessing vermutet -, dem Prinzip der reibungsärmeren einspurigen Laufmaschine gefolgt. 

Der Fahrradhistoriker Walter Ulreich, der das Johanns Laufmaschine bezüglich seiner Provenienz aufgrund verschiedener Merkmale eindeutig zugeordnet hat, sieht in ihr "die einzige komplett erhaltene und originale für Erwachsene gebaute Draisine, die von Anton Burg und Sohn bekannt ist". Sie besticht durch sorgfältige Verarbeitung und einen gelb-grün lackierten hölzernen Rahmen, der als Seeschlange ausgeformt ist und der als Frontpartie den Schlangenkopf wie eine "Gallionsfigur" zeigt. Nur die vorderen Spangen (Gabel), die Griffstange sowie die Beschläge (Reifen) der Speichenräder sind aus Eisen, Sattel und Armstütze (Balancierbrett) sind gepolstert und mit Leder überzogen.

Wie auf der Inventarkarte des Museums beschrieben, erfolgte die Anfertigung wahrscheinlich nach Maß, d.h. nach persönliche Angaben des Erzherzogs. Es ist allerdings sehr fraglich, ob der "steirische Prinz" damit jemals in der Steiermark gefahren ist. Gesichert ist hingegen, dass die Draisine durch eine Schenkung des Fürsten Johann von und zu Liechtenstein 1911 in den Besitz des Joanneums gekommen ist. Sie stammt von Schloss Thernberg (NÖ), das 1807 bis 1828 im Besitz des Erzherzogs war. Dass die Laufmaschine dort gefahren wurde, erscheint plausibel, nicht zuletzt deshalb, weil Johann um seine Besitzung herum die Straßen verbessern und mit Pappelalleen ausstatten sowie einen Park in der nahen Hofau anlegen ließ. Ein Umstand, der die Voraussetzungen für die Nutzung eines sonst für Straßen damaligen Standards kaum geeigneten Vehikels schuf.

Ein "Zwilling" des Joanneischen (Burg-)Modells wurde 2001 in Diessen am Ammersee gefunden und befindet sich im Museum Industriekultur in Nürnberg. Lediglich der Schlangenkopf fehlt. 



Sattel, Bauch- und Armstütze
Sattel, Bauch- und Armstütze
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Schlangenschwanz
Schlangenschwanz
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"Zwilling" aus Diessen
"Zwilling" aus Diessen
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Literatur
Laufmaschine, Landesmuseum Joanneum, Kulturhistorische Sammlung, Inventar Nr. 13296
Grete KLINGENSTEIN (Hg.), Erzherzog Johann von Österreich. Landesausstellung 1982, Katalog
Hans-Erhard LESSING, Automobilität. Karl Drais und die unglaublichen Anfänge, Leipzig 2003
Anton SCHLOSSAR, Erzherzog Johann von Österreich und sein Einfluss auf das Culturleben der Steiermark. Originale Briefe 1810 - 1825, Graz 1878, 202
Walter ULREICH, Rad - Gestern, Heute, Morgen. Internationale Fahrradausstellung vom 5. Juni bis 26. September 1994, Schloss Schwarzenau im Waldviertel (Katalog)
- Ders., Zur Geschichte des Laufrades in Österreich, in: Fahrrad = Weg/Zeit, Eine Sonderausstellung des Technischen Museums Wien, 21. März - 30. Juni 1990, Wien 1990

- Ders., Anton Burg und Sohn - die Wiener Manufaktur von Draisinen, unveröff. Manuskript, 1998
Hippolyt de WESEZ, Erste deutsche Vélocipède Broschüre, Einleitung von Hans-Erhard Lessing (Stich Fahrschule Burg), Wien 1869 (Reprint 1995)

WW