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Radtourismus auf steiler Bergfahrt
"Die Presse" vom 01.04.2000, Seite 36

Der Radel-Boom rollt ungebrochen - im Ausland wie im Inland. Für Österreich, das europaweit zu den führenden Radländern gehört, stellt der Sattel-Urlauber ein Milliardengeschäft dar.

Fünf Millionen Österreicher tun's, aber auch Millionen von Deutschen, Niederländern, Schweizern, Italienern - kurz: Die Welt radelt. Und sie scheint's in Österreich besonders gerne zu tun.

"Wir sind in Europa auch die Nummer eins, was Radtouren-Angebote betrifft und der Donauradweg ist der erfolgreichste Radweg Europas", weiß Martin Uitz, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus und Initiator der vor sieben Jahren von Bundesländern und Österreich Werbung gegründeten Werbegemeinschaft "Radtouren in Österreich". Ein gleichnamiger Prospekt (nach dem Katalog für Kinderhotels der am zweithäufigsten gefragte Prospekt der Österreich Werbung) stellt 30 Radtouren sowie -regionen, radfreundliche Städte und Radhotels vor.

"Wir sprechen mit diesem Produkt in erster Linie den Tourenradfahrer an, also jenen Gast, der acht bis zehn Tage echten Radurlaub macht und sich nicht nur zwischendurch aufs Stahlroß setzt", erwähnt Uitz. Der "typische Tourenradfahrer", ist an die 50, von gehobenem Bildungsniveau und Besserverdiener, bevorzugt bessere Hotels und gibt im Urlaub mehr aus als der Durchschnitt der Sommergäste. "Mehr als jeder andere konsumiert er Sehenswürdigkeiten und Gastronomie", weiß Uitz.

Genaue Zahlen, wieviele dieser Tourenradfahrer alljährlich durchs Land der 10.000 Kilometer markierter Radfahrwege treten, existieren nicht, aber eines kann Uitz mit Sicherheit sagen: "Rund ein Drittel der Österreich-Urlauber fallen in das Segment Radfahrer, die Zielgruppe Radfahrer bringt insgesamt ein Milliardengeschäft." Ein gutes Geschäft mit - vor allem ausländischen - Sattelsportlern macht auch Manfred Traunmüller, Geschäftsführer von "Donau-Touristik", Österreichs größtem Radreiseveranstalter, der im Vorjahr 26.315 Kunden - die meisten davon deutscher Provenienz - und damit ein sattes Plus von 32 Prozent gegenüber 1998 verzeichnen konnte. "Radurlaube nehmen immens zu", freut sich Traunmüller.

Dasselbe kann auch Thorsten Haase, Geschäftsführer des deutschen Radreiseveranstalters Rückenwind-Reisen behaupten: "Im Moment haben wir gegenüber dem Vorjahr ein Buchungsplus von 50 Prozent." "Das Geschäft boomt nach wie vor", vermeldet auch Franz Angerer, Geschäftsführer von "Austria Radreisen". Zweistellige Zuwachsraten könne er zwar nicht mehr verzeichnen, aber mit einem Plus von fünf Prozent sei für heuer zu rechnen. Im Vorjahr buchten 9000 Radler bei "Austria Radreisen".

VON CLAUDIA RICHTER