Sie befinden sich:  » Graz Radln  |  » Rad in Alltag und Freizeit  |  » Tourenberichte

In einem durch ans Meer

Schafft ein engagierter Alltags- und Freizeitradler die knapp 450 km von Graz nach Baska (Krk, HR) mit mittelmäßigem Material und ohne Nächtigung? „Ja", bewies (sich) Horst Koschuta.

Die Motivation: 1999 fuhr ich mit einem ähnlich konservativen Rennrad ohne viel Training die Strecke Graz - Rovinj (HR, Istrien). Am ersten Tag 260 km (Graz - Radkersburg - Brezice/ SLO), am zweiten Tag brauchte es bis Mittag, bis sich das Gesäß einigermaßen an den Sattel gewöhnte, ich verzichtete dann auf eine weitere Nächtigung und fuhr die 300 km bis Rovinj durch. Heim ging es mit zweimal rund 200 km auf der eher direkten Route (Postojna, Lubljana) mit Nächtigung in Kamnik. Schon während der Heimfahrt spekulierte ich, ob es nicht möglich sei, weniger Gepäck mitzunehmen, dafür aber die rund 400 km ans Meer ohne Nächtigung durchzufahren. 

Neun Jahre dauerte es, bis fast alle Randbedingungen stimmten bzw. der Wunsch der Realisierung keinen längeren Aufschub dulden wollte (jünger werde ich ja auch nicht mehr): körperliche Vorbereitung, taugliches Fahrrad, Wetter und jemand am Zielort, der mich mit Gepäck (für den Regenerationsaufenthalt) empfängt. Sollte eigentlich meine Frau mit Familie sein, ging sich aber diesen Sommer nicht aus. Zum Glück konnte ich auf Wolfgang (Spediteur Graz -  Stara Baska) und Roland (Stara Baska - Baska - Graz) bauen. Nochmals vielen Dank dafür!

Die Fahrt selbst - insbesondere die vielen Steigungen - war sehr anstrengend und kräftezehrend, hat mich aber nie verzweifeln lassen. Das Schlimmste waren die letzten 250 Hm vor Baska, wo ich im Eifer so ziemlich das Letzte gab und dann bei der Heimfahrt die letzten 20 km vor Graz, als ich schon sehr entkräftet und wenig motiviert war und vor allem ein wundes Hinterteil hatte.

Verspannungen im Schulterbereich bzw. überhaupt mein eher empfindliche Kreuz konnte ich mit Liegen und Strecken bei Pausen gut kontrollieren. Die Hände wollten immer wieder einschlafen; mit Ausschütteln während der Fahrt auch aushaltbar. Manchmal aber Schmerzen in den Handballen durch das lange Aufstützen am Lenker (trotz variierender Griffpositionen).




Vor dem Start
Vor dem Start
Bildvergrößerung

Posing an der Ortstafel
Posing an der Ortstafel
Bildvergrößerung

Im Hafen von Baska
Im Hafen von Baska
Bildvergrößerung

Morgenstimmung auf Krk
Morgenstimmung auf Krk
Bildvergrößerung

Retour in Graz
Retour in Graz
Bildvergrößerung

Abreisegewicht 121 kg

Die Vorbereitung: Seit Jänner 2008 gut 1000 km Radtraining absolviert, wobei in den zwei Monaten vor der Tour etwa 600 km zusammenkamen, meist Strecken von 40 - 70 km, erst gegen Ende der Vorbereitungsphase einmal rund 160 km und zweimal rund 110 km. Übers Jahr verteilt auch ca. achtmal Dauerschwimmen zu je 1,5 - 2 Std. In den Tagen vor der Abfahrt habe ich keine anstrengenden Radtouren mehr gemacht, zwei Wochen auf Süßigkeiten und zu Fettes beim Essen verzichtet. So konnte ich den BMI von knapp 27 (Anfang Juli) auf 26 bringen. Interessanterweise war das Gewicht bei Abfahrt und Rückkunft gleich, reduzierte sich in den beiden folgenden Wochen fast wie von selbst um gut zwei kg. Sechs Wochen (und einige weitere Tagestouren) später ist der BMI immer noch 25,5.

Das Material Fahrrad: Unspektakulärer Stahl-Rennradrahmen mit komfortabel positioniertem Rennlenker und 3x8 STI-Schaltung. Vorne eine alte, billige Trekkingrad-Kurbel (42/34/24), hinten 13/14...23/28 Zähne. Damit kann man gut steil und lange bergauffahren und bei Bedarf auf Dauer bis 40 km/h (mit)treten. Robuste (d.h. auch schwere) 28-622-Trekkingradreifen mit Reflexionsstreifen, auch für Schotterstaßen(-abschnitte) gut geeignet, 2 x Gepäcksträger, 2 x Reflektoren und 2 x Kotflügel (vorne und hinten), billige Klick-Pedale+Schuhe, drei Trinkflaschenhalter, Sattelrohr- und Rahmentascherl, Fahrradcomputer, Klingel, Pumpe. Das wiegt 14 kg (ohne Inhalte). Ein 9 kg-Rennrad-Freund nannte es nach einem vergleichenden Rädertausch sehr treffend „Schlachtschiff“, meins rollt bergab mit meinem 10kg-Vorteil nicht schlechter als (s)ein >2000 €-RR, ist aber wesentlich zäher beim Beschleunigen und am Berg - sowie träger bei Richtungswechsel.
Fährt sich wie ein sehr gutes Trekkingrad.

Das Material Gepäck: Dazu kamen für die Reise noch drei abnehmbare Seitentaschen von Wanderrucksäcken, ein kleiner Wanderrucksack am hinteren Gepäcksträger, zwei Polaris-LED-Lichtsets plus ein Satz Ersatzbatterien, Werkzeug, Nummernschloss, kleine Erste Hilfe-Ausrüstung, zwei 0,75 l-Trinkflaschen, 0,5 l Verdünnungssaft, Jause, Müsliriegel, komplette Reserve-Bekleidungsgarnitur, 1 x atmungsaktive und 1 x billige Regenjacke (eher unnötig), Brille mit transparentem Glas (nie verwendet), Kartenblätter 1:250.000 (aus spiralisiertem Freytag&Berndt-Autoatals entnommen), Sonnencreme, Geld, Notfall-Handy...

Inklusive Fahrer (96 kg) war das Abreisegewicht 121 kg. 

Die Ernährung: In der Vorbereitungszeit recherchierte ich auch dazu ein wenig und kam zu den Ernährungs-Methoden der Extremradsportler. Krankenaufbaunahrung, Gelriegel und ähnliche Spezialnahrung schieden für mich aus, das entspricht nicht meinen (!) Vorstellungen von Sport zur Verbesserung der Gesundheit. Ich beschränkte mich somit auf das Lebensmittelangebot, das man daheim und unterwegs im Supermarkt bzw. Gasthaus bekommt. Die Ausnahme bildete ‚Sangor Sport‘ aus der Apotheke (Brause mit Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffen) wegen des zu erwartenden Verlustes durch dauerndes Schwitzen. Nach zwei weiteren 200+km-Touren (einmal davon ohne Sangor Sport) glaube ich, dass die Regeneration (Spatzen/Muskelkater) damit deutlich schneller erreicht wird (ein Tag statt mehrere Tage!). 

Die mir für unterwegs in der Apotheke ebenfalls empfohlenen Dr. Munzinger Sport-Fruchtschnitten (vulgo Luxusmüsliriegel, je 1,70 €) waren sauteuer und schmeckten grauslich, richtig scharf. Gut getan haben mir ordinäre Spar-Bio-Müsliriegel für zwischendurch. Die Haupternährung waren aber klassische Jausenbrote (beim Kauen unterwegs dann doch etwas "staubig"), Müsli, eine Portion Nudeln mit Fleisch-Sugo vom Vortag, frische Pizza unterwegs, Fruchtjughurt, etwas Obst, 2 x 0,5 l kaltes, sündiges Cola und immer etwas Bio-Holundersaft (bzw. vier Sangor-Beuteln/Tag) im Trinkwasser.

Der Picksaft war zwar nur ein billiger, "schneller" Zucker, bringt aber meiner Meinung nach rasch ordentlich Energie und regt zum braven Trinken an. Wasser alleine ist mir bei großen Touren zu wenig, selbst "guter" Transfair-Bio-Orangensaft hat zu wenig Zucker, mir scheint, je billiger ein Saft, desto besser (mehr Zucker). Die auch in der Apotheke empfohlenen getrockneten Marillen (Aprikosen) und Nüsse vergaß ich leider einzukaufen, getrocknete Ja-Natürlich-Marillen bewährten sich bei einer folgenden Tour nicht - zu wenig süß. In der Nacht hat das süße Zeug (hauptsächlich der Hollunder-Saft) schon ordentlich Zahnbelag aufbauen lassen und ich habe mich nach einer Zahnbürste gesehnt - würde ich das nächste Mal mitnehmen. 

Das Team: Ich wäre gerne (lieber) zu zweit gefahren, es hat sich leider nichts Konkretes ergeben. Das Fahren zu zweit hätte einige wenige, aber gewichtige Vorteile: gemeinsam etwas Erleben gibt wesentlich mehr her - und das auch auf Jahre im Nachhinein (Anekdoten!). Hilfe bei Unfall/Panne, effizientes Windschattenfahren, Motivation unterwegs... Das Alleinefahren hat auch seinen Reiz, besonders beim Fahren auf verlassenen Nebenstraßerln drängt sich ein Vergleich zu einem einsam dahintrottenden grauen Wolf auf, und hat auch was Beschauliches-Meditatives: Es gibt kein Plappern, kein Jammern von mir und/oder vom Partner, für die Navigation ist genau einer verantwortlich und der hat die Konsequenzen auch auszubaden; man hat ausschließlich auf die Bedürfnisse des einen Körpers Rücksicht zu nehmen (das eigene Tempo! Klo-, Essens, Entspannungs-Pausen, Halt für Kleidungswechsel...).   

Ohne Gepäcktransport-Team (Wolfgang, Roland) hätte ich die Tour gar nicht angehen können.

Ein Begleitfahrzeug wäre ökologisch für mich verwerflich, aber auch emotionell könnte ich mir diesen Dienst nicht vorstellen. Hätte zwar den großen Vorteil, kein Gepäck mitschleppen zu müssen, aber ich kann mir nicht vorstellen, bei Durchhängern (und da gibt es einige) noch weiterfahren zu wollen. Allein hat man keine andere Wahl - und das ist gut so!



Die Strecken


Da es mir nicht nur um das Fahren von A nach B ging, suchte ich bei der Planung einen Kompromiss zwischen doch erträglicher Streckenlänge, Höhenmetern (habe ich unterschätzt bzw. mich vorher nie darum gekümmert, ergo keine Erfahrung mit den Angaben) und Verkehrsarmut (Nebenstraßen). Online-Radtourplaner sind heute (für SLO und HR) noch nicht wirklich komfortabel bedienbar, weisen aber oft auch angenäherte Höhenmeterwerte aus.

Hinfahrt Tag1/1        Länge: 437 km; Gesamtanstieg: 4805m:
Graz - Maribor - Celje - Lasko - Save entlang - Ljubljana (Osten) - Skofjica - Rasica - Zlebic - - Bloska Polica - Babno Polje - Crni Lug - Delnice - Passhöhe bei Gornje Jelenje -
- nahe Kraljevica - Baska
 
Heimfahrt Tag1/2         Länge: 219 km; Gesamtanstieg: 3657m:
Baska - nahe Kraljevica - Passhöhe bei Gornje Jelenje - Mrzla Vodica - Crni Lug -
- Babno Polje - Bloska Polica - Nova vas - Kramplje - Knej - Scurki - Ig -
- Ljubljana (Süd-Nord) - Kamnik

Heimfahrt Tag2/2         Länge: 179km; Gesamtanstieg: 3069m:
Kamnik - Crnivec (Pass) - Radmirje - Ljubno ob Savinji - Planina - Smrekovec (Pass) -
- Crna na Koroskem - Dravograd - Radlje ob Dravi - Radlpass - Preding - Graz
 

Graz - Baska - Graz - Schilderung im Detail


Meine Tipps