Echte Murradweg-Fahrer sollten sich nicht entgehen lassen, am Murursprung zu starten. Wir - meine 19-jährige Tochter und ich - nutzen für unsere Anreise die Murtalbahn bis Tamsweg und fahren von dort weiter mit dem Postbus (der zum Glück unsere Räder mitnimmt) bis zum Rotgüldensee. Wer in der Ebene startet, fährt bis zum Talschluss nach Muhr (warum man den Ort mit h schreibt und den Fluss ohne, blieb mir leider verborgen). Die letzten 7 km auf steilen und teilweise schlechten Schotterstraßen vom Parkplatz Rotgüldensee bis zur Sticklerhütte auf 1.750 m Seehöhe kann man schweißtreibend treten oder sich wie wir vom Hüttenwirt abholen lassen. Der Tälerbus, der noch in allen Führern und Prospekten steht, hat seit heuer seinen Dienst eingestellt. Als gebürtiger Obersteirer, der schon längst einmal den Murradweg fahren wollte, kann ich es auch nicht lassen, trotz Nieselregens, quatschigem Steig und Turnschuhen die 1 ¼ Stunden zum Murursprung hinaufzuwandern. Oben auf rund 1.900 m empfängt uns - im Juli (!) leichter Schneefall. Nach einer gemütlichen Hüttennacht starten wir bei nachlassendem Regen mit der Hoffnung, dass sich das Wetter vermutlich bessern würde, sobald wir ein Stück talauswärts kämen. Das erste Stück verläuft auf der hier sehr ruhigen Landstraße. |
Nach einem Abstecher in das schöne St. Michael i. L. und vorbei am Schloss Moosham mit seiner finsteren mittelalterlichen Vergangenheit, sehen wir uns kurz vor Tamsweg die sehenswerte gotische Kirche St. Leonhard mit ihren herrlichen Glasfenstern an. Nach Tamsweg folgt bis Ramingstein ein erst vor wenigen Jahren neu angelegter Radweg direkt an der Mur und entlang der Murtalbahn in einsamer Gegend. Die Burg Finstergrün, ein Zentrum der Evangelischen Jugend Österreichs, lassen wir links liegen und überschreiten bei Predlitz die steirische Landesgrenze. Ab Stadl an der Mur überqueren wir eine Reihe höchst ansprechender Radfahrerbrücken, z. B. in St. Ruprecht, die direkt zum sehenswerten Steirischen Holzmuseum führt. Unser erstes Etappenziel ist Murau (91 km) und ich freue mich schon sehr auf den ersten Schluck Murauer Bier, mein absolutes Lieblingsbier.
Nachdem wir teilweise bei Bekannten übernachteten, waren die einzelnen Etappen ungleich lang. Die nächsten beiden betrugen nur rund 50 km, zuerst bis Judenburg, was sich als glücklicher Zufall herausstellt, da dieser Streckenabschnitt teilweise etwas bergauf und bergab über die Dörfer führt. Außerdem besichtigen wir einen revitalisierten Altarm der Mur (recht anschaulichte Beschilderungen) sowie die Burgruine Frauenstein bei Unzmarkt. Dort befindet sich auch mein Favorit unter den vielen Radlerbrücken über die Mur, nicht wie die meisten übrigen aus Holz sondern aus ästhetischen Metallrohrbögen. |
Die nächste Etappe ist mit gut 100 km bis Graz die längste und gleichzeitig bringt mich der Pannenteufel fast zur Verzweiflung. Ein nicht gefundener Splitter im Mantel ist die Ursache für die ersten drei Patschen, sodass wir erst am späten Abend Graz erreichen. Sehr schön das Teilstück zwischen Mixnitz und dem bezaubernden Markt Frohnleiten, wo der Radweg durch den Auwald führt. Dort muss man sich entscheiden, ob man bis Graz den Radweg entlang der Bundesstraße oder die landschaftlich interessantere aber etwas anstrengendere Landstraßen-Route über die Dörfer auf der rechten Murseite nimmt. Für das Freilichtmuseum Stübing bleibt keine Zeit und auch der abendliche Bummel in der steirischen Landeshauptstadt fällt ziemlich kurz aus. Groß der Schrecken, als mein Rad am nächsten Morgen trotz neuem Mantel und neuem Schlauch abermals ohne Luft dasteht. Heidi Schmitt, steirische ARGUS-Vorsitzende, bei der wir zum sonntäglichen Frühstück verabredet sind, leistet schließlich fachmännische (besser fachfrauische) Erste Hilfe und überklebt das durch den mehrmaligen Schlauchwechsel leicht verrutschte Felgenband, das für die letzten beiden Patschen verantwortlich war, mit einem Textilband. Dann kann uns nach einem mittäglichen Frühstück nichts mehr halten; auf ebenen Wegen radeln wir genussvoll direkt entlang der Mur und später kilometerweit durch Maisfelder die rund 80 km bis Gosdorf am Röcksee, kurz nach Mureck. Dort befindet sich eines von sechs Raddörfln entlang des Murradwegs. In diesem Fall nette kleine Holzhäuschen, bestehend aus einem Raum mit zwei Stockbetten für jeweils vier Personen. Natürlich gibt's auch ein ausgiebiges Frühstück und das alles zu einem günstigen Preis. In der Hauptsaison ist eine Reservierung auf jeden Fall empfehlenswert. Einen Abstecher wert ist ein Besuch der Schiffsmühle kurz vor Mureck und die 2006 um 600.000 Euro errichtete Radfahrerbrücke bei Halbenrain nach Slowenien. Abschluss unserer Tour de Mur in Bad Radkersburg ist nicht die Therme sondern das mit einem Sgraffito verzierte Haus, in dem der junge Johann Puch, der die Puch-Fahrräder später zu d e r österreichischen Radmarke machen sollte, sein Schlosserhandwerk erlernte. Von dort fuhren wir mit den ÖBB wieder retour, angeleitet durch den heuer erstmals von der für den Radverkehr engagierten steirischen Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder herausgegeben Fahrplan „Rad&Bahn in der Steiermark", in dem man die öffentlichen Anfahrtsmöglichkeiten zu allen steirischen Landesradwegen findet. Übrigens: abgesehen von den vielen Sonntagsausflüglern rund um Graz begegneten wir nicht besonders vielen RadfahrerInnen. Man würde dem Murradweg durchaus mehr Besucher wünschen ... Gerhard Prieler Initiative FahrRad/ARGUS OÖ |
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