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"steirischer herbst": Aus Auto wurden Fahrräder

Eine radikale, zum Teil brachial anmutende Form des Recyclings einer Blechkarosse demonstrierte Martin Kaltwasser und Folke Köbberling im Rahmen des "steirischen herbst": Am Andreas-Hofer-Platz wurde ein Pkw fachgerecht tranchiert, um daraus zwei klobige Car-Fahrräder zu bauen.


Mit Flex ans Werk
Mit Flex ans Werk
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Open air-Werkstatt A.-Hofer-Platz
Open air-Werkstatt A.-Hofer-Platz
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Greg in Bau
Greg in Bau
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Mit Flex und - ausgelagert in einer Werkstätte - Schweißgerät gingen Künstlerin und Künstler zu Werke: Aus einem Kleinwagen Peugeot 205 bzw. dessen Teile werden zwei Fahrräder, allein schon wegen der Räder/ Reifen grobschlächtiger Natur und sehr unterschieden von der für gewöhnlich filigranen Mechanik normaler Fahrräder.

Der Tacho des vormaligen Vierradlers wurde in eines der Fahrräder integriert - 200.000 km. "Die Lebensdauer des Autos ist beschränkt, die Idee des Fahrrades ewig", meinte Martin Kaltwasser bei der offiziellen Testfahrt am 26.10. Die Sponsoren Vizebürgermeisterin Lisa Rücker und Acoton-Chef Gerald Gollenz durften sich als erste auf den gewichtigen Trümmern versuchen. "Weiter so", meinte Rücker, der gar nicht genug Autos umgebaut werden können. Immobilien-Tycoon Gollenz hingegen gab zu: "Ich fahre auch Rad, bevorzuge aber starke Autos."

Da konnte ihm vom Künstlerduo Kaltwasser/Köbberling geholfen werden: Der zweite Teil ihres Beitrags, eingentlich der erste, war im Haus der Architektur (HDA) zu sehen: Die Installation "Rasender Stillstand" im Palais Thienfeld zeigte den Crash zweier aus Holz gebauter SUVs. An dieses Bild knüpfte die Transformation an, "richtungsweisend für das neue Jahrtausend" .   

Das "P" für Parkraum wurde zu einem "F für Fußgänger, Fahrradfahrer, Fauna und Flora" - so lautete auch etwas sperrig und nicht unbedingt stingent der Titel der Autotransformation. Der Andreas-Hofer-Platz als "Nicht-Ort" der Autoverkehrsmobilität eignete sich da ganz besonders, schließlich war er auch schon 1990 Schauplatz einer "herbst"-Intervention mit mobilitätskritischem Hintergrund: Beim Projekt "Fischplatz", damals unterstützt von Planungsreferenten Erich Edegger, ging es um eine Art Testlauf für das Konzept "Platz für Menschen". Geblieben ist davon zumindest der Fußgängerübergang samt Ampel zur Albrechtgasse (statt der Unterführung).   


Amaturen bei Greg
Amaturen bei Greg
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"Grace" und "Greg" im HDA
"Es war gar nicht leicht, für die Rahmen stabiles Material aus dem Wagen zu gewinnen", berichtete Martin Kaltwasser über den Technischen Teil der Aktion. Das Karosserieblech erwies sich als zu instabil, Stahlteile waren kaum vorhanden. So musste man bei den Schweißarbeiten einen Professionisten einbinden. Der Plan, aus den Zahnrädern des Getriebes einen Karadanantrieb zu konstruieren, erwies sich als nicht durchführbar: Bei dem mit Vorderradantreib ausgestatteten Teilelieferanten fand sich keine entsprechende Antriebswelle. Die Pedale mussten aus fremden Quellen organisiert werden. 

Auch nach Ende des "steirischen herbst" werden die beiden Fahrräder (von den Sponsoren wie beim Schiffstapellauf mit Sekt auf die Namen "Grace" und "Greg" getauft) noch einige Zeit im HDA zu besichtigen und zu testen sein.  

(ARGUS)



"Grace" wird getauft
"Grace" wird getauft
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Paarlaufen
Paarlaufen
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Heiße Öfen
Heiße Öfen
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