Glacis-Zinzendf
 
Sie befinden sich:  » Graz Radln  |  » Aktuelles  |  » 2008

Memorial Ride mit Ghostbike nach Don Bosco

Das erste in Graz aufgestellte "Ghostbike" erinnert seit 06.12. an der Kreuzung Kärntnerstraße - Wetzelsdorferstraße an den hier am 12.11. bei einem Unfall getöteten Radfahrer. Zugleich ist das weiße Fahrrad Mahnmal für mehr Rücksicht im Straßenverkehr, besonders gegenüber den ungeschützten VerkehrsteilnehmerInnen.



Ghostbike
Ghostbike
Bildvergrößerung

Veranstaltungsleiter am Beginn
Veranstaltungsleiter am Beginn
Bildvergrößerung

Ghostbike unterwegs
Ghostbike unterwegs
Bildvergrößerung

Trauerflor auch am Kinderanhänger
Trauerflor auch am Kinderanhänger
Bildvergrößerung

Zum Nachdenken
Zum Nachdenken
Bildvergrößerung

Eine Demonstrationsfahrt von rund 30 TeilnehmerInnen führte vom Südtirolerplatz zur Unfallstelle bei Don Bosco. Das in der "Fahrradküche" montierte und zuvor eine Woche am Südtirolerplatz aufgestellte "Ghostbike" wurde mit einer Abschleppvorrichtung an einem anderen Rad mitgeführt. Leider war auch auf der Fahrt schon einiges an Aggression von Kfz-LenkerInnen zu spüren, die nicht aushielten, auch nur ein kurzes Stück hinter dem langsamen Rad-Konvoi zu fahren. Hupen, beschleunigen, überholen, Schimpfworte - Impressionen eines Verkehrsklimas, das wahrlich kein tolles ist. Wer das erlebt, muss Endlos-Debatten über undisziplinierte RadlerInnen auf Gehsteigen oder sonstwo in Leserbriefen als Hohn empfinden.

An der Unfallkreuzung wurde das Ghostbike im Grünraum neben der Fahrbahn verankert, mit Blumen und Blattwerk geschmückt und mit Kerzen umsäumt. Heidi Schmitt, Obfrau der ARGUS Steiermark, erklärte den Sinn der Veranstaltung: Die Grazer RadlerInnen wollten damit Abdel-Latif Kaddouh (8.9.1981 - 12.11.2008) gedenken, der hier als Radfahrer von einem abbiegenden Lkw erfasst und getötet wurde. Es gehe nicht um Schuldzuweisung, sondern um einen Appell, die Anstrengungen um Verbesserung der Verkehrssicherheit zu erhöhen und aufeinander im Straßenverkehr mehr Rücksicht zu nehmen. "Es darf nicht sein, dass jemand einfach übersehen wird", lautete die Botschaft.

Der Sprecher der Ägyptischen Gemeinde in Österreich, Ali Soleiman, brachte in seiner Ansprache der inzwischen auf rund 50 Personen angewachsenen TeilnehmerInnen-Schar die Person Abdel-Latif näher: Der 27-jährige Student war vor vier Jahren nach Österreich gegangen, damals hatte er am Tag seiner Abreise seinen jüngeren Bruder durch einen Stromunfall verloren. Der strebsame BWL-Student war am Unglückstag auf dem Weg von der Uni zurück in seiner Wohnung in der Harterstraße, als er von dem Lenker des Schwerfahrzeuges übersehen wurde. Obwohl die Ampel für ihn "Grün" zeigte, wurde er erfasst, überrollt und tödlich verletzt.



Die Aufstellung von "Ghostbikes", meist in Verbindung mit einer Gedenkfahrt ("Memorial Ride"), kommt aus den USA, wo damit zunächst in der Fahrradboten-Szene verunfallten KollegInnen gedacht und zugleich das menschenfeindliche (Auto-)Verkehrssystem angeprangert wurde. In Österreich wurde das erste "Ghostbike" im März 2008 in Wien aufgestellt.

Externe Verknüpfung 
Weitere Fotos



Mahnmal-Errichtung
Mahnmal-Errichtung
Bildvergrößerung

Soleiman Ali
Soleiman Ali
Bildvergrößerung

Teilnehmende an Gedenken
Teilnehmende an Gedenken
Bildvergrößerung


Nachtrag
Selbstverständlich hat sich ARGUS Steiermark auch Gedanken gemacht, wie man die Unglückskreuzung entschärfen könnte. Entspechende Externe Verknüpfung Vorschläge - bauliche Verengung, Alternativroute auf der Kärnterstraße-Ostseite - wurden der Verwaltung und der Politik übergeben. Realisiert wurde davon nichts, außer die rote Markierung der Radfahrüberfahrt.

Demontage Ghostbike 08.04.2009

(ARGUS)