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Öffnung von Parks: ÖVP-Polemik gegen RadlerInnen

Gegen Pläne von Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, Routen durch Grazer Parks für RadlerInnen ist ÖVP-Planungsstadträtin Eva Maria Fluch ausgerückt: Sie ist klar dagegen und will stattdessen Nummernschilder für Fahrräder. Diesbezüglich schebt ihr ein Pilotprojekt vor.


Eva-Maria Fluch
Eva-Maria Fluch
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Die Öffnung von Routen durch die Grünanalgen wie Stadtpark und Augarten hatten sich die Grünen von Beginn ihrer Regierungsbeteiligung in Graz auf die Fahnen geschrieben. Nach gut einem dreiviertel Jahr im Verkehrs- und Umweltressort ist Lisa Rücker - wie auch in anderen Bereichen des Radverkehrs - noch keine Umsetzung geglückt. Im konkreten Fall steuert der Naturschutzbeauftragte Wolfgang Windisch dagegen. Unangenehmer Nebeneffekt: Abkürzende RadlerInnen, die aus den grünen Ankündigungen voreilige Schlüsse zogen und die - nicht wirklich sehr erkennbar verbotene - Robert-Stolz-Allee benutzten, fielen reiehnweise der Ordnungswache in die strafenden Hände.

Zum Vorstoß von Stadträtin Fluch in der "Steirerkrone" vom 11.12. - bisher schien sie eher auf einer Linie mit Rücker - dürfte wohl eine unheilige Allianz geführt haben: Der Autor ist bekannt dafür, dass er praktisch täglich gegen die Vizebürgermeisterin vom Leder zieht, andererseits könnte Fluch (oder Einflüsterer) eine Gelegenheit gewittert haben, sich gegen ihre Grüne Stadtsenats-Kollegin zu profilieren.

ARGUS für selektive Öffnung der Parks
ARGUS hat sich in der Debatte zur Öffnung der Parks für RadfahrerInnen bis dato eher zurückgehalten. Der Grund: Die Vorteile sind zwar offensichtlich, aber nicht so gravierend, dass man sich mit potenziell vielen Gegnern anlagen müsste. Und Ruhezonen für FußgängerInnen seien grundsätzlich deren gutes Recht und zu respektieren.

Zumal die Radlobby nun auch vom Büro Rücker aufgefordert wurde, eine Stellungnahme zum Thema auszuarbeiten, wurde die Faktenlage erhoben und in einen Vorschlag gegossen, der dieser Tage der Stadt übermittelt wird. Im Kern geht es darum, dass im Stadtpark und im Augarten einige wenige Wege selektiv für den Radverkehr geöffnet werden sollen (etwa die Verbindung Zinzendorfgasse - Promenade/ Burgtor), gleichzeitig aber alle anderen Wege als Tabuzonen besser gekennzeichnet und abgetrennt werden. Zudem ist es aus Sicht der ARGUS vorstellbar, dass bestimmte reine Radverkehrsflächen - etwa am Glacis zwischen Elisabethstraße und Zinzendorfgasse - in Geh-/Radwege umzuwidmen und damit für FußgängerInnen zu öffnen.

"Damit würde man die Verordnungen dem Bedarf anpassen und den RadlerInnen von ihnen schon jetzt stark genutzte Routen auch offiziell erlauben", argumentiert Stephan Landgraf, Vorstandsmitglied der ARGUS Steiermark. Dies gelte umgekehrt partiell auch für FußgängerInnen. Dem Argument, dass damit Ruhezonen verloren gingen, kann Landgraf nicht folgen: "Der Großteil der neuen vorgeschlagenen Routen ist straßennah und von Verkehrslärm betroffen. will man neue Ruhezonen schaffen, wäre viel mehr erreicht, Kfz-Verkehrsflächen - etwa die Jahngasse - herauszunehmen und umzuwidmen."

In Sachen Fußgängerzonen gibt es seit langem eine klare ARGUS-Position: Generelle Öffnung der FUZOs für RadlerInnen, meine einigen wenigen definierten Ausnahmen (Sporgasse, Herrengasse nördlich der Landhausgasse - Stempfergasse). Die meisten FUZOs stehen (in Schritttempo fahrenden) den RadlerInnen ohnedies schon offen - den halben Tag über acuh dem Kzf-Verkehr - und eine derartige "Ausgenommen"-Regelung wäre in Anlehnung an das "Tempo 30 - ausgenommen Vorrangstraßen" auch plausibel und nachvollziehbar.


Kristina Edlinger-Ploder
Kristina Edlinger-Ploder
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Fluch gegen Edlinger-Ploder
Zurück zu Stadträtin Fluch, die mit ihrem "Ausritt" keinen konstruktiven Beitrag in der Öffnungsdebatte geleistet hat. Um ihrem schwer nachvollziehbaren Standpunkt zu untermauern, musste die Wortkeule gegen die ach so undisziplinierten RadlerInnen ausgepackt werden: Es gebe zahlreiche Stellen, wo Radfahrer Fußgänger "in Angst und Schrecken versetzen". Ihre logische Schlussfolgerung: Wenn Räder Nummernschilder haben müssten, wären die RadlerInnen leichter zur Verantwortung zu ziehen. Unter dem Vorwand "Vorrang für Fußgänger" werden so nicht motorisierte VerkehrsteilnehmerInnen gegeneinander ausgespielt. 

Zum Thema Nummerntafeln ist weiter nichts zu sagen, weil sie zu unergiebig und mit schöner Regelmäßigkeit ins Leere führend ist. Der von Fluch erwartete "Erziehungs-Effekt" wäre in Sachen (Rad-)Verkehrspolitik ihr selbst zu wünschen: Abzuschauen brauchte sie da nur bei  ihrer Parteikollegin Landesrätin
Kristina Edlinger-Ploder, die Nummerntafeln für nicht zweckmäßig hält und lieber auf positive Maßnahmen setzt, um durch Attraktivierung des Radfahrens mehr Leute zum Aufsteigen zu bringen.