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Laufräder rollen in allen Grazer Kindergärten

Nach dem Motto „Früh übt sich" hat die Stadt Graz mit Hilfe der Forschungsgesellschaft Mobilität FGM ein Kindergartenprogramm gestartet, das auf darauf abzielt, die Kleinen auf das Radfahren vorzubreiten und diese Form der Mobilität zu fördern. Ziel ist es, die Knirpse zu mehr Bewegung im Alltag zu motivieren und auch die Eltern anzusprechen und sie zum Überdenken ihres eigenen Verkehrsverhaltens zu animieren. 


Auf dem Laufrad unterwegs: Emma...
Auf dem Laufrad unterwegs: Emma...
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...und Nik
...und Nik
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Das Schaffen einer neuen Mobilitätskultur ist Teil vieler verkehrspolitischer Konzepte und Strategien und wird häufig auf Konferenzen, die sich mit Stadtverkehr beschäftigen, gefordert. Die - entscheidende - Frage, wie man zu einer neuen Kultur kommt, bleibt dabei meist offen.

„Nur wenn positive Emotionen schon zu einem frühen Zeitpunkt geweckt und gefestigt werden, sind diese auch Basis für eine neue Mobilitätskultur", ist der Leiter der Grazer Verkehrsplanung,  Martin Kroißenbrunner, überzeugt. Diesem Ansatz folgend, sind alle Grazer Kindergärten beim Kindergartenprogramm „Rad fahren leicht gemacht!" dabei.

Das Programm inkludiert zum einen eine Schulung von Kindergarten­pädagoginnen zum Thema „Radfahren lernen mit dem Laufrad", zum anderen Bilderbuchgeschichten rund ums Radfahren, die Urkunde „Ich kann radeln" sowie ein Motivationsprogramm, wie Eltern ihre Kinder mit dem Fahrrad und anderen umweltfreundlichen Mobilitätsarten in den Kindergarten bringen können.  Zur Unterstützung des Programms erhält jede Kindergartengruppe ein Laufrad und ein Bilderbuch.

„Es spricht für die Pädagoginnen der Grazer Kindergärten, dass sich alle Gruppen zur Teilnahme an  diesem Programm gemeldet haben und damit Radfahren in die normale Kindergartenarbeit integrieren möchten",  ist die Leiterin der Grazer Kindergartenreferats, Vasiliki Argyropoulos, vom Engagement ihrer Mitarbeiterinnen begeistert. Die Verankerung bei den AkteurInnen vor Ort ist auch für Initiator Karl Reiter von der Forschungsgesellschaft Mobilität FGM das wesentliche Plus: „Während viele EU-Projekte gestoppt werden, wenn die Finanzierung ausläuft, benötigt dieses Projekt nur eine Anschubfinanzierung, um dann ohne Mehrkosten dauerhaft betrieben werden zu können". 

Das Projekt erreicht jedes Jahr rund 2000 Kinder und ist langfristig ausgerichtet. Schließlich wird erst 2018 erstmals abzulesen sein, für welches Verkehrsmittel sich die Kindergartenkinder von heute entscheiden werden: Für Fahrrad oder Mofa/ Moped. Und 2022 werden dieselben ehemaligen Kindergartenkinder abermals vor der Entscheidung stehen, ob sie sich für das motorisierte Individualverkehrsmittel, konkret den Pkw, oder eben das Fahrrad entscheiden.

„Zu diesem Zeitpunkt wird dann sichtbar, ob der Kulturwechsel gelungen ist und welchen Beitrag das Programm dazu leisten konnte", so Reiter. Um das Gelingen des mobilitätspädagogischen Unternehmens über einen längeren Zeitraum zu begleiten und zu evaluieren, ist eine Studie der Universität Graz vorgesehen, die einerseits den Einfluss der Kinder auf ihre Eltern und andererseits die langfristigen Wirkungen auf das Verkehrsverhalten der heranwachsenden Kinder untersuchen wird. Das Projekt wird von der Forschungsgesellschaft Mobilität durchgeführt und von der Gesundheitsdirektion der EU über das Projekt LifeCycle sowie der Stadt Graz mit den Abteilungen Verkehrsplanung sowie Jugend und Familie finanziert. Seitens der Stadtregierung wird das Lernprogramm von Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Verkehr) und Stadtrat Detlef Eisel-Eiselsberg (Jugend und Familie) getragen.

Damit setzt auch die Politik auf eine neue Verkehrskultur und auf mehr Bewegung in der Stadt, die mit den Kleinsten beginnt. So wird der Grundstein für eine umweltfreundliche und sozial verträgliche Mobilitätskultur gelegt, wie sie in Städten wie Freiburg, Odense und Bozen bereits beschritten wird. In diesen Städten ist es tatsächlich gelungen, den Trend zur Autonutzung zu brechen und den Anteil der RadfahrerInnen massiv zu erhöhen.

(ARGUS)