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Seminar: Was tun gegen den Radklau?

„Registrieren statt Codieren?" wurde zur Schlüsselfrage des Seminars „Präventionsstrategien gegen den Fahrraddiebstahl", das am 15.04. in Graz stattfand. Gerade die in der Steiermark besonders stark gestiegenen Diebstähle veranlassten das  Verkehrsressort des Landes, mit dem Thema befasste Fachleute zusammenzubringen, um Verbesserungen und neue Ansätze bei Vorbeugung und Aufklärung zu diskutieren.

Alle Vorträge des Seminars „Innovative Präventionsstrategien gegen den Fahrraddiebstahl" finden Sie unter www.radland.steiermark.at/diebstahl 


Codierung
Codierung
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Horst Reiter
Horst Reiter
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In den Augen vieler sollte die von der Polizei freiwillig angebotene Codierung (Einfräsen eines Buchstaben-Nummern-Codes, der die Zuordnung des Fahrrades zu Adresse und Besitzer ermöglicht) ausgedient haben: Vor allem Bedenken wegen der Beschädigung immer sensiblerer Rahmen durch die Gravur, aber auch Probleme beim Weiterverkauf und die nicht vorhandene Datenvernetzung wurden ins Treffen geführt. Letztendlich sei es auch nicht gelungen, das 1996 von Deutschland übernommene System bei uns auch nur annähernd flächendeckend zu verbreiten.

Die Schwächen des bestehenden Codiersystems nutzte der Feldbacher Horst Reiter (Zweirad Matzer), um seine "österreichweite Registrierungsdatenbank fase24.at" zu lancieren. Die Idee: Jedes Fahrrad wird beim Verkauf über Fahrzeug- (Rahmennummer etc.) und Personendaten erfasst - registrieren dürfen autorisierte Einrichtungen (nicht nur Händler), der SSL-verschüsselte Zugriff auf die Datenbank soll Polizei, Fundämtern, Versicherungen und dem Betreiber vorbehalten bleiben. Und genau hier liegt das Problem: Bisher ist es nicht gelungen, das Innenministerium von den Vorzügen zu überzeugen und Grünes Licht für die Nutzung zu geben, datenschutzrechtliche Bedenken konnten noch nicht ausgeräumt werden. 

Außerdem steht dem Vorteil, dass es zu keinen Beschädigungen am Fahrrad kommt, der Nachteil der wegfallenden Abschreckung durch eben die physische Kennzeichnung, wie sie von der Polizei behauptet wird (aber nicht nachgewiesen werden kann), entgegen.

Auch Registrierung hat Nachteile
Ein Ergebnis des Seminars, an dem neben Vertretern der Exekutive, des Gewerbes und der Verwaltung auch Repräsentanten der ARGUS Radlobby sowie von Lebens- und Verkehrsministerium teilnahmen: Eine Abklärung soll hereingeführt werden, ob das Registriersystem die Codierung ablösen kann und soll. Schon codierte Räder könnten ja relativ einfach in das neue System übernommen werden, sogar gratis, wie Reiter betonte. Kritik am verlangten Kostenersatz von € 7.- (€ 4.- für 5 Jahre) hält er entgegen, dass dieselbe Leistung in Deutschland nachzu dreimal so teuer sei und ja auch die Codierung durch die Polizei nicht nichts koste, sondern nur von der Allgemeinheit getragen werde.

Tatsächlich wäre eine fundierte Evaluierung, auch unter Einbeziehung internationaler Modelle und Erfahrungen, notwendig, bevor man ein nicht optimales, aber etabliertes durch ein vielversprechenderes, aber nicht ausgetestetes neues System ersetzt. Die Schlüsselfrage „Datenbank" und deren Verwaltung, die sich viele doch in hoheitlichen Händen wünschen würden, ist jedenfalls noch nicht zufriedenstellend gelöst.   

Die Vertreter der Exekutive zeigten sich grosso modo an Verbesserungen interessiert, vor allem wenn es darum geht, bisher nebenbei mitgemachte Arbeit wie das Codieren abzutreten. Was die kriminalistische Verfolgung und Aufklärung betrifft, schimmerte einmal mehr deutlich die Nachrrangigkeit der Materie durch: Zwar referierte ein Beamter des Landespolizeikommandos Steiermark über ungarische Auftrags- und heimische drogenkranke Ausführungstäter und berichtete von einer erfolgreichen Schwerpunktaktion im Herbst 2008 in Second-Hand-Shops, die heuer wiederholt werden soll, dennoch ist kein stärkeres Engagement seitens der Uniformierten zu erwarten. Im Gegenteil: Der in den Keller gesunkenen siehe Aufklärungsrate von 3,7 Prozent stehen sie mehr oder minder ratlos gegenüber.

Leider nicht zur Sprache kam, dass auch allgemein die Präsenz der OrdnungshüterInnen im Straßenraum generalpräventiv eine Rolle spielt: Der Streifendienst wurde weitgehend auf Autopatrouillen verlegt, was zwar mehr Effizienz, dafür aber weniger kleinräumige Sicherheit gebracht hat. Dazu kommt das leidige Thema der in Graz nicht vom Fleck kommenden Radpolizei, von einer eigenen Fahrradiebstahls-Polizei wie es sie etwa in Amstedam oder Münster gibt, erst gar nicht zu reden.   

Die in der landläufigen Meinung weit verbreitete nachrangige Behandlung des Raddiebstahls als Bagatelldelikt steht aber im krassen Gegensatz nicht nur zum individuellen, mitunter beträchtlichen monetären Schaden, sondern auch zum wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Kollateralschaden: "Die Opfer - und schon gar mehrfach Bestohlene - kaufen sich, wenn überhaupt wieder, ein Rad in niedrigerer Preiskategorie", warnte Günther Illek von der Forschungsgesellschaft Mobilität FGM unter Zitierung internationaler Studien.




Demonstration
Demonstration
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Gut ansperren
Gut ansperren
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Broschüre BMVIT
Broschüre BMVIT

Mehr Selbsthilfe und Eigenverantwortung
Bleibt noch die Selbsthilfe: Vorgestellt wurde bei dem Seminar die Plattform
http://www.ifindmybike.net/, die primär dazu dienen soll, dass Bestohlene ihren Frust abladen können, aber auch „social networking" in Richtung Problembewusstsein und Zivilengagement zum Ziel hat. Leider fehlt dieser Initiative noch die nötige Breite.

Ein weiterer Themenblock war dem Sichern und Versichern gewidmet. Klar, dass es zur Eigenverantwortung gehört, das Rad mit massivem Schloss entsprechend ab-, besser: anzusperren und bestimmte Verhaltensregeln zu beherzigen. Auch gute Abstellanlagen im öffentlichen Raum und in Wohnhausanlagen gehören in den erweiterten Bereich der Diebstahlsprävention.

Zum Thema "Schloss": Keines bietet 100%-igen Schutz, aber Qualitätsschlösser wie von ABUS halten Angriffen lang genug stand, um die Diebstahlswahrscheinlichkeit eines angesperrten Fahrrades sehr gering zu halten. Beim Kauf von Fahrradschlössern sollte eines auf jeden Fall berücksichtigt werden: Qualität hat ihren Preis, zahlt sich aber aus (wenn man ein entsprechend teures bzw. wertvolles Gefährt sein Eigen nennt).

Tritt der „worst case" dennoch ein, hilft trotz Codierung oder Registrierung vorher und Anzeige nachher nur noch eine Versicherung, um Schmerz und Ärger über den erlittenen Verlust des geliebten Drahtesels einigermaßen zu lindern.  Wobei die Versicherungswirtschaft mit dem Produkt "Fahrraddiebstahlversicherung" wenig Freude hat: Weil wirtschaftlich wenig interessant, wird sie einzeln überhaupt nur noch von der Grazer Wechselseitigen angeboten, ansonsten im Bündel mit etwa der Haushaltsversicherung (z.B. Uniqa), der Sporthandel offeriert Versicherungen in Kombination mit Service-Leistungen.

Viel wichtiger als eine Fahrraddiebstahlversicherung wäre allerdings nach Einschätzung der Experten eine Haftpflichtversicherung. Jede(r) RadfahrerIn sollte abklären, ob er/sie eine solche Versicherung  (ist z.B. in der ARGUS-Mitgliedschaft enthalten) besitzt. 

(ARGUS)