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Krise verhilft Fahrradbauern zu Höhenflug

Fahrradfahren ist gut für Gesundheit und Geldbeutel. Vom Trend, für kürzere Strecken vom Auto auf den Drahtesel umzusatteln, profitieren auch Österreichs Radlbauer. Ihre Auftragsbücher sind voll.

Für das Fahrradfahren sprechen viele Gründe: Es ist gut für Bauch, Bein, Po und Rücken, beugt Herz-Kreislauf-Krankheiten vor, es verhilft zu einer gesunden Gesichtsfarbe und schont die Umwelt. In Zeiten höherer Spritpreise und krisenbedingten Engerschnallens des Gürtels entdecken die Österreicher einen weiteren Vorteil: Der Drahtesel wird zum Sparschwein unter den Verkehrsmitteln.

Dies zeigt sich einerseits in den Erhebungen des Verkehrsclubs Österreich, denen zufolge allein im April der Radverkehr um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Auch die Umsätze der österreichischen Raderzeuger drehen sich schwungvoller: Die Zahl von jährlich 181.000 Drahteseln "made in A" dürfte Branchenschätzungen zufolge heuer um zehn Prozent überboten werden.

KTM fährt Umsatzrekord ein

"Unser Geschäft läuft sehr gut", bestätigt Stefan Limbrunner, Marketingchef des mit Abstand größten österreichischen Produzenten KTM Fahrrad in Mattighofen, der 275 Mitarbeiter beschäftigt. Brachte das Vorjahr mit 165.000 Fahrrädern und rund 70 Millionen Euro Umsatz einen neuen Rekord in der Unternehmensgeschichte, rechnet Limbrunner für heuer mit Wachstumsraten zwischen acht und zehn Prozent. Das Preisband der KTM-Räder liegt bei 429 bis 7000 Euro.

"Trotz Schrottprämie: Die Leute kaufen sich weniger neue Autos oder lassen sie öfters einmal stehen", ist der KTM-Manager überzeugt. "Wer sich auf das Fahrrad schwingt, kann sparen und tut etwas Gutes für die Gesundheit."

Von Krise keine Spur, heißt es auch bei Steinbach Bike. Der in Oberndorf bei Kitzbühel 1990 von Drachenflug-Weltmeister Christian Steinbach gegründete Familienbetrieb ist zwar ein Zwergerl unter den Fahrradbauern, "liefert dafür jedoch feinste maßgeschneiderte Ware", sagt Geschäftsführerin Brigitte Steinbach, die von ihrem Vater das Geschäft übernommen hat. Sechs Mitarbeiter schrauben hier jährlich rund 1000 Mountainbikes, Rennräder und Leichtbautourenräder zusammen.

"Vor allem die Nachfrage nach Tourenrädern mit Gepäckträgern steigt", erzählt sie. Statt mit der Blechkarosse gehe es für Kurzurlaube zurück zur Natur. Preise von 1500 Euro aufwärts würden dabei von ihren qualitätsbewussten Kunden in Kauf genommen, "schließlich soll ihr Rad nach Maß für die kommenden zehn Jahre halten".

Dass Fahrzeuge im Premiumsegment gefragt sind, zeigen auch die vollen Auftragsbücher bei Simplon in Hard am Bodensee, wo 16.500 Räder im Vorjahr produziert wurden. "Wir haben Rückmeldungen aus dem Fachhandel, dass qualitativ hochwertige Fahrräder stärker nachgefragt werden als günstige Modelle unter 500 Euro", sagt Verkaufsleiter Christian Brenner.

Tausend Euro aufwärts kosten in dem mehr als 40 Jahre bestehenden und 55 Beschäftigte zählenden Familienbetrieb die Zweiräder. "Besonders fahrradnarrische Kunden" machten mitunter auch schon einmal 7000 Euro für ein exklusives Gefährt locker. Dessen Rahmen sei dann eine hauseigene Spezialentwicklung, und es erhalte in Einzelplatzmontage von jeweils zwei Monteuren seine rollende Vollendung.

Neue Lust an Motorkraft

Der (Spar-)Trend zum Bike verhilft auch einem Gefährt zu neuen Ehren, das lange nur unsportlichen älteren Herren ohne Führerschein zugeordnet wurde: dem E-Bike, einem Zweirad mit elektronischem Hilfsmotor. "In den kommenden drei Jahren werden wir in diesem Segment unseren Umsatz verdreifachen", prognostiziert Limbrunner von KTM. Die Kombination aus "Tretspaß mit ein bisserl Extrakraft" ersetze sowohl Privatkunden als auch Mitarbeitern von Unternehmen auf kurzen Strecken zunehmend das Auto. Auch viele Gemeinden förderten die Anschaffung der elektronischen Bikes.

Karin Tzschentke


Letzte Änderung:
07.01.2010
Wolfgang Wehap
wolfgang.wehap@apa.at

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