Bald tauchen die Türme von Stift Admont auf, wo man nach ca. 12 km eintrifft. Um das Stift kommt man nicht herum; streift man durch die imposante Bibliothek und die - neu gestalteten - Museumsräumlichkeiten für die Sammlungen und Ausstellungen, wird einem bald klar, warum von hier aus ein maßgeblicher Einfluss auf das ganze obere Ennstal ausgegangen ist und heute noch ausgeht. Dass das profane Wirken noch weiter reicht, haben wir beim aktuellen Besuch erfahren: Das Stift gehört zu den größten steirischen Weinflächen-Besitzern, der Wein von 68 ha Weingärten in der ehemaligen Untersteiermark/ Slowenien wird unter dem Label "Dveri pax" gekeltert und verkauft. Das Bedauern, dass es im Stift keine Verkostungsmöglichkeit gab, hielt sich ob weiteren gut 50 Radkilometer vor uns in Grenzen.
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Am Gesäuseeingang ist dann der Radweg zu Ende; ein Weiterbau wird wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. Durch die spektakuläre Enns-Schlucht mit ihren wilden Wassern und schroffen Felsen muss man sich auf der B146/B115 bewegen - nicht immer ein pures Vergnügen bei relativ viel Motorrad- und Schwerverkehr. Lediglich zwei Tunnel (Zigeunerbrücke- und Hochstegtunnel) werden umfahren. Bei der Abzweigung nach Johnsbach findet sich das Nationalparkzentrum, nicht spektakulär, aber freunlich bemüht mit Lernstationen und Weidendom. Auf eine Rast beim Gasthaus Bachbrücke verzichteten wir ebenso wie auf einen Abstecher leicht bergan nach Johnsbach und zum Bersteigerfriedhof - Stationen, die wir, wie auch den Almabtrieb in der Radmer, von vor einigen Jahren erradelt haben und noch positiv in Erinnerung hatten.In Hieflau, nach knapp 40 km Fahrt, wird es richtig ungemütlich: Hier mündet die B146 in die B115 (Eisenstraße) nach Eisenerz und zumindest bis zur nächsten Abzweigung der B24 nach Mariazell versammelt sich so einiges an Schwerverkehr, was die Steigung nach dem Ort noch beschwerlicher macht. Gerade in diesem Abschnitt wäre jedenfalls Verbesserungsbedarf gegeben. (=> s. Anmerkungen Tadej Brezina) Erst als wir in Großreifling Richtung Erbsattel abzweigten, wurde es wieder besser. Nun geht es stetig, aber nicht steil bergan auf ca. 650 m. Hat man das Schloss Kassegg hinter sich gelassen, rollt man flott hinunter nach St. Gallen. |
Kurz bevor man in den Ort kommt, lohnt sich noch ein Abstecher rauf zur Burgruine Gallenstein, eine Fluchtburg der Admonter Äbte und heute Schauplatz eines konzertanten Sommerfestivals . Macht man in St. Gallen Station (von Selztal ca. 60 km), empfiehlt sich der Gasthof Hensle mit schönen Zimmern und guter Küche. Bis zur Landesgrenze über Altenmarkt muss man sich als RadlerIn auf einer schnell ausgebauten Hauptstraße bewegen. Die Alternativroute über Reichraminger Hintergebirge, die zum Teil auf der aufgelassenen Waldbahn fürht, soll zwar sehr schön sein, aber auch mehr Höhenmetern (die wir in unserer aktuellen körperlichen Verfasstheit nicht angehen wollten, Anm.) aufweisen. In Kleinreifling biegt man dann links auf den - auch in OÖ - R7, der von hier bis Enns fast durchgängig auf Güter-, Radwegen und Nebenstraßen bis Enns führt. Auch wenn es dem Fluss in Fließrichtung entlang rein physikalisch immer bergab gehen müsste, sollte man sich nicht täuschen: Es ist ein stetiges Bergauf und Bergab, nie aber mit extremen Steigungen. Einen Abstecher nach Weyer, etwas abseits am Gaflenzbach gelegen, sollte man allein schon wegen seiner lieblichen Zufahrt entlang der Gewässer und durch verwinkelte Vorstadtgärten, machen. Auf dem Weg findet sich mit der Katzensteinermühle ein kleines freilichtmuseales Ensemble. Wie es überhaupt entlang von Enns und Eisenstraße ein reichhaltiges museales Angebot gibt, das vornehmlich der Eisenerzeugung und Flößerei gewidmet ist. Für uns war die nächste Labestation bei der Konditorei Schwarzlmüller (Trentino) in Großraming, eigentlich gegenüber vom Ort Großraming, wo wir uns Apfelmohntorte und Joghurteis schmecken ließen. |
Das türkisgrüne Wasser der Enns verliert nun durch Kraftwerkstufen an Dynamik, nach Steyr zu weitet sich das Tal und die Besiedelung - und auch die Zahl der Radtouristen - nimmt zu. 137 km zeigt mein Tacho, als wir in Steyr „anlegen". Sehr geschichtsträchtig, sehr umtriebig, sehr selbstbewusst präsentiert sich die Stadt, die ja bekanntlich einiges mit der Steiermark (im Mittelalter Lehen der Herren von Steyr, die diesem Teil der Karantanischen Mark ihren Namen gaben) zu tun hat. Hin und wieder mussten wir scherzhaft erklären: „Nein, wir sind nicht von hier, auch wenn wir Steirer sind." Die zwei Tage, die wir hier verweilten, waren wohl gefüllt mit u.a. einem Besuch im Stadtmuseum (einziges aktives Stabfigurentheater Österreichs), einer NachtwächterInführung und einer Fahrt auf der Steyrtal-Schmalspurbahn. Leicht getrübt wurde der Aufenthalt lediglich durch die angehende Segway-Plage und auf der Straße lärmende Disco-Kids, die uns in einem Hotel am Hauptplatz die halbe erste Nacht raubten. Gastronomisch durften wir den "Knapp am Eck" kennenlernen - Küche hervorragend, Wirt etwas eigenwillig.Auf oö. Seite geht es durch Felder und Wälder beschaulich weiter nach Kronsdorf (die nö. Seite blieb uns verborgen, Anm.), danach Hauptstraßen begleitend und weniger schön bis kurz vor Enns. Die kleine Stadt nötigt allein ob ihres geschichtsträchtigen Bodens Respekt ab - irgendwie kommt man sich vor wie an der Wiege der österreichischen Menschheit. Wir riskierten einen Gang auf den Stadtturm und einen Blick in die Basilika und traten, geistig und körperlich gestärkt, den Weg aufs andere Donauufer, nach Mauthausen, an. |
Die Radfähre bringt einen kommod hinüber, auch wenn es seltsam klingt, wir mussten uns im (Sonntagsmittag) menschenleeren Ort durchfragen, wo das mit dem Namen Mauthausen untrennbar verbundene Lager sei, den auf der Gemeindekarte und im Tourismusfolder waren zwar alle möglichen Sehenswürdigkeiten verzeichnet, nicht aber das ehemalige KZ. Dieses liegt nach einem heftigen Anstieg auf einer Geländeterrasse im westlich des Ortes. Die Hitze flirrte und ließ den gemauerten schroffen Komplex abweisend und menschenfeindlich erscheinen. Große Mengen an Drahteseln am Parkplatz wiesen auf den nahen Donauradweg und die internationale Bedeutung dieser Gedenkstätte hin. Drinnen ist nur das Besucherzentrum ein Zugeständnis an die Bedürfnisse von Kulturreisenden und Museumsbesuchern und ihre Ansprüche - sonst karg und kühl, die erhalten gebliebenen Bauwerke steinerne Zeugen des unfassbar Unmenschlichen, das hier passiert ist. Von Mauthausen aus lenkten wir unsere Räder gen Linz, um von dort aus die Rückfahrt per Zug anzutreten. Zum einen brauchten wir recht lange, bis wir uns in den linksufrigen Donauradweg einfädeln konnten, um anderen erwies sich die gerade und stark frequentierte Piste am Damm in der glühenden Sonne bei leichtem Gegenwind als äußerst kräftezehrend. Die bald ins Blickfeld rückenden Industrieobjekte der Stadtstadt wollten nicht und nicht näher kommen und unsere Reisegeschwindigkeit zwischen Kolonnen von Radtouris sank beinahe auf Schrittgeschwindigkeit. Selten habe ich mich über einen Trinkbrunnen so gefreut wie hier unter einer Brücke knapp vor der Stadteinfahrt. Nach zwei Radlern (für mich) und einem Happen auf dem Hauptplatz radelten wir zum Bahnhof, wo wird um 18.10 Uhr dann den IC über Selzthal nach Graz bestiegen. WOLFGANG WEHAP August 2009 |


