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Einkaufszentren-Radtest: Murpark klar voran

Wie geht es radelnden KundInnen in den endlosen, autogerechten Weiten der Shopping Center? Werden sie ernst genommen, gibt es für sie Angebote? Zum dritten Mal erhob die Radlobby ARGUS Steiermark die Radfahrfreundlichkeit der Grazer Einkaufstempel. Ergebnis: Alle Betreiber glauben, einen Zuwachs an RadlerInnen zu registrieren, überall zeigt man sich bemüht - in der Praxis erweisen sich die Verbesserungen aber als punktuell. Heuer noch deutlicher vorne: Der Murpark.

Grundsätzlich sind die peripheren Einkaufszentren für Autokundschaft ausgelegt. Zunehmend werden sie aber auch für RadlerInnen ein Thema: Für die Betreiber, um neue Kundenschichten zu erschließen, für die RadlerInnen, weil sich das Angebot immer mehr in diesen Einrichtungen konzentriert. Gewisse Parameter der Radfreundlichkeit sind in der Raumordnung determiniert, vor allem in der Dichte der Besiedelung im Nahbereich. Dazu kommen erforderliche attraktive Anbindungen aus den Siedlungsräumen.

Das Rad für Einkaufswege und - von Seiten des Handels - die radelnde Kundschaft zu entdecken, ist auch das Ziel des diesjährigen Schwerpunkts des Landesverkehrsressorts „Einkaufen mit dem Fahrrad". So wurden u.a. in den fünf großen Grazer Einkaufszentren Aktionstage abgehalten, an denen ARGUS über sinnvolle Transportalternativen wie Anhänger oder Pedelecs informierte.

Die Erhebung erfolgte nach dem gleichen Design wie 2007 und 2008: Die Betreiber der 5 Shoppings Center (Citypark, Shopping Nord, Murpark, Shoppingcenter West und Shopping City Seiersberg) wurden mittels Fragbogen zu Infrastruktur und Angeboten für einkaufende RadlerInnen befragt. Danach wurden die Angaben überprüft und die Realsituation in Lokalaugenschein genommen.


SCS: Parken verboten...
SCS: Parken verboten...
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... oder spartanisch
... oder spartanisch
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SCW: Anschluss gesucht
SCW: Anschluss gesucht
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Murpark - vorne
Murpark - vorne
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Murpark - hinten
Murpark - hinten
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Mehr RadlerInnen trotz wenig Innovation
In einem Punkt ist man sich im Management aller Center: Alle wollen gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme des Einkaufsverkehrs mit dem Fahrrad festgestellt haben. Überall heißt es „Trend nach oben". Schätzungen liegen bei 4 Prozent. Dafür verantwortlich seien Aktivitäten in Richtung Förderung des Radverkehrs, die hohen Spritpreise, aber auch Verbesserungen im Umfeld.

Manche Einkaufszentren haben von vorneherein ungünstige Radanbindungen: Das Shopping Nord etwa, wo man auf die neue Radweg-Achse Gösting - Andritz hofft, die 2010 in Angriff genommen werden soll. Oder auch die Shopping City Seiersberg, wo es bestenfalls aus dem Ortszentrum von Seiersberg eine passable Zufahrt gibt, aus Richtung Grazer Süden aber nicht.
Mehr direkten Einfluss haben die Center auf die Radverkehrsführung innerhalb ihres Areals. Und da gibt es große Unterschiede: Im Murpark etwa wurde die Radverkehrsführung 2009 erheblich verbessert, im Center West hat man sich infolge von Baustellen (Ikea) eher schlecht als recht im Umleitungsmanagement versucht und in der SCS ist eine interne Radverkehrsorganisation nach wie vor nicht erkennbar.

Wenig getan hat sich im Bereich der Radabstellanlagen. Im Citypark wurde eine eigene versperrbare Anlage für die Mitarbeiter geschaffen - lobenswert, aber nix für KundInnen. Die werden jetzt mit in die Laufräder des Fahrrad-Logos platzierte Smileys freundlich auf "ihre" Parkplätze hingewiesen. In der SCS ist man zwar stolz auf überdachte Abstellflächen, geizt aber mit Racks.

Wie wichtig der richtige Aufstellungsort für Anlagen ist, zeigt sich im Murpark: Die (nicht überdachten) Spiralen vor dem Interspar sind immer bestens ausgelastet, wohingegen jene (überdachten) beim Gigasport-Eingang mäßig besucht werden, schon gar im Sommer. Nach wie vor suboptimal auch die Art der verwendeten, oft bunt gemischten Metallkonstruktionen.




Umleitung...
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Rad im Uhrturmschatten
Rad im Uhrturmschatten
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Service und Image
Kommt die Rede auf das Service, haben alle den Verweis auf ihre Mieter (Hervis, Intersport) zur Hand. Beim Shopping Nord kann man sich Pumpe und Flickzeug an der Information ausborgen, beim Citypark ist eine SB-Station nach einem Vandalenakt wieder abgebaut worden. Besser schaut es bei den Schließfächern aus - sie sind überall Standard. Neu ab Herbst im Murpark: Eine Garderobe, die nicht nur, aber auch den mit dem Rad kommenden KundInnen ein unbeschwertes Schlendern erlauben soll.
Dem Trend der E-Bikes und Pedelecs folgend, haben zwei Center (Nord, Citypark) für die nächste Zeit die Einrichtung von Stromtankstellen angekündigt.

Positiv zu vermerken ist, dass sich heuer alle 5 Shoppingcenter an der Aktion von Land Steiermark und ARGUS „Einkaufen mit dem Fahrrad" beteiligt haben.

Wirft man einen Blick auf den Internet-Auftritt, so hat nur der Murpark schon auf der Startseite auch einen Hinweis auf die Anfahrt mit dem Rad. Für das Shopping Nord findet sich die mysteriöse Info, wonach „ein verlängerter Radweg direkt bis zu den eingangsnahen Abstellplätzen" führe, beim Citypark begnügt man sich auch mit der lapidaren Erwähnung auf die vorhandene Anbindung an das Radwegenetz und Fahrradständer bei den Eingängen. Völlig radlfrei sind die Anfahrtspläne von SCS und SCW. 

Resümee von Projektleiter Thomas Stanzer: Der Radanschluss für das Shopping Nord ist überfällig - die Anfahrt durch die Wienerstraße und auch über die Weinzödlbrücke ist fast gefährlich. Wären beim Murpark die Abstellplätze vor dem Interspar überdacht, wäre das schon fast perfekt. Beim Citypark könnten die Radfahrstreifen neue Markierungen vertragen. Auch hier würde ein Dach beim Abstellplatz vor dem Zugang bei Post und Interspar gefallen. Bei der Shopping City Seiersberg fehlt irgendwie das gelebte Bekenntnis, auch auf RadfahrerInnen zu setzen: Allein die Hinweistafel weit vor einem Eingang, dass dort Räder nichts verloren haben, spricht Bände. Generell gilt, dass gerade bei Einkaufszentren die Abstellplätze so groß sein sollte, dass auch ein Bike mit Anhänger gut Platz hat. Der macht bei größeren Einkäufen nämlich viel Sinn. Stromtankstellen für Elektroräder wären das Tüpfelchen auf dem „i".

„Das Bemühen ist erkennbar, und erfreulich ist, dass sich die Zunahme an Radverkehr auch in den Einkaufszentren niederschlägt", kommentiert Heidi Schmitt, Obfrau der ARGUS Steiermark das Ergebnis der Erhebung. Die ARGUS werde die heuer gestarteten Bemühungen, das Fahrrad noch stärker als Einkaufsverkehrsmittel zu positionieren, fortsetzen und auch weiter die Kooperation mit dem Einzelhandel und engagierten Einkaufszentren suchen.


Ranking

 

 

Erreichbarkeit

Abstellplätze

Radverkehrsanlagen

Sonstiges

Bewertung

 

 

 

 

 

 

Murpark

++++

+++

+++-

++++

14,5 (12,5)

Citypark

++++

++-

+++

+++

12,5 (12,0) 

SC West

++-

++

+++

++

  9,5  ( 9,0) 

Shopping Nord

-

++

+-

  5,0  ( 3,5) 

SCS

-

+

-

+

  3,0   (3,0) 

 Erhebung: August 2009, Bewertung: umgekehrtes Schulnotensystem, max. 25 Punkte, in Klammern Bewertung 2008.