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In Kalifornien angekommen, entdecken Valeska und Philipp meist Alternativrouten, kleine Straßen, die sich einsam der Küste entlang schlängeln und keinen der Hügel auslassen. Sie kommen vorbei an vom Wind in Richtung Süden gekämmten Bäumen und Sträuchern und durch kleine Orte, in sie über Internetforen Kontakte haben. Dazwischen liegen gemütliche Campingplätze in "State Parks", wo es einen günstigen Radler/Wanderer-Tarif gibt. Zum wild campieren eignet sich die Gegend nicht. Häufig trifft man auf andere RadlerInnen, Amerikaner und Europäer. Ein weiteres Highlight an der Küste war die Fahrt durch die Mammutbaum-Wälder (Redwoods). Die beiden bestaunen Baumriesen, die über 100 Meter hoch und teilweise über 3000 Jahre alt sind. Über die Golden Gate Bridge erreicht das Paar nach fast 2000 Kilometern ab Seattle die bisher mit Abstand schönste Stadt der Neuen Welt auf ihrer Reise: San Francisco. 49.070 km (davon 6.685 in Nordamerika) zeigt der Tacho. Wiederholt versichert Philipp, dass der Westen der USA bei weitem nicht dem gängigen USA-Klischee entspricht: "Jede Menge Hybrid-Fahrzeuge säumen die Straßen. In Supermärkten gibt es eine Riesenauswahl an organischen Produkten, die man sich sogar leisten kann. Organische Supermärkte und Bioläden findet man nicht nur in großen Städten, sondern auch in kleineren Orten. Und man tut etwas für die RadfahrerInnen: In San Francisco wird zum Beispiel das Radwegenetz im nächsten Jahr verdoppelt. Der amerikanische Westen ist nicht `super-grün´, aber es ist ein großräumiges Umdenken im Gange und in so mancher Hinsicht könnte sich Europa, wo der Umweltschutzgedanke zurzeit wenig `in´ ist, daran ein Vorbild nehmen." Bei einem Abstecher nach Sacramento trafen sie übrigens jenen Politiker, der, obwohl Republikaner, den Umweltgedanken auffallend vor sich herträgt: Governor Arnie Schwarzenegger. Über das Treffen mit ihm mehr im Tagebuch der beiden Weltumradler.In der elektronischen Post vom 21.10. haben sich das Paar vom eben zurückgelegten Abschnitt ihrer Weltreise sehr angetan gezeigt: "Die Fahrt bisher an der Pazifikküste war phantastisch! Tolle Landschaft, bestes Wetter :-)" In den nächsten Tagen wollen sie nach LA hineinrollen: "Dort gibts dann einen Stopp, um die Batterien wieder zu laden." Anschließend planen Valeska und Philipp noch einen Besuch im Joshua Tree Nationalpark, bevor es endgültig in Richtung Mexiko geht. |
50.355 km zeigen ihre Tachos, als sie in Ensenada in Mexiko eintreffen. Mit der Staatsgrenze USA-Mexiko passieren die beiden Abenteurer auch eine Grenze in eine andere Kultur. Das berüchtigte Tijuana lassen sich bald hinter sich, kehren zurück an die Küste. "Der Unterschied zwischen den USA und Mexiko ist krass: Mexiko ist um vieles ärmer als das Nachbarland – das ist augenscheinlich. Straßen haben Löcher, Sandhäufen und Steine liegen auf der Fahrbahn, Müll überall. Alles wirkt irgendwie schief und selbst gemacht, aber farbenfroh. Musik dröhnt aus Werkstätten und Geschäften. Passanten winken uns zu und Autofahrer hupen und strecken uns nach oben gerichtete Daumen aus den Fenstern. Lebensfrohe, lachende Gesichter überall." Weiter geht es die pazifische Küste die Baja California entlang (der mexikanische Finger in Fortsetzung von Kalifornien, Anm.) bis La Paz, wo sie Ende November nach fast 10.000 km auf dem amerikanischen Kontinent ankommen. Nach dem Übersetzen per Fähre auf das mexikanische Festland gehts berauf - 5500 Höhenmeter auf 300 Kilometer. "Mexikaner stehen unglaublich auf Weihnachtskitsch und v.a. auf Lichterketten überall", stimmen sich Vaelska und Philipp auf Weihnachten ein, die sie in León im Herzen Mexikos verbringen. Für jene, die es interessiert liefern sie auch einen volkskundlichen Abriss daüber, wie der Heilige Abend in dieser Weltgegend begangen wird: "Es wird von Haus zu Haus gegangen und gesungen, in Anlehnung an die Herbergsuche von Maria und Josef. Man endet vor seinem eigenen Haus, tritt ein und legt das Jesuskind in die Krippe. Weihnachtsbäume sind aus Plastik und mit Lichterketten umschlungen. Die Familien kommen zusammen, es wird gesungen und gibt viel zu Essen. Geschenke bekommt man in Mexiko am 24. allerdings keine. Die gibt es erst am Heilige Drei Königstag. Eigentlich logisch, denn die Heiligen Drei Könige sind ja die ersten, die dem Jesuskind Geschenke gebracht haben :-) " |
Am 26. Dezember packen Valeska und Philipp ihre Taschen. Die ersten 13 Kilometer rollen sie auf einem Radweg (!) in Richtung Süden hinaus aus León. Zwei Tage fahren sie durch recht flache trockene Landschaft bis es vor Morelia wieder hügelig wird und bei großen, spiegelglatten Seen vorbeikommen. Valeska hat sich eine Verkühlung eingefangen, sodass man in Morelia einen längeren Stopp einlegt. "Die Stadt hat definitiv ihre schöne Seite mit einem ausgedehnten kolonialem Zentrum, mächtigen Kirchen und hübschen Plätzen. Andererseits ist sie extrem laut und stinkig. Der Verkehr rollt (besser: steht) überall, es gibt keine Fußgängerzonen und die Gehsteige sind eng und voll." Silvester verschlafen die beiden, um am Neujahrstag früh morgens aus der Stadt hinauszurollen. Es geht in die Berge: Stundenlange Anstiege über hunderte Höhenmeter, sportliche Abfahrten und kaum Verkehr auf kurvenreicher Strasse, die den passenden Namen "Mil Cumbres" ("Tausend Kurven") trägt. Von Zitacuaro aus unternehmen die beiden einen Ausflug zu den Monarch Schmetterlingen, die im Winter aus Kanada nach Mexiko wandern. "Die Souvenirmeile vom Parkplatz zum Schmetterlingsreservat ist schlimmer als in jedem Schiort in den Alpen", berichtet Philipp. Nach Toluca wählen die Grazer die falsche, weil verkehrs- und höhenmeterreichere Route. "Die Strasse ist schmal und kurvenreich und der viele Verkehr fordert unsere permanente Konzentration. Es ist mühsam und gefährlich." Von Toluca nehmen sie am nächsten Tag den Bus nach Ciudad de Mexico. Im Süden der Metropole sind sie zu Gast bei Pfarrer Ralf und dürfen im Pfarrhof der deutschen Katholischen Kirche in Mexiko Stadt, San Thomas Morus, wohnen. "Wir ziehen ein paar Tage durch die Großstadt, genießen ihren einzigartigen Flair, lassen die vielen verschiedenen Viertel, Monumentalbauten, Parks, Kirchen, Museen, Märkte auf uns wirken und besuchen Pfarrer Ralfs Gottesdienste :-)" Über Puebla und Oaxaca gehts dann zu dritt weiter - Niki, die sich schon von Vancouver nach Seattle angeschlossen hatte, war wieder mit von der Partie. Bergauf, bergab, vom tropischen Küstenklima bis zum regnerisch-kalten Hochland war alles dabei bis San Cristobal de las Casas, wo man dann Anfang Februar auf die Weiterfahrt nach Guatemala vorbereitete. (ARGUS) |












