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Tour der Genüsse in der Emilia Romagna

Ziel der RadKulTour von ARGUS Steiermark war heuer die Gegend um Chiaravalle della Colomba bei Fidenza in der Oberitalienischen Emilia-Romagna, die neben dem Reichtum an Kultur auch für besondere kulinarische Genüsse bekannt ist.

Ausgehend vom Palazzo della Comenda, den ehemaligen Räumlichkeiten des Abtes der Zisterzienserabtei Chiaravalle della Colomba wurde in 5 sternförmigen Touren die nähere Umgebung erkundet.


Terme Berzieri in Salsomaggiore
Terme Berzieri in Salsomaggiore
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Pause im Park
Pause im Park
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Fidenza und Salsomaggiore Terme
Fidenza war die erste Station der Reise, einst bedeutender Kreuzungspunkt der römischen Via Emilia und der Pilgerstraße Via Francigena (Frankenstraße), die von Canterbury nach Rom führte. Am romanischen Dom zeigen die zahlreichen Reliefs unter anderem Szenen des Pilgerlebens.

Auf der Panoramastraße nach Salsomaggiore Terme war besonders der Ausblick in den Apennin ein Genuss. Sein Flair verdankt der seit fast 200 Jahren beliebte Kurort seinen mondänen Jugendstilgebäuden wie dem historischen Bad, der Terme Berzieri vom Anfang des 20. Jh. oder dem Kongresspalast, in dem heute auch das Paläontologische Museum „Il Mare Antico" untergebracht ist. Dort wurde der Gruppe, anhand der zahlreichen marinen Fossilien des Stirone-Tals sehr anschaulich die Entstehungsgeschichte der Region verdeutlicht.


Parmigano
Parmigano
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Parma
Per Bahn ging es nach Parma. Im ehemaligen Nonnenkloster San Paolo waren besonders die Jahrhunderte lang für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Fresken von Alessandro Araldi (1514) und von Correggio (1518) von Interesse. Auftraggeberin war die sehr eigenwillige Äbtissin Giovanna, die sich mit den dargestellten Motiven gegen die Zwänge von Staat und Kirche auflehnte. Auf dem Weg lag dann das Castelguelfo, dessen Eigentümer alle eines gewaltsamen Todes gestorben sind und das auch heute noch in Privatbesitz ist, so wie die Rocca (Festung) in Noceto.

In der Bio-Käserei „Ciaolatte" erklärte Chefin Afra die Herstellung des Parmiggiano Reggiano (Parmesankäse). Beeindruckend war vor allem das Magazin mit den schweren Käseleibern. Natürlich wurde der herrliche Käse auch verkostet und zum Dessert gab es hausgemachtes Bio-Eis.


Meli Lupi
Meli Lupi

Soragna und Fontanellato
Die Rocca Meli Lupi in Soragna ist noch heute im Familienbesitz. Der Fürst war gerade anwesend und begrüßte die Gruppe mit akzentfreiem Deutsch. Um den Kaiser zu beeindrucken und den Fürstentitel zu erwerben, haben seine Vorfahren das Schloss sehr pompös ausgestattet. Die Rocca Sanvitale in Fontanellato dagegen wurde vom letzten männlichen Nachkommen an die Gemeinde verkauft.

Die Rocca Sanvitale wirkt wesentlich schlichter und teilweise auch düsterer als die Rocca Meli Lupi. Besonderes interessant sind die Fresken des 20-jährigen
Parmigianino aus dem 16. Jahrhundert in einem relativ kleinen, dunklen Raum, die aus Trauer um ein verstorbenes Kind der Familie beauftragt wurden. In der „camara ottica" (optischer Raum) wird mit einer raffinierten Anordnung von Prismen und Spiegeln das Bild des Vorplatzes auf eine konkave Fläche projiziert. Den kulinarischen Teil der Tour bildete der Besuch der Mikro-Brauerei Toccalmatto in Fidenza, die Bruno Carilli Ende 2008 in dieser Gegend völlig ohne Brautradition gegründet hatte. Die Kreationen sind durchaus interessant wie Ambrosia, ein leichtes Sommerbier mit Hollergeschmack.


Teatro Verdi in Busseto
Teatro Verdi in Busseto
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Maria Angeli
Maria Angeli
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Alltagsradeln auf Italienisch
Alltagsradeln auf Italienisch

Fürstentum der Pallavicino
Aufgrund des Schienenersatzverkehrs ohne Radmitnahme musste die Tour ins landschaftlich reizvolle Tarotal leider ausfallen. Stattdessen wurde kurzfristig eine Runde im ehemaligen Fürstentum der Pallavicino auf den Spuren des Komponisten Giuseppe Verdi anberaumt. In Roncole Verdi, dem Geburtsort des Komponisten, ging es an dessen Geburtshaus vorbei. Im Nachbarhaus wohnte einst Giovanni Guareschi, radelnder Journalist und Autor der Geschichten von Don Camillo und Peppone.

Die Rocca von Busseto war einst Stammsitz der Pallavicino. Dort hat man 1868 zu Ehren von Giuseppe Verdi, aber ganz gegen seinen Willen, ein neues Theater eröffnet. Neben der Villa Pallavicino hat in der kleinen Kirche Santa Maria degli Angeli eine Terracotta-Figurengruppe von Manzoni aus dem 15. Jh. besondere Aufmerksamkeit erregt. Vor allem die naturgetreue Darstellung der Personen, zwei davon aus der Familie Pallavicino, war wirklich sehr beeindruckend.

Cortemaggiore mit seiner überdimensionalen Kirche hätte im 15. Jh die neue Hauptstadt des Pallavicinischen Staates werden sollen. Noch heute erkennt man den regelmäßigen Grundriss der Stadt.


Blick auf Castell'Arquato
Blick auf Castell'Arquato
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Baptisterium von Vigolo
Baptisterium von Vigolo
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Castell'Arquato
Castell'Arquato gilt als eine der schönsten Ortschaften Italiens. Das mittelalterliche Ortsbild wird durch die Festung dominiert. Der Aufstieg in der sommerlichen Hitze wurde durch einen herrlichen Ausblick ins Hügelland des Apennins belohnt. Unsere einheimische Führerin Claudia erklärte der Gruppe zahlreiche Besonderheiten, z.B. dass Luchino Visconti seinen Willen durchsetzte und der Kirchturm dem Festungsneubau weichen musste. Weiter ging es am Fuße der Hügel des Weinbaugebietes „Colli Piacentini DOC".

Nach einer kurzen Pause an der romanischen Basilika und dem kleinen Baptisterium von Vigolo Marchese radelte die Gruppe weiter zum Weingut Pusterla. In der kleinen Burg, die sich heute im Besitz der Familien Freschi und Gandolfi befindet, wurde die Gruppe mit einer Kostprobe ortstypischer Weine und Käse bewirtet.

HEIDI SCHMITT/ STEPHAN LANDGRAF